12.02.2013

Benedikt leitete die Weltkirche in schwieriger Zeit Ein Theologe auf dem Stuhl Petri

Das Pontifikat Benedikts XVI. war bedeutend kürzer als das seines Vorgängers Johannes Paul II. Dennoch hat der deutsche Papst die Kirche in ganz besonderer Weise geprägt. Er hat für manche Überraschungen gesorgt und musste auch Pannen durchstehen.

Der Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. kam plötzlich, letztlich aber nicht ganz überraschend. Der 85-Jährige sah, dass seine Kräfte zunehmend schwinden. Und vielleicht auch vor dem Hintergrund des langen und öffentlichen Leidens seines Vorgängers Johannes Paul II. wollte er die Leitung der Kirche in frischere Hände geben. Mit der ihm eigenen Klarheit hat er am Montag einen Rücktritt zu einem genau fixierten Termin angekündigt: für den 28. Februar, 20.00 Uhr. Er hat sich dabei streng an die Normen des Kirchenrechts gehalten, was die Umstände des Rücktritts und seinen künftigen Aufenthaltsort in vatikanischer Klausur betrifft. Und er hat dafür Sorge getragen, dass ein denkbares Schisma zwischen eigenen Anhängern und denen seines Nachfolgers vermieden wird.

Wie kaum einer seiner Vorgänger hat der brillante Theologe und scharfsinnige Analytiker Joseph Ratzinger die geistige Auseinandersetzung mit der Zeit geführt und forciert. Er wirkte vor allem mit seinem Wort, mit seinen geschliffenen Ansprachen und Dokumenten. Er wollte den Gläubigen Freude am Glauben und an der Kirche vermitteln. Seine großen Reden vor Politikern und Denkern in Paris, London, Berlin oder vor der UNO fanden höchste Anerkennung. Er verstand sich weniger auf spektakuläre Gesten wie zuvor der polnische Papst, auch wenn ihm bei seinen Auslandsreisen aber auch in Rom die Menschenmassen zujubelten.

Das Erbe des Vatikanums

Benedikt XVI. wollte die Kirche nach dem Konzils und den bewegten Jahren unter Johannes Paul II. wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen. Zu den Hauptanliegen dieses Pontifikates gehörte es, die vielen Aufbrüche der vergangenen Jahre zu vertiefen, theologisch auszuloten und abzusichern.

Schon bald nach dem Konklave, in dem Kardinal Joseph Ratzinger am 19. April 2005 im Alter von 78 Jahren an die Spitze der Weltkirche gewählt wurde, gelang es ihm, aus dem Schatten seines Vorgängers zu treten. Er akzentuierte manches anders, insbesondere in der Debatte um das Erbe des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Aufbrüche und neue Ideen sollen ins Gesamtgeflecht der Kirche und ihrer Tradition eingeordnet werden. Das Konzil ist für ihn nicht Bruch, sondern eine Etappe in der 2.000-jährigen Kirchengeschichte. Dazu gehörte auch sein Bemühen um eine Aussöhnung mit den Traditionalisten der Piusbruderschaft. Durch eine breitere Einführung der «alten Liturgie» von 1962 wollte er ihnen entgegenkommen.

Der Williamson-Eklat

Benedikt XVI. unternahm 24 Pastoralreisen in alle Welt. Er führt die Weltjugendtage weiter und lud zu einem interreligiösen Friedensgipfel nach Assisi ein. Starke "politische" Akzente setzt sein Pontifikat in Richtung Nahost. Vielversprechend sind die Signale seiner Kuba-Reise. Auch seine Kontaktaufnahmen mit Vietnam und China scheinen derzeit an einem guten Punkt.

Gefestigt und ausgebaut hat Benedikt XVI. die ökumenischen und interreligiösen Kontakte. Die Beziehungen zum Judentum sind inzwischen so stabil, dass sie auch schweren Belastungen standhalten, wie nach dem Williamson-Skandal oder dem Streit um die Karfreitagsfürbitte. Auch das Verhältnis zum Islam, das nach dem Regensburger Vortrag von 2006 mit dem mohammedkritischen Zitat einen Einbruch erlebte, ist wieder stabiler.

Bittere Zeiten musste Benedikt XVI. 2009 durchleben, als aus der Rücknahme der Exkommunikation für die Piusbrüder-Bischöfe ein medialer Super-Gau entstand: Denn unter ihnen war auch der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Die folgenden Missdeutungen, Entschuldigungen und Neustrukturierungen hinterließen Schrammen. Allerdings führte dieser Eklat mittelfristig zu einer neuen Versachlichung und in einen theologischen Dialog mit den Traditionalisten.

Weltweite Anerkennung

Noch dramatischer wirkte ein Jahr später die neue Explosion der Missbrauchsskandale. Erst nach Monaten gelang es Rom, die seit 2001 geltende und durch Kardinal Ratzinger angestoßene Rechtslage und die kirchliche Praxis darzulegen. Seit Beginn 2012 hatte der Vatikan dann mit "Vatileaks" und dem Verrat geheimer Dokumente durch den päpstlichen Kammerdiener Paolo Gabriele ein neues Problem.

Für seinen Rücktritt hat sich Benedikt XVI. einen Zeitpunkt ausgesucht, an dem sich die Wellen der Erregung wieder etwas geglättet hatten. Denn er wollte, so hatte er in seinem Interview-Buch mit Peter Seewald betont, die Kirche im Fall eines Rücktritts keinesfalls in einer Situation der Gefahr verlassen.

Benedikt XVI. hat die katholische Weltkirche in einer schwierigen Zeit geführt. Durch ein intensives Arbeitspensum hat er sich physisch aufgerieben. Er hatte es mit seiner nüchternen Art des Theologen und Intellektuellen sicher schwerer, die Herzen der Menschen zu erobern, als sein theateraffiner Vorgänger. Durch seinen Intellekt und seine menschliche Bescheidenheit hat er sich dennoch weltweit Anerkennung verschafft. Von daher war seine Amtszeit keinesfalls ein Übergangspontifikat.

Johannes Schidelko
(KNA)

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