11.02.2013

Benedikt XVI. geht nach Amtsverzicht ins Kloster Papst im Ruhestand

Und was kommt nun: Kehrt Papst Benedikt XVI. als Joseph Ratzinger zurück in seine bayrische Heimat zu seinem Bruder Georg, wie er sich das mal gewünscht hatte? Nein, er bleibt im Vatikan und zieht in ein Kloster.

Dass Papst Benedikt XVI. das höchste Amt der katholischen Kirche als Last empfand, machte er bald nach seinem Antritt deutlich: Das sich abzeichnende Votum der Kardinäle am 19. April 2005 habe er wie ein "Fallbeil" erlebt, sagte er einmal. Keine Spur davor, dass er sein Papsttum genießen wollte wie manche Vorgänger in der Renaissance. In protokollarische Gepflogenheiten wie etwa einen Empfang mit militärischen Ehren musste er sich einfinden. Bei den ersten Auslandsreisen spürte man, dass das nicht seine Welt war.

In seiner letzten Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation hatte Ratzinger den Wunsch geäußert, die verbleibenden Lebensjahre nach einem Ausscheiden aus dem Kuriendienst als Privatgelehrter zu arbeiten, Bücher zu schreiben und die Zeit gemeinsam mit seinem Bruder Georg zu verbringen, den er auch als theologischen Gesprächspartner schätzt.

Üblicher ist der Alterssitz in einem Kloster

Doch auch diesmal wird dieser Wunsch nicht Wirklichkeit. Nach seinem überraschenden Amtsverzicht vom Montag will sich Benedikt XVI. zunächst an seinen Sommersitz Castel Gandolfo begeben. Später werde er sich in das bisherige Karmelkloster innerhalb der Vatikanmauern zu einem Leben in Gebet und Meditation zurückziehen, teilte Vatikansprecher Federico Lombardi mit. Zwar hat Benedikt XVI. noch immer seine alte Wohnung in Pentling. Doch dass sich ein ehemaliger Stellvertreter Christi in eine Wohnsiedlung im Oberpfälzischen zurückgezogen hätte, wäre eine Neuheit in der Kirchengeschichte gewesen.

Üblicher ist der Alterssitz in einem Kloster. So hatte sich das auch Cölestin V. (1294) vorgestellt, der bislang prominenteste reguläre Papst, der auf sein Amt verzichtete. Als Einsiedler war er Papst geworden, und Einsiedler wollte er wieder werden. Das verwehrte ihm allerdings sein Nachfolger Bonifaz VIII. (1294-1303): Aus Angst vor einem bleibenden Einfluss Cölestins, möglicherweise sogar einer Kirchenspaltung, ließ er ihn unter Hausarrest bis zum Tod 1296 nehmen.

Die Sorge vor Parteiungen, wenn ein ehemaliger Papst noch lebt, ist berechtigt. Auch mit Blick darauf schrieb Johannes Paul II. (1978-2005) schon 1994, dass es für einen "emeritierten Papst in der Kirche keinen Platz gibt". Gerade seine Parkinson-Erkrankung und sein monatelanger Leidensweg vor dem Tod am 2. April machten aber die Dringlichkeit deutlich, eine Regelung für Fälle zu schaffen, in denen ein Papst die Leitung der Weltkirche wegen Kräftemangels oder Krankheit nicht mehr wahrnehmen kann.

Keine voreilige Entscheidung

Nun hat Benedikt XVI. dieses Problem für sich gelöst: "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben", sagte er am Montag seinen Kardinälen. Eine schnell sich verändernde Welt werde "durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen". Um als Papst darauf zu antworten, sei eine «Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig», die er, Benedikt XVI., nicht mehr besitze.

Dass Ratzinger weiter öffentlich im Vatikan in Erscheinung tritt, ist schwer vorstellbar. So entschied er sich jetzt, ein zurückgezogenes Leben in dem Kloster in den Vatikanischen Gärten zu führen. Insofern war es keine voreilige Entscheidung, dass er im Dezember seine alte Wohnung im römischen Borgo Pio an seinen Nachfolger in der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, abtrat.

Für Cölestin V. zeigte Benedikt XVI. eine besondere Sympathie. Zwei Mal besuchte er dessen Gedenkorte. Sensibel verzeichneten Chronisten, wie Benedikt XVI. am 28. April 2009 in der Abruzzen-Hauptstadt Aquila das Grab des Eremiten-Papstes in der Kirche Santa Maria di Collemaggio aufsuchte und dort seine eigene päpstliche Ehrenstola, das Pallium, niederlegte. Das schien wie der Wunsch, die Bürde des Amtes mit dem Vorgänger zu teilen. Sein Schicksal im Hausarrest muss er nicht befürchten.

Burkhard Jürgens
(KNA)

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