"Wenn sich zwei Christenmenschen treffen, dann sprechen sie auch über Gott"
"Wenn sich zwei Christenmenschen treffen, dann sprechen sie auch über Gott"
Papst Benedikt empfängt Bundespräsident Gauck
Papst Benedikt empfängt Bundespräsident Gauck

07.12.2012

Bundespräsident Gauck "vor allem als Christ" beim Papst Audienz im Vatikan

Papst Benedikt XVI. hat Bundespräsident Joachim Gauck in Privataudienz empfangen. Er sei "als Bundespräsident, als Landsmann, aber vor allem als Christ" gekommen, sagte Gauck nach der mit 30 Minuten ungewöhnlich langen Begegnung im Vatikan. In dem Gespräch ging es um Herausforderungen der Globalisierung und Säkularisierung.

Es war das erste Zusammentreffen zwischen Gauck, der im März zum Bundespräsidenten gewählt worden war, und Benedikt XVI.. Nach der Audienz in der päpstlichen Privatbibliothek traf Gauck mit dem "Regierungschef" des Vatikan, Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone, zusammen. Am Morgen hatte der Bundespräsident den Petersdom besichtigt.

Globalisierung und Säkularisierung waren Gesprächsthemen
Im Mittelpunkt der Gespräche standen Vatikanangaben zufolge die "sehr freundschaftlichen" bilateralen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Deutschland sowie die Herausforderungen der Globalisierung und der Säkularisierung. Gemeinsam mit dem Papst habe er die Bedeutung der "Idee von Europa" betont, die es auch in Zeiten der Krise nicht aufzugeben gelte, sagte Gauck.

"Wenn sich zwei Christenmenschen treffen, sprechen sie auch über Gott", sagte Gauck. Dabei sei es nicht um Differenzen zwischen ihm als Protestanten und dem katholischen Kirchenoberhaupt gegangen, "sondern darum, was uns verbindet", sagte der frühere evangelische Pastor.

Gauck äußerte sich beeindruckt von der Direktheit und Lebendigkeit des Gesprächs mit dem nach seinem Eindruck weder vom Alter noch von der Bürde seines Amtes gezeichneten Papst. Dieser sei sehr gut vorbereitet gewesen und habe Kenntnis über die Lebensbedingungen seines Gastes unter Beweis gestellt. Er habe an Benedikt eine "konzise, nicht triumphalistische Haltung erlebt".

Glaube könne Diktaturen überwinden
Das Reformationsjubiläum 2017 sei aus Zeitgründen nicht zur Sprache gekommen. "Der Name Wittenberg ist nicht gefallen, der Name Habermas schon", sagte Gauck mit Hinweis auf den deutschen Philosophen, der mit dem damaligen Kardinal Joseph Ratzinger vor dessen Wahl zum Papst eine aufsehenerregende Podiumsdiskussion geführt hatte.

Nach dem Besuch am Grab von Papst Johannes Paul II. am Morgen in den Grotten unter dem Petersdom ging es bei dem Gespräch mit Benedikt nach Gaucks Worten überdies um das "vielleicht größere Hoffnungspotenzial in Zeiten der Unterdrückung". Der Glaube biete Menschen in Diktaturen möglicherweise eine besondere Kraft, ergänzte er mit Blick auf die Rolle der Kirchen bei der Überwindung der Diktaturen in Polen und Ostdeutschland.

Vor seiner Weiterreise nach Kroatien wollte Gauck am Nachmittag im Vatikan das deutsche Priesterkolleg und den Friedhof "Campo Santo Teutonico" besuchen. Der Besuch des Bundespräsidenten beim Oberhaupt der katholischen Weltkirche erhält einen besonderen Akzent durch die Tatsache, dass Gauck der erste Theologe im höchsten Staatsamt der Bundesrepublik ist. Vor seinem Wechsel in die Politik während der friedlichen Revolution 1989 war er evangelischer Pastor in Mecklenburg.

Im Unterschied zu anderen Auslandsreisen wurde der Bundespräsident mit Rücksicht auf protokollarische Regeln im Vatikan nicht von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet. Bis auf Christian Wulff, Walter Scheel und Heinrich Lübke haben bisher alle Bundespräsidenten dem jeweiligen Papst einen offiziellen Besuch im Vatikan abgestattet. Zuletzt war im Dezember 2009 bei einem Vatikan-Besuch der damalige Bundespräsident Horst Köhler von Papst Benedikt XVI. empfangen worden.

( epd )

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