Friedensbote im Libanon - Benedikt XVI.
Friedensbote im Libanon - Benedikt XVI.

20.10.2012

Papst verurteilt scharf "schreckliches Attentat" in Beirut Reaktionen auf den Terror

Papst Benedikt XVI. hat den jüngsten Bombenanschlag in Beirut scharf verurteilt. In einem am Samstag veröffentlichten Beileidstelegramm an den maronitischen Patriarchen Bechara Rai bekundete er den Opfern und ihren Angehörigen seine Solidarität. Es handle sich um ein "schreckliches Attentat", heißt es in dem Schreiben, das Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone unterzeichnete.

Der Papst bete für Frieden und Versöhnung in der Region, heißt es weiter. Benedikt XVI. hatte vom 14. bis 16. September den Libanon besucht. Dabei feierte er mit mehr als 300.000 Menschen einen Gottesdienst in Beirut.

In einer ersten Reaktion hatte der Vatikan den Anschlag bereits als "absurde mörderische Gewalt" verurteilt. Er richte sich gegen alle Bemühungen, das friedliche Zusammenleben im Libanon zu bewahren, erklärte Vatikansprecher Federico Lombardi.

Anschlag gegen Zivilisten
Der maronitische Erzbischof von Beirut, Paul Youssef Matar, hatte in einer ersten Reaktion erklärt, der Anschlag habe sich "eindeutig gegen Zivilisten" gerichtet. "Wir bemühen uns, dass unser Land nicht in das hineingezogen wird, was in Syrien passiert, aber es gibt Leute, die es in den Krieg treiben wollen", sagte er in einem Telefonat mit Radio Vatikan. Die Tat werde zu "noch mehr Terrorismus, noch mehr Angst" führen.

In Berlin verurteilte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den Anschlag "auf das Schärfste". Er appellierte an alle politischen Kräfte im Libanon, "kein zusätzliches Öl ins Feuer zu gießen und die politische Lage stabil zu halten. Es wäre eine Tragödie für das ohnehin fragile Land und eine große Gefahr für die ganze Region, wenn es zu einem Übergreifen der schrecklichen Gewalt aus Syrien auf den Libanon oder andere Nachbarländer käme".

Großmufti in Libanon mahnt zu Besonnenheit - Proteste in Beirut
Angesichts wütender Proteste nach dem Terroranschlag hat der libanesische Großmufti Mohammad Rashid Qabbani zu Ruhe und Zurückhaltung aufgerufen. Die Drahtzieher des Attentats seien wohlbekannt, sagte der geistliche Führer der Sunniten laut der libanesischen Zeitung "Daily Star" (Onlineausgabe) am Samstag.

Den getöteten sunnitischen Geheimdienst-Chef Wissam al-Hassan und die anderen Opfer bezeichnete der Großmufti als "Märtyrer", deren Blut nicht umsonst vergossen sei. Zugleich rief er an seinem Amtssitz, dem Dar al-Fatwa, eine dreitägige Trauerzeit aus. Die traditionellen Empfänge zum islamischen Opferfest in der kommenden Woche sagte er ab.

Unterdessen verurteilte auch der maronitische Patriach Bechara Rai den Anschlag. Von Rom aus, wo sich das Kirchenoberhaupt derzeit zu einer Bischofssynode im Vatikan aufhält, sandte er laut der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA Beileidsbekundungen an Staatspräsident Michel Suleiman und die Familien der Opfer. Zugleich mahnte er die Libanesen zur Einheit gegen "Kräfte des Bösen, die uns spalten wollen". Suleiman kam nach Angaben des Innenministeriums am Samstagvormittag mit Ministerpräsident Nadschib Mikati zu einer Besprechung im Präsidentenpalast von Baabda zusammen.

Nationaler Trauertag
Der Samstag war zum nationalen Trauertag im Libanon erklärt worden. Öffentliche Einrichtungen blieben geschlossen, Ministerpräsident Mikati ordnete Beflaggung auf Halbmast vor allen staatlichen Institutionen an. Rundfunk- und Fernsehsender wurden angehalten, ihr Programm passend zu dem Vorfall zu ändern.

Die Jugendbewegung der syrienkritischen "Allianz des 14. März" hielt am Samstagmittag eine Protestveranstaltung auf dem Platz der Märtyrer im Zentrum von Beirut ab. Laut nationalen Medien forderten die Teilnehmer den Rücktritt der Regierung.

Durch den Bombenanschlag im Zentrum der libanesischen Hauptstadt waren am Freitag mindestens 8 Menschen getötet und 78 verletzt worden. Der Sprengsatz detonierte im christlichen Stadtteil Aschrafieh nahe des Hauptquartiers der Kataib-Partei, die gegenüber der Regierung von Baschar al-Assad im benachbarten Syrien eine ablehnende Haltung vertritt. Die Bombe befand sich nach Angaben von Sicherheitskräften in einem Auto.

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