24.04.2012

Papst Benedikt XVI. bittet die Bischöfe um Mithilfe bei "pro multis" Zurück zum Urtext

Der Papst hat entschieden, dass künftig auch in Deutschland bei Eucharistiefeiern ein entscheidendes Wort in Richtung Urtext geändert wird. Was für Außenstehende wie eine Haarspalterei unter Theologen wirken mag, ist für viele Katholiken ein heikles Thema.

An der dramatischsten, heiligsten Stelle der Messe soll der Priester künftig die Worte Jesu beim Letzten Abendmahl mit diesen Worten wiederholen: "Dies ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes; mein Blut, das für Euch und FÜR VIELE vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Tut dies zu meinem Gedächtnis." Etwa seit 1970 hieß es in den katholischen Kirchen des deutschen Sprachraumes: "das für Euch und FÜR ALLE vergossen wird".

Doch dies war, wie Benedikt XVI. jetzt den deutschen Bischöfen in einem Brief mitgeteilt hat, eine zwar theologisch begründete, aber grundsätzlich nicht geeignete Vermischung von Übersetzung und Interpretation. Denn im Urtext und in der verbindlichen lateinischen Fassung heißt es "für viele" (pro multis) und nicht "für alle". Nicht umsonst warnt der Papst in seinem Schreiben vor der Gefahr einer "Spaltung im innersten Raum unseres Betens" und bittet die Bischöfe inständig, die Gläubigen in dieser "schwerwiegenden Frage" auf die bevorstehende Änderung vorzubereiten.

Gegen eine Vermischung
Umstritten ist das eine Wort wegen seiner theologischen Bedeutung. Als sich die Bischöfe im Zuge der Liturgiereform von 1969/70 im deutschen, aber auch im englischen, spanischen und italienischen Sprachraum dafür entschieden, dieses Wort Jesu mit "für alle" (for all, por todos, per tutti) zu übersetzen, machten sie damit eine theologische Aussage: Jesus ist nicht nur für eine bestimmte Gruppe gestorben, sondern für alle Menschen.

Dass diese Aussage an sich richtig sei, betont auch Benedikt XVI. in seinem am Dienstag veröffentlichten Brief. Wogegen er sich wendet, ist eine Vermischung von sprachlicher Übersetzung und theologischer Interpretation im liturgischen Text. Diese "Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung" war in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) durchaus üblich; allerdings hält sie der Papst aus prinzipiellen Gründen für letztlich abwegig. Und bei manchen Übersetzungen der heiligen Texte sei es zu "wirklichen Verlusten" und zu "Banalisierungen" gekommen, die es nun zu korrigieren gelte.

Wer je in einer englischsprachigen Messe die Antwort der Gläubigen auf das "The Lord be with you" (Der Herr sei mit euch) gehört hat, weiß, was der Papst meint. Die Antwort lautete dort schlicht: "And also with you" (und auch mit dir) - was nur noch sehr entfernt an das liturgisch korrekte "und mit deinen Geiste" erinnerte.

Freundlich, aber bestimmt
Bei der Eucharistie sind inzwischen die Priester in den meisten Ländern zur uralten Formel "für viele" zurückgekehrt. Im deutschen Sprachraum ist der Papst in der Frage des "pro multis" auf die Mitwirkung der Bischöfe angewiesen. In seinem acht Seiten umfassenden Schreiben, das in einer werbenden und konzilianten Diktion verfasst ist, legt er dar, dass auf keinen Fall der Eindruck entstehen solle, dass Rom die theologische Aussage dieser Worte ändern oder "das Erbe des Konzils zerstören" wolle. Nur wenn die Bischöfe und die Pfarrer den Gläubigen dies geduldig erklärten, könne dieser falsche Eindruck vermieden werden.

Bislang hatten sich die Oberhirten im deutschsprachigen Raum offenbar noch nicht durchringen können, dem Papst in dieser theologisch heiß debattierten Frage zu folgen. Ein fast gleichlautendes Schreiben der vatikanischen Gottesdienstkongregation von 2006 führte in Deutschland noch nicht zu einer Änderung. Nachdem nun Benedikt XVI. persönlich die Bischöfe freundlich, aber bestimmt gebeten hat, seine Linie zu vertreten, liegen die Dinge anders.

Ludwig Ring-Eifel

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