Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen
Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen

15.09.2011

Kommentar von domradio.de-Chefredakteur zum angekündigten Papstboykott "Toleranz kommt von tolerare"

Es ist wahrlich ein historisches Ereignis: Papst Benedikt XVI. spricht im Rahmen seines offiziellen Staatsbesuchs im Reichstag zu den deutschen Volksvertretern. Doch einige Parlamentarier wollen die Rede demonstrativ boykottieren. Diese bräuchten wohl Nachhilfe in Sachen Demokratie, meint Ingo Brüggenjürgen in seinem Kommentar.

"Das ist so kleinkariert und engstirnig, dass man da nur drüber lachen oder weinen kann!", so kommentierte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner den geplanten Boykott jener Bundestagsabgeordneten, die am Donnerstag bei der Rede des Papstes nicht zuhören wollen. Gut 100 Parlamentarier haben angekündigt, dass sie dem Bundestag lieber fern bleiben wollen. In welchem Land leben wir eigentlich, möchte man fragen, wenn man bedenkt, dass unsere demokratisch gewählten Volksvertreter die Grundregeln der Demokratie einfach außer Acht lassen. Da wäre wohl eine Nachhilfestunde nötig. Aber nicht nur die Demokratie lebt von Achtung, Respekt und Verständnis. Es gehört eigentlich zu den einfachsten Formen der menschlichen Kommunikation, dass man zuhört und sich um Verständnis bemüht. Der Papst kommt ja auch nicht als Religionsführer, der im Bundestag einen neuen Gottesstaat ausrufen wird, sondern als Chef des Vatikans - es ist ein offizieller Staatsbesuch. Der Bundespräsident und der Bundestagspräsident haben den obersten Repräsentanten des Heiligen Stuhls eingeladen.

Mag ja sein, dass der Gast nicht von allen gleichermaßen geschätzt wird. Aber gerade wer ständig Toleranz predigt, sollte auch selber die Kraft dazu aufbringen. Toleranz kommt von tolerare und heißt im ursprünglichen Sinne "ertragen". Sind die zu erwartenden Worte des Papstes nicht einmal zu ertragen? Selbst dann nicht, wenn man nach dem Zuhören in zahlreich bereitstehende Pressemikrophone die Papstrede kritisieren und auseinandernehmen kann. Schade, wenn man nicht einmal mehr Zuhören kann. Traurig aber auch, dass im Bundestag die Stühle der boykottierenden Abgeordneten nicht einfach leer bleiben sollen. Um dem hohen Haus die Peinlichkeit zu ersparen, sollen verdiente Altparlamentarier Lückenbüßer spielen. Der Papst hat schon viele Proteste erlebt und vieles geduldig ertragen. Dass er und seine Botschaft in seiner eigenen Heimat nicht nur Zustimmung findet, weiß er auch nicht erst seit gestern. Wenn Benedikt XVI. dennoch frohgemut nach Deutschland kommt, dann zeigt das nur, hier hat einer eine Botschaft zu verkünden. Die ist über 2000 Jahre alt, und es ist eine Frohe Botschaft der Liebe Gottes zu den Menschen. Keiner wird gezwungen, diese Botschaft, die nach christlicher Überzeugung eine Heilsbotschaft für alle Menschen ist, zu befolgen. Aber warum sollte man sie sich nicht wenigstens einmal anhören?

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