Queen Elisabeth II. mit Papst Benedikt XVI.
Die Queen und der Papst: Der Eindruck täuscht, sie verstanden sich gut

16.09.2010

Benedikt XVI. beginnt seine Reise mit einer überraschenden Rede Der Papst bei der Queen

Normalerweise ist es der Papst, der Audienzen gewährt; diesmal ging Benedikt XVI. zur Audienz bei der Queen. Mit einem würdevollen Zeremoniell vor historischer Kulisse begrüßte Königin Elizabeth II. das katholische Kirchenoberhaupt am Donnerstag auf ihrem schottischen Sitz Holyroodhouse in Edinburgh. Nationalhymnen, Ehrengarden und Dudelsackpfeifer bildeten den Auftakt seiner viertägigen Großbritannien-Reise. Das anschließende Gespräch unter vier Augen sei "sehr freundlich und familiär" gewesen, hob Vatikansprecher Federico Lombardi anschließend hervor.

"Einen besseren Beginn hätten wir uns gar nicht erwarten können", so der Sprecher. Nach der Kritik und den Protesten im Vorfeld bezog sich Lombardi damit nicht nur auf den freundlichen Empfang durch Elizabeth II. (84), die zugleich Oberhaupt der bedeutendsten Monarchie der Welt, des Commonwealth wie der anglikanischen Church of England ist. Vor allem die Reden von ihr und dem fast gleichaltrigen Oberhaupt der katholischen Weltkirche machten einen - so Lombardi - "sehr tiefen Einklang" deutlich.  

Elizabeth II., die seit 1951 mit fast allen Päpsten zusammengetroffen ist, sparte nicht mit Lob für die katholische Kirche und für den Vatikan. Der Heilige Stuhl habe wertvolle Dienste zur Verbesserung der Situation in Nordirland geleistet. Er spiele eine wichtige internationale Rolle für Frieden, Entwicklung und gegen den Hunger in der Welt. Die Queen beschwor das gemeinsame christliche Erbe und den Beitrag der Christen für den Weltfrieden.
Sie stellte sich hinter den jüngsten Appell des Papstes, dass Religion niemals ein Vehikel von Hass sein dürfe. Und sie würdigte den britischen Kardinal John Henry Newman (1801-1890), den der Papst am Sonntag seligspricht. Zuletzt äußerte sie die Hoffnung auf eine Vertiefung der Beziehungen zwischen Katholiken und Anglikanern.

Benedikt XVI. betonte in seiner Rede ebenfalls die christlichen Grundlagen Europas und des Gastlandes. Auch in einer multikulturellen Gesellschaft wie dieser müssten die traditionellen Werte bewahrt bleiben, dürfe der "christliche Grund nicht verdunkelt" werden. Benedikt XVI. würdigte die politische und wirtschaftliche Schlüsselrolle des Vereinigten Königreichs auf der internationalen Bühne und lobte seinen Einsatz für den Frieden in der Welt und für Europa. Ganz besondere Aufmerksamkeit fand dann aber seine Äußerungen zur deutschen Vergangenheit: Er würdigte den Widerstand Großbritanniens gegen die "Nazi-Tyrannei" - die "Gott aus der Gesellschaft entfernen und vielen das allgemeine Menschsein absprechen wollte", vor allem den Juden.

Zwar stimmten bei der Papstrede von Holyroodhouse "alle Stichworte", meinte ein Politiker nach der Veranstaltung. Aber gerade ein solches Wort 70 Jahre nach der Luftschlacht um England sei vom Papst aus Deutschland auf britischem Boden geradezu erwartet worden. Benedikt XVI. habe diese Herausforderung hervorragend gemeistert - und damit bereits zu Besuchsbeginn das Eis gebrochen.

Ob damit freilich die kritischen Stimmen in England an der Papstreise verstummen, ist zu bezweifeln. Schon am Nachmittag organisierte der protestantische Prediger Ian Paisley in Glasgow mit rund 60 Anhängern eine Kundgebung gegen den Papst - wie schon 1982 gegen den Besuch von Johannes Paul II. Doch die Begegnung mit der Queen hat deutlich gemacht, dass die beiden "Monarchen" nicht nur die Zuständigkeit für zwei uralte, geschichtsträchtige und lange Zeit weltbestimmende Institution verbindet, sondern auch eine Vision für Werte und Aufgaben in der Welt von heute.

Johannes Schidelko

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