18.03.2009

Diakon Grevelding berichtet von seinen Eindrücken aus Kamerun Für ein differenziertes Afrika-Bild

Diakon Hans-Gerd Grevelding ist ein Freund Afrikas. Der Leiter der CV-Afrikahilfe ist im Erzbistum Köln für die Internationale Katholische Seelsorge zuständig und berichtet im domradio-Interview von beeindruckenden Erlebnissen in Kamerun. Die CV-Afrika-Hilfe fördert bewusst kleine Projekte in Afrika, um dort präsent zu sein, wo sich Menschen verloren und verlassen fühlen.

domradio: Sie waren vergangenen Dezember zuletzt in Kamerun. Mit welchen Eindrücken sind sie von dort zurückgekehrt?Grevelding: Mit einer zehnköpfigen deutschen Delegation haben wir absolut positive Eindrücke gesammelt. Über kulturelle und gesellschaftliche Impressionen haben wir uns sehr gefreut und sehr gewundert. Das Bild von Afrika, das in unserem Land vermittelt wird, ist leider ein anderes. Notlagen, Hungernde und Sterbende prägen hier unsere Wahrnehmung von Afrika. Die wachsende Infrastruktur wird kaum beschrieben. Der niedrigere Lebensstandard wird von uns als Not erlebt. Bei diesem Schwarz-Weiß-Vergleich unterschlägt man die Erfolge, welche Afrika vorzuweisen hat. Und wenn man in einem so grünem Land wie zum Beispiel Kamerun ist, wo Menschen ihrer Arbeit nach gehen, dort wo man kaum etwas von der Wüste sieht, freut man sich über Gastfreundschaft und alle Impressionen. domradio: Not gibt es doch auch, Sie wollen aber ein differenzierteres Afrika Bild? Grevelding: Ja, denn dieses Afrika-Bild bekommt man in unserem Programm nur nachts um drei Uhr in Reportagen vermittelt. Ich bedauere es sehr, dass die Schlagzeilen der Haupt-Nachrichten über Afrika immer negativ sind.domradio: Es gibt viel Vorschritt, viel Veränderung in Afrika. Haben sie denn auch die Not gesehen? Grevelding: Die Not verfolgt einen bei den Besuchen in den Städten, in den Krankenhäusern und auch in manchen Familien. Doch muss man es auch so sehen: Menschen haben einen niedrigeren Lebensstandart, das wird von uns schon als Not wahrgenommen. Dabei sind diese Menschen in ihrer Not oft viel glücklicher als wir. Wir haben wesentlich mehr, aber wir sind oftmals unzufrieden. Mit 100 € können Familien dort ihren monatlichen Lebensunterhalt bestreiten. Es gibt dann Abstriche, z.B. nicht jeden Tag Fleisch, aber davon kann alles gekauft werden, was man zum Leben braucht. domradio: Daraus könnte man im Umkehrschluss folgern: So dringend brauchen die unsere Hilfe gar nicht.Grevelding: Wir wollen auch, dass sich Afrika weiter entwickelt. Nicht alle Länder sind gesegnet mit Natur oder einer wachsenden Infrastruktur. Ressourcen sind nicht in ganz Afrika vorhanden. domradio: Was sind die problematischen Seiten von Kamerun?Grevelding: Das  Umweltbewusstsein ist nicht ausreichend vorhanden. Viele Materialien, welche wieder verwendet werden könnten, werden weggeworfen. Müllabfuhr ist ein Problem, an dem stärker gearbeitet werden muss. Afrika ist mit viel Sonne gesegnet, aber Solarenergie wird kaum genutzt. Stattdessen sammeln sie weiter Holz, um Essen zu zubereiten. So wir der Baum- Busch- und Waldbestand weiter reduziert, wobei man mit Solarenergie den nachhaltigen Schutz der Natur gewährleisten könnte. domradio: Wie begründen sie die erhöhte Zufriedenheit der Menschen? Wieso sind Afrikaner glücklicher? Grevelding: Ich halte mich gewöhnlich im katholischen Milieu auf. Ich sehe, dass die Menschen sehr viel beten, die Beziehung zu Gott sind sehr intensiv.  Es wird angenommen, was Gott gegeben hat. Man ist miteinander solidarisch, man stärkt sich gegenseitig. Die Dorfgemeinschaften halten zueinander, Familien gründen große Familienverbände, die Unterstützung ist sehr groß. Man betet vor jedem Essen, Gott ist den ganzen Tag über präsent, das hilft bei dem Umgang mit den täglichen Nöten.domradio: Was bedeutet der Besuch des Papstes für das Land?Grevelding: Die Menschen in Afrika brauchen ein Zeichen, dass sie von dem Rest der Welt nicht vergessen werden. Sie brauchen den Besuch der Menschen. Der Papst hat dort ein sehr sehr hohes Ansehen. Mit seinem Besuch zeigt der Papst ihnen die hohe Stellung, die sie in der katholischen Kirche genießen. domradio: Papst Benedikt XVI. hat sich zur Aidsproblematik geäußert und ist in die Kritik geraten. Er meinte, Kondome sollten nicht bei der Aidsprävention helfen. Wie stehen sie zu dieser Stellungnahme?Grevelding:  Als einziges Mittel hilft das bestimmt nicht. Solange die Männer von den Frauen erst einmal eine Zeugungsfähigkeit verlangen, bevor sie geheiratet werden, kann sich an dieser Situation nichts ändern. Es ist traditionell so, dass Männer zunächst mit den Frauen schlafen, um festzustellen ob sie mit dieser Frau Kinder bekommen können. Und wenn das nicht der Fall ist, werden diese Frauen nicht geheiratet. Auch wenn sie Kinder bekommen, ist eine Heirat nicht gewährleistet. An dieser Einstellung muss aus katholischer Sicht zunächst gearbeitet werden. Somit hat der Papst durchaus recht, mit dem was er da gesagt hat.domradio: Sie sagten, dass für die Menschen in Kamerun ein Besuch des Papstes wichtig ist. Kann der Besuch auch umgekehrt für uns wichtig sein? Kann die Welt etwas von dem Blick nach Kamerun lernen? Grevelding: Mir sagen die Afrikaner im Erzbistum Köln immer wieder: Für uns lohnt sich die Anreise nicht für eine Messe, die nur rund eine halbe Stunde dauert, wenn sie dafür vom Dorf eine Stunde in die Stadt fahren müssen. Dann erwarten sie, dass ihr afrikanischer Priester die Messe mindestens eineinhalb Stunden zelebriert. Für Afrikaner bedeutet Messe feiern, feiern im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn man den Afrikanern bei der Messe zusieht, erfährt man eine starke Dynamik. Sie bewegen sich, sie tanzen, sie bringen ihr Gefühl zum Ausdruck. Da können wir als Deutsche etwas von lernen.

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