Weihnachten im Homeoffice?
Weihnachten im Homeoffice?

29.11.2020

Arbeitspsychologin über Weihnachtsfeiern im Corona-Jahr "Gerade jetzt so wichtig wie nie"

In der Adventszeit laden gewöhnlich viele Unternehmen zur Weihnachtsfeier ein und bedanken sich bei ihren Mitarbeitern. Doch durch Corona werden solche Feiern reihenweise abgesagt. Keine gute Idee, findet Psychologin Julia Scharnhorst.

KNA: Frau Scharnhorst, in vielen Betrieben gehört die Weihnachtsfeier zum Jahresabschluss dazu. Wie wichtig ist so eine Feier?

Julia Scharnhorst (Fachbereichsleiterin Gesundheitspsychologie im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen): Sie ist sehr wichtig. Es ist ein schlechtes Zeichen, wenn Weihnachtsfeiern nicht mehr stattfinden oder die Leute nicht kommen. Das zeigt meistens, dass im Betriebsklima etwas nicht stimmt - denn eine Weihnachtsfeier schmiert das Betriebsklima und bringt Leute zusammen. Corona sollten Firmen jetzt nicht zur Ausrede nehmen, um die Weihnachtsfeier ausfallen zulassen. Im Gegenteil, gerade jetzt sind solche Feiern so wichtig wie nie.

KNA: Warum?

Scharnhorst: Im Home Office ist man es gewöhnt, mit den Kollegen fast nur über dienstliche Belange zu sprechen. Aber Menschen brauchen auch den anderen Austausch; dazu eignet sich eine Weihnachtsfeier ganz gut. Das ist auch eine Chance, aus dem Trott herauszukommen und die betriebliche Weihnachtsfeier ganz neu zu erfinden.

KNA: Wie kann die unter den derzeitigen erschwerten Bedingungen denn aussehen?

Scharnhorst: Es gibt beispielsweise Event-Agenturen, die corona-bedingt umdenken müssen und nun helfen, virtuelle Weihnachtsfeiern zu gestalten: Da verabredet man sich zum Beispiel zu einer bestimmten Zeit; vorher kommt vom Chef ein kleines Päckchen mit Gebäck und Kerze und einem kleinen Geschenk. Und dann kann man zusammen vor dem Bildschirm essen, das Geschenk auspacken und ein bisschen weihnachtliche Stimmung bei sich zu Hause erleben.

Man kann auch schauen, worauf die Mitarbeiter selbst Lust haben und ob sie sich einbringen möchten. So wird die Feier abwechslungsreicher. Warum sollen nicht auch Team-Mitglieder etwas Launiges vorbereiten, ein eigenes Gedicht vortragen oder einen selbstgedrehten Film einbauen?

KNA: Bei einer Feier geht es eher informell zu, man redet mit seinen Tischnachbarn, ein munteres Geschnatter. Das geht bei einer Online-Feier ja nicht so...

Scharnhorst: Man kann eine Feier auch zweiteilen. Es kann eine zentrale, offizielle Firmenfeier für alle geben; da werden die üblichen Reden geschwungen, und es gibt etwas Leckeres zu essen. Und dann gibt es häufig weitere, kleinere Feiern in den einzelnen Teams und Abteilungen, wo man mit seinen unmittelbaren Kollegen und Kolleginnen zusammensitzt. Das geht auch virtuell. Es gibt bei vielen Videoplattformen die Möglichkeit, sich nach einem Hauptteil in kleineren Gruppen zusammenzufinden. Da kann dann auch über Persönliches gesprochen und rumgealbert werden.

KNA: Also weg mit dem alten Mief der bekannten Feier?

Scharnhorst: Man kann die Situation durchaus als Chance sehen. Man sollte als Firma umdenken, statt bequem alles ausfallen zu lassen und die Mitarbeiter vage auf das nächste Jahr zu vertrösten. Es ist auch schön, wenn die Firma mal ein Päckchen mit Adventskalender oder Plätzchen schickt. Sie sollte auf jeden Fall alle Kanäle nutzen, um Zusammenhalt zu signalisieren, auch wenn jetzt jeder für sich sitzt.

KNA: In Corona-Zeiten werden Teams oft durch mobiles Arbeiten auseinandergerissen. Werden die Folgen unterschätzt?

Scharnhorst: Für viele Leute sind die Kollegen ein Stück weit Familie. Viele kommen auch deswegen zur Arbeit, weil sie die Menschen treffen wollen, die da jeden Tag sind. Auch wenn es mit einigen Konflikte geben mag - im Großen und Ganzen ist es für viele ein Ansporn, am Arbeitsplatz die Kollegen zu treffen. Gerade das ist in Corona-Zeiten schwierig; deshalb muss man sich umso mehr bemühen, gerade den Austausch über Informelles und Privates ein Stück weit aufrecht zu erhalten.

KNA: Wie kann denn das informelle Miteinander sonst gestärkt werden?

Scharnhorst: Man kann Erlebnisse organisieren, die die einzelnen Mitarbeiter zeitlich versetzt machen und Eindrücke davon anschließend zusammentragen. Ein Beispiel: Man verabredet, dass jeder an einen ausgewählten Ort - etwa zu einer bestimmten Weihnachtstanne - geht, und dort ein Selfie macht. Dann stellen alle ihre Bilder ein. So eine Collage hält das Erlebnis, das jeder hatte, für alle fest. Wenn es Corona wieder zulässt, ist auch ein gemeinsamer Spaziergang mit einem geselligen Open-Air-Ausklang, zum Beispiel an einem Feuer, eine schöne Idee.

KNA: Bei einer Weihnachtsfeier drückt der Arbeitgeber in der Regel seine Anerkennung für die Arbeit des ausklingenden Jahres aus. Mit einer E-Mail oder einer Flasche Wein ist es also nicht getan, oder?

Scharnhorst: Nein, das ist allenfalls nett. Und eine E-Mail an alle ist zu unpersönlich. Es sollte zumindest eine Videobotschaft sein. Und da darf sich auch jeder etwas anderes einfallen lassen, sonst wird es schnell langweilig, wenn vom Geschäftsführer über Team- und Gruppenleiter alle ein Video machen. Die Unternehmensleitung sollte ruhig Fantasie und Humor mit reinbringen.

Das Interview führte Angelika Prauß.

(KNA)

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