Zimtsterne in der Adventszeit
Zimtsterne in der Adventszeit
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti
Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti
Christstollen von der Bäckerei Nobis
Christstollen von der Bäckerei Nobis
Weckmänner mit Pfeife
Weckmänner mit Pfeife

01.12.2019

Brauchtumsexperte über die religiöse Bedeutung von Adventsgebäck Gebackener Glaube

Spekulatius, Christstollen, Zimtsterne – in der Adventszeit hat jeder sein eigenes Lieblingsgebäck. Doch Adventsgebäck schmeckt nicht nur lecker, hinter ihm steckt oft auch eine religiöse Bedeutung.

DOMRADIO.DE: Herr Becker-Huberti, haben Sie denn einen persönlichen Favoriten?

Prof. Dr. Manfred Becker-Huberti (Brauchtumsexperte und Theologe): Ich mag am liebsten Spekulatius, wenn er richtig gebacken ist. Nicht dieses Massenprodukt, sondern wenn er richtig im Brett oder im Nachfolgeinstrument gebacken ist und kross schmeckt. Das was die Niederländer, unsere ostfriesischen Nachbarn ganzjährig essen, das fällt bei uns in den Advent und die Weihnachtszeit.

DOMRADIO.DE: Schauen wir uns den Spekulatius doch etwas genauer an: Da finden wir tatsächlich figürliche Darstellungen. Sie sagen, dass sie in einem Brett gebacken werden. Es gibt da verschiedene Formen. Wie werden diese flachen Plätzchen genau gebacken?

Becker-Huberti: Normalerweise gehen die Spekulatius auf den heiligen Nikolaus zurück. Der Nikolaus erscheint ja seit der Reformation in eigener Person. Er beschenkt die Kinder und visitiert. Und jeder, der visitiert muss genau hinschauen. Das kommt vom lateinischen spekulare, hinschauen. Im 16. Jahrhundert kam der Spekulatius auf und zeigt Dinge wie einen reitenden Nikolaus oder er wird dargestellt als Bischof mit einem Sack voll Geschenken.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie den heiligen Nikolaus ansprechen, da spielen ja auch der Weckmann oder Stutenkerl eine wichtige Rolle. Ein aus süßem Brot gebackenes Männchen. Für wen steht das?

Becker-Huberti: Weckmann beschreibt ziemlich genau was es ist: Es ist ein Wecken, nämlich Hefeteig und damit ein Festtagsgebäck. Der Mann, der heilige Mann, der da beschrieben wird ist daran zu erkennen, dass ein Bischof mit Bischofsstab dargestellt wird. Die Pfeife ist ein Irrtum des 19. Jahrhunderts. Es wird also derjenige dargestellt, der gefeiert wird. Den Weckmann nennt man auch Gebildebrot, also ein Gebäck, das zu einem bestimmten Fest unverkennbar ist. Es ist allerdings umstritten, ob der Weckmann eher zum Martinsfest oder zu Nikolaus gehört. Er zeigt zumindest einen Bischof, der in Form dieses Gebäcks zum Geschenk gemacht wird.

DOMRADIO.DE: Wie kam es zu diesem Irrtum, dass der Bischofsstab zu einer Pfeife gemacht wurde?

Becker-Huberti: Im 19. Jahrhundert war das Rauchen modern. Da es noch keine Zigaretten gab, waren Pfeifen ziemlich teuer. Sie wurden aus Ton hergestellt und mit dem Gebäck zusammen verkauft.

DOMRADIO.DE: Sprechen wir über meinen persönlichen Favoriten, das ist der Christstollen. Was verbirgt sich theologisch dahinter?

Becker-Huberti: Der Christstollen ist ein Festtagsgebäck, in dem alles enthalten ist, was gut und lecker ist. Das sind unter anderem Rosinen und Nüsse. Umstritten ist, ob der Christstollen das gewickelte Jesuskind darstellt. Die Befürworter dieser Theorie sagen, dass der Stollen mit dem weißen Puderzucker so aussieht wie das in Windeln gewickelte Kind. Die Gegner allerdings merken an, dass der Kopf fehlt. Den Streit können wir offenlassen, auf jeden Fall ist der Christstollen in seinen verschiedenen Varianten ein Genuss.

DOMRADIO.DE: Seit mehr als 600 Jahren kennt man ihn schon. Dominosteine sind ein bisschen jünger. Welchen Hintergrund haben sie?

Becker-Huberti: Die Dominosteine sind jünger, sie haben aber auch einen theologischen Hintergrund. Sie stellen nämlich die Steine dar, mit denen Stephanus, der erste Märthyrer überhaupt, gesteinigt worden ist. Die Steine, die auf ihn geworfen wurden, werden also in Erinnerung an ihn gegessen. Am 26. Dezember wird der heilige Stephanus gefeiert, deshalb wird es auch einbezogen in die Weihnachtszeit.

DOMRADIO.DE: Wenn wir die Keksdose noch einmal öffnen, liegen dort Zimtsterne. Dabei denken wir oftmals an die Sterndeuter. Haben sie etwas damit zu tun?

Becker-Huberti: Ja, aber sie stehen auch für das Licht, dass in die Dunkelheit kommt und auch für Jesus von Nazareth den Messias. Der Zimt ist ein kostbares Gewürz, dass wir nicht das ganze Jahr, sondern nur zur Weihnachtszeit genießen können. Alles zusammen, was wir bisher angesprochen haben, hat aber noch einen vorchristlichen Hintergrund. Man durfte früher in der Weihnachtszeit, also vom 25.12. bis 06.01. nicht backen. Unsere Vorfahren hielten sich ziemlich genau an die Regel, denn wer trotzdem in dieser Zeit backte musste damit rechnen, ein Übel zu erleiden. Deshalb haben unsere Vorfahren viel gebacken, um diese Zeit gut überbrücken zu können.  Das führte natürlich dazu, dass es ein Überangebot in dieser Zeit gab. Das kennzeichnet uns auch noch heute, dass wir uns zur Weihnachtszeit in diesen Kallorienbomben verlieren und verlieben.

Das Interview führte Verena Tröster.

(DR)

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