Ein Adventskalender digital?
Ein Adventskalender digital?

30.11.2019

Die Vorweihnachtszeit online: Der Adventskalender 2.0 Zwischen Einkehr und Shoppinglaune

er Adventskalender gehört fest zur Vorweihnachtszeit dazu. Dem analogen Modell an der Zimmerwand steht dabei eine Fülle an digitalen Angeboten gegenüber. Die Bandbreite reicht von Rabattaktionen bis zu Kurzgebeten.

Es kann eine Süßigkeit sein, ein kleines Spielzeug, vielleicht auch ein schönes Bild von der oder dem Liebsten. Der Fantasie dessen, was sich heutzutage im Adventskalender befindet, sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Und er liegt auch weiterhin voll im Trend: Laut einer "Spiegel"-Umfrage gehört für knapp 75 Prozent der Deutschen der Adventskalender als Traditionsgut fest zur Vorweihnachtszeit dazu.

Mitnichten heißt das allerdings, dass die Ausformungen des Adventskalenders nicht grundlegend variieren können. Er hängt nicht mehr bloß an der heimischen Zimmerwand. Längst ist er im digitalen Zeitalter angekommen: der Adventskalender 2.0. Von dieser Digitalisierung der Vorweihnachtszeit profitiert - kaum überraschend - in erster Linie der Handel. Ob Rabattaktion oder Gewinnspiel - wer in eine Suchmaschine seiner Wahl den Begriff «online Adventskalender» eingibt, wird fast erschlagen von den Auslagen verschiedenster Anbieter.

Fast unzählbar

Der Büchergigant Thalia beispielsweise wirbt mit einer großen Adventskalender-Aktion, den Worten des Unternehmens nach, damit "die Wartezeit auf Weihnachten nicht zu lange dauert und Spaß macht".
Hinter jedem Türchen befindet sich eine Rabattaktion auf mehrere ausgewählte Artikel, gültig nur für diesen einen Tag. Wer sich beim Newsletter anmeldet, erhält sein Türchen sogar täglich per Mail nach Hause geschickt. Nach Angaben des Händlers wird das Angebot gut angenommen. "Für uns ein schönes Feedback, dass wir unseren Kunden die richtigen Themen und Produkte anbieten", heißt es auf Anfrage.

Freilich ist Thalia hier nur ein Beispiel unter vielen: Der Gerätehersteller Miele etwa verlost täglich größere und kleinere Haushaltshilfen aus dem hauseigenen Sortiment. Der Parfümhändler Flaconi verspricht hinter jedem Türchen Rabatte auf die Duftstoffe verschiedener Marken. Kurz gesagt: Die Angebote von online Adventskalendern für Rabattaktionen und Gewinnspiele sind fast unzählbar geworden und bedienen praktisch alle Sparten. Konsumenten wird hier jeden Tag ein neues Produkt aufgezeigt, das sie erhalten könnten - für sie selbst oder als zündende Idee für das dringend benötigte Weihnachtsgeschenk an Familie und Freunde.

"Vielfach zu einem Konsumgut geworden"

Aber lässt sich dieser kommerzielle Adventskalender noch mit der Tradition vereinen? Mit dem Ursprungsgedanken der Vorweihnachtszeit habe er jedenfalls nicht mehr viel zu tun, meint der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti. "Beim Advent geht es um die Bedeutung des Wartens und des Lichts." In diese Thematik stiegen die Angebote nicht mehr ein. "Der Adventskalender ist vielfach zu einem Konsumgut geworden. Er wird schlicht als ein Muss der vorweihnachtlichen Zeit verstanden."

An diesem Punkt könnte der Eindruck entstehen, dass der digitale Adventskalender sich auf den kommerziellen Warenvertrieb beschränkt. Von einer Vorbereitung auf Weihnachten, einem bewussten "still werden" und das Kommen Christi erwarten, könnte dann keine Rede mehr sein. Doch auch online gibt es andere Varianten. Einige deutsche Bistümer beispielsweise betreiben seit mehreren Jahren ihre eigenen Adventskalender 2.0.

Die Diözese Rottenburg-Stuttgart und das Erzbistum Freiburg haben zusammen mit der evangelischen Landeskirche in Baden-Württemberg den Kalender Advent-online ins Leben gerufen. Im Rahmen des ökumenischen Projektes wird ab dem ersten Adventssonntag täglich ein geistlicher Impuls per E-Mail versendet, immer abwechselnd von katholischen und evangelischen Autoren. In diesem Jahr soll außerdem ein Podcast dazu kommen, in dem die Impulse vertont werden.

Vorbereitung auf Weihnachten

Ein ähnlich ambitioniertes online-Projekt verfolgt auch das Bistum Osnabrück. Der Adventskalender, bei dem sich hinter jedem Türchen unterschiedliche Arten von Bilderrätseln befinden, wird auf der bistumseigenen Internetseite sowie beim Sozialen Netzwerk Instagram zu sehen sein. Zusätzlich wird es tägliche Adventsimpulse geben, die über den Nachrichtendienst Telegram verschickt werden.

Die sieben bayerischen Bistümer Augsburg, Bamberg, Eichstätt, München und Freising, Passau, Regensburg und Würzburg haben sich für ihren Adventskalender zusammengeschlossen. Die "Adventsmomente" öffnen täglich ein Türchen für Seelsorger, die von ihrem Alltag und der Vorbereitung auf Weihnachten berichten.

"Kinder wollen etwas in der Hand haben"

Becker-Huberti begrüßt die Initiativen der Bistümer, sieht aber auch gleichzeitig ihre Schwäche: "Für Kinder sind diese online Angebote uninteressant." Dabei seien gerade sie traditionell die Adressaten der Kalender gewesen. "Kinder wollen etwas in der Hand haben, dass sie sehen und ertasten können. Ein online Adventskalender kann das nicht leisten."

Letztlich, so Becker-Huberti, komme es bei der Wahl des Adventskalenders aber natürlich auch darauf an, ob die 24 Tage im Dezember nun im religiösen Sinne als spirituelle Einstimmung auf die Ankunft Christi oder im profanen als Vorbereitung auf das weihnachtliche Beschenken gedeutet werden. Insofern gilt für den Adventskalender 2.0: Wer ein bisschen sucht, der wird auch im Web einen Angebot finden, das ihm zusagt. Und wen die Masse an Möglichkeiten überfordert, der kann selbstverständlich auch weiterhin seine Türchen am heimischen Kalender öffnen.

Johannes Senk
(KNA)

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