Historisches Weihnachten: Eine junge Frau zündet am Weihnachtsbaum eine Kerze an.
Historisches Weihnachten: Eine junge Frau zündet am Weihnachtsbaum eine Kerze an.

25.12.2018

Weihnachtstag war Neujahrstag Kölsche Weihnachten im 16. Jahrhundert

Wie feierte man im Köln des 16. Jahrhunderts Weihnachten? Nicht viel anders als heute auch, nämlich im Kreise der Familie und mit einem Gottesdienstbesuch. Geschenke gab es aber nicht.

Kölsche Weihnacht: Was im 16. Jahrhundert für die Menschen das Fest ausmachte, hat sich bis heute nicht großartig geändert. Man ging in die Kirche und feierte dann mit Familie und Freunden, dabei sang man Weihnachtslieder. Was den Feiertag aber damals besonders machte: Nach kölschem Brauch fing am 25. Dezember das neue Jahr an.

Der Weihnachtstag war zugleich Neujahrstag. Und: Geschenke gab es nicht. Früher war nicht alles schlecht.

Kölsche Festtagsstube

Die Aufzeichnungen des Kölner Ratsherrn Hermann von Weinsberg (1518-1597) erlauben einen Blick in die kölsche Festtagsstube vergangener Zeiten, wie der Historiker Jochen Hermel in seinem Blog zur Rheinischen Landesgeschichte zeigt.

Hermann von Weinsberg (1518-1597) war ein angesehener, wohlhabender Kölner Bürger, der mehrfach im Rat saß, aber dennoch etwas eigenwillig war. So hatte er eine mehr oder weniger fiktive Familiengeschichte verfasst – zu Ruhm und Ehre seiner Familie.

Weiter hatte er über Jahrzehnte in seinen Gedenkbüchern bis zum Tod alles niedergeschrieben, was ihn interessierte: über seine Familie, seine Finanzen, seine Gesundheit, die städtische Politik und den Einfluss der großen Politik auf diese.

Weihnachten als besondere Zeit

Dem scharfen Blick Hermann von Weinsberg entging nur wenig. Auf den rund 2.600 doppelseitig beschriebenen Blättern der vier sogenannten Bücher Weinsberg findet sich ein Panorama des kölnischen Lebens im 16. Jahrhundert.

Weihnachten war für ihn eine besondere Zeit. An diesem und den folgenden acht Tagen, der Oktave des Weihnachtsfestes, ruhte das Leben und alle Geschäfte. "Man hilt die christwoch moissich und frei von unnodigen geschefften und ergetzst sich mit singen und freuden", konstatierte der Ratsherr.

Das ist heute nicht anders, nur dass die Woche heute als die Zeit "zwischen den Jahren" bezeichnet wird.

Das neue Jahr einsingen

Als Hermann von Weinsberg Weihnachten 1584 ausgerechnet bei strömendem Regen Fahnenwache leisten musste, war er ziemlich verärgert. Aber er beschloss mit den anderen Wachmännern, das Beste daraus zu machen. Um Mitternacht sangen sie das neue Jahr mit Weihnachtsliedern ein, etwa mit "Ein Knabe ist uns geboren".

Den zugleich begangenen Beginn des neuen Jahres bezeichnen Historiker als Weihnachts- oder Nativitätsstil. Oder wie Weinsberg sagte: "dan fengt ein neu jar an nach Colnischem gebruch." Das war aber keine kölsche Marotte, sondern weitverbreiteter Brauch.

Tradition: Neujahrstag an Weihnachten

Der Kölner Rat blieb bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit 1794, als französische Revolutionstruppen für 20 Jahre das Kommando in der Stadt übernahmen, beim Weihnachtsstil, obwohl sich bereits im 16. Jahrhundert mehr und mehr der erste Januar als Neujahrstag durchsetzte.

Hermann von Weinsberg blieb bei dem, was er kannte: "Christag ist der eirst Neujarstag, darin vil irren, die in uff prima Januari halten."

Überlieferung durch Zufall

Das genaue Wissen über die Familie Weinsberg ist einem Zufall der Überlieferung geschuldet – oder einer besonders tragischen Ironie der Geschichte. Hermanns Aufzeichnungen zum Lobe und Ruhme seiner Familie sollten seinen Nachfahren als Handlungsanweisung dienen.

Trotzdem passierte nach seinem Tod im Frühjahr 1597 genau das, was er immer vermeiden wollte: Die Familie zerstritt sich über das Erbe. Zugleich kam es zu ungeklärten Todesfällen naher Angehöriger.

Vier Bücher Weinsberg

Der Rat kassierte die Aufzeichnungen Weinsbergs als Beweisstücke ein. Dort gerieten sie aber in Vergessenheit, bis in den 1850er Jahren der Kölner Stadtarchivar Leonard Ennen sie wiederentdeckte und ihre Bedeutung erkannte.

Die vier Bücher Weinsberg haben den Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln überstanden und liegen mittlerweile digitalisiert vor.

Christiane Laudage
(KNA)

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