Pater Manfred Entrich
Pater Manfred Entrich

09.12.2018

Pater Manfred Entrich erzählt von seinen Mutgeschichten "Ganz einfach werden"

Wie geht Zuhören? Das weiß Pater Manfred Entrich. Aus den verschiedenen Gesprächen, die er führt, schreibt er Bücher. Sein Tipp: Gute Gespräche brauchen Mut. 

DOMRADIO.DE: Erinnern Sie sich an eine ganz konkrete Geschichte, die sie mit dem Thema Mut verbinden?

Pater Manfred Entrich (Dominikanerpater und Buchautor): Es sind eine ganze Reihe Geschichten. Allein der Mut, der mir abverlangt wird - und ich glaube, anderen auch, die sich auf die gleiche Straße begeben - ist die Grenze zu überschreiten von seiner persönlichen Einstellung, von seinen persönlichen Vorlieben hin zu dem, was man sieht und erlebt. Nicht alle Menschen gleichen in ihrer äußeren kulturellen Darstellung dem, was man selber vertritt. Also es braucht schon Mut auf die Geschichte eines anderen einzugehen.

DOMRADIO.DE: Wie geben sie den Menschen denn das Gefühl, dass sie ihnen vertrauen können?

Entrich: Indem ich etwas von mir selber erzähle. Schwächen und Stärken, Gutes und weniger Gutes. Ich habe sie nicht belastet mit meinen Katastrophen, die es ja auch gibt. Aber sich selber aufmachen ist immer eine Einladung für den anderen. Dazu braucht es schon Mut. Man setzt sich frei. Man weiß nicht was der andere darauf erwidert, was er denkt und was er weiter sagt.

DOMRADIO.DE: In all Ihren Büchern schildern sie Gespräche aus dem Alltag. Dabei geht es nicht immer ums Reden, sondern mir fällt da eine Geschichte ein, in der sie einfach nur neben jemandem saßen und erst mal nichts gesagt haben. Wie schätzen Sie das denn ein was die Menschen gerade brauchen?

Entrich: Das ist schwer zu sagen. Aber ich erinnere mich an diese Geschichte, wenn sie diese meinen, wo jemand neben mir saß und weinte. Ich habe das ganz klare Empfinden gehabt: Jedes Wort was du jetzt sagst, hilft ihm nicht weiter oder wird vielleicht sogar missverstanden. Da musst du erst einmal Schweigen, Hand halten, dabei sein. Ich merke das immer wieder. Das ist eine Sache der Intuition. Das kann man nicht technisch erwerben. Man muss schauen und man muss den Mut haben den anderen auch in seiner Leidsituation zu belassen, sodass ich neben ihm bin und dann später die richtige Antwort habe.

DOMRADIO.DE: Inwiefern würden Sie denn sagen, dass diese vielen verschiedenen Gespräche, die sie erlebt haben und von denen sie schreiben, sie mutiger gemacht haben?

Entrich: Ja, sie haben mich mutiger gemacht, weil die Erfahrung mir geschenkt ist, dass die Gespräche die ich geführt habe - so ziemlich alle. Würde ich in der Summe sagen - alle in einer guten Weise zu Ende gingen. Selbst wenn wir mal gestritten haben. Das hat es auch gegeben. Oder bei Missverständnissen, oder wenn mir gesagt wurde 'Das mag ich nicht was sie sagen' oder 'Du bist Pfarrer. Du kannst gut reden'. Die Leute geben schon sehr deutliches Feedback. Wenn dann persönliche Probleme zur Sprache kommen, wo die Kirche sagt: 'Das geht nicht so wie du lebst'. Ja, was sagst du dann? Dann stehst du da. Dann muss man den Mut haben zu sagen, was die Kirche sagt, was das eigene Herz an Verständnis sagt und was man selbst für eine mögliche Zukunft hält.

DOMRADIO.DE: Ihre Bücher zeigen ja, dass Gespräche überall stattfinden können und es sich lohnt sich zu öffnen und anderen seine Gedanken mitzuteilen. Das macht sicherlich auch vielen Lesern Mut. Was möchten Sie denn diesen mit den Geschichten mitgeben?

Entrich: Denen möchte ich einfach sagen: Dein Leben ist nicht banal. Kein Leben ist banal. Selbst dann nicht, wenn du selbst den Eindruck hast. Ich habe es jetzt einem jungen Freund über WhatsApp geschrieben: Versuch es einmal mit dem Beten, indem du schweigst. Wenn du morgens zur Bahn gehst, schweige. Wenn du in die Bahn einsteigst, schweige. Nur denke dabei an Gott. Dann sag ich aber auch direkt hinterher: Und dann gibt es noch die Gottesmutter Maria, die kann auch hilfreich sein. Ganz einfach werden.

Das Interview führte Julia Reck.

(DR)

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