Blick über den Christkindlesmarkt Richtung Norden mit den Ruinen des Alten Rathauses, im Hintergrund die Kaiserburg.
Blick über den Christkindlesmarkt Richtung Norden mit den Ruinen des Alten Rathauses, im Hintergrund die Kaiserburg.

08.12.2018

Ausstellung erinnert an ersten Christkindlesmarkt nach dem Krieg Als es wieder hell auf dem Nürnberger Hauptmarkt wurde

Heute ist er ein Touristenmagnet: der weltberühmte Christkindlesmarkt in Nürnberg. Nach dem Krieg war er für die einheimische Bevölkerung aus einem anderen Grund wichtig – als Schritt zur Normalität nach dem Weltkrieg.

Der Nürnberger Christkindlesmarkt ohne Glühwein ist heute nur schwer vorstellbar. Vor genau 70 Jahren war das noch anders: In erster Linie ging es damals ganz traditionell ums "Kindleinsbescheren". Als am 4. Dezember 1948 das damalige Nürnberger Christkind Sofie Keeser den Prolog sprach, war es für viele Besucher etwas Besonderes: Nach einer zehnjährigen Pause war es der erste Nürnberger Christkindlesmarkt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einer immer noch von Zerstörungen geprägten Stadt.

"Kerzenlicht im Trümmerhaufen"

Mit einer gemeinsamen Fotoausstellung aus Beständen des Stadtarchivs Nürnberg erinnern der Förderverein Nürnberger Felsengänge und das Stadtmuseum Fembohaus ebendort von Samstag bis zum 6. Januar 2019 unter der Überschrift "Kerzenlicht im Trümmerhaufen" an das Anknüpfen an die Nürnberger Christkindlesmarkt-Tradition.

Normalität zurück in der Stadt

"Wer sich mit älteren Mitbürgern unterhält, stellt fest, dass drei Ereignisse nach dem Zweiten Weltkrieg die Normalität in die Stadt zurückgebracht haben", sagt Thomas Schauerte, Leiter des Stadtmuseums. Erstens das Chorkonzert in der Ruine der Sebalduskirche im Juli 1945, zweitens die Wiedereröffnung des Dürer-Hauses im Jahr 1949 und eben drittens der erste Christkindlesmarkt auf dem Hauptmarkt nach dem Krieg 1948.

"Auch wenn die Stadt noch in Trümmern lag, so erlebten die Kinder doch zum Teil das erste Mal eine friedliche Stadt aus Holz und Tuch", erklärt Schauerte.

Deutschlands wohl berühmtester Weihnachtsmarkt

Die Fotos, die gezeigt werden, spiegeln die bescheidenen Umstände wider, in deren Rahmen der wohl berühmteste Weihnachtsmarkt Deutschlands seine Renaissance erlebte. Die Ausstellungsbesucher tauchen bildlich ein in den 4. Dezember 1948, als das damalige Christkind seinen Prolog vor dem Hauptportal der Frauenkirche hielt.

Die Zeremonie ist seit Jahrzehnten nahezu gleich geblieben, der Text des Prologs hingegen nahm damals Bezug auf die Situation des Jahres 1948, verfasst von Friedrich Bröger, Sohn des Nürnberger Arbeiterdichters Karl Bröger.

Christkindlesmarkt in Ruinen und ohne Schnee

Die Fotos geben einen Einblick in die Schäden Nürnbergs drei Jahre nach Kriegsende. So wird der Blick über den Christkindlesmarkt Richtung Norden mit den Ruinen des Alten Rathauses gezeigt, im Hintergrund ist die Kaiserburg zu sehen.

Was die Fotos ebenfalls aussagen und was auch dokumentarisch belegt ist: Es war 1948 ein Christkindlesmarkt ohne Schnee, der milde Winter sorgte erst im Januar 1949 für einige Flocken.

Kunstwerke und Führungen durch "Obstmarktbunker"

Die Ausstellung wirft neben dem Fokus auf das Jahr 1948 den Blick noch weiter in die Vergangenheit zurück. Gezeigt werden zwei Ölbilder des Nürnberger Malers Wilhelm Ritter aus den Jahren 1890 und 1891, auf denen eine zeitgenössische spätromantische Ansicht des Christkindlesmarkt auf der Fleischbrücke festgehalten ist.

Kombiniert wird die Fotoausstellung am 1., 2. und 3. Advent mit Führungen durch den sogenannten Obstmarktbunker hinter der Frauenkirche.

Der 1941 gebaute Luftschutzbunker kann mit einer illustren Geschichte aufwarten: Gebaut als einer von 23 Bunkern während des Weltkriegs für die Zivilbevölkerung, diente er nach dem Krieg als Unterkunft für 45 Obdachlose zwischen 2 und 62 Jahren.

Arztpraxis und Hotel im Bunker

"Diese wurden im April 1946 ausquartiert, für einige Monate zog dann eine internistische Arztpraxis ein", erklärt Ralf Arnold, Vorsitzender des Fördervereins Nürnberger Felsengänge.

Ab 1. Juli 1948 wurden die insgesamt 28 Räume auf einer Fläche von 900 Quadratmetern zum "Bunkerhotel" umfunktioniert. "An die kahlen Bunkerwände ließ der Hotelbetreiber seinerzeit von einem regionalen Künstler Abbildungen historischer Bauten malen, auch solche, die im Bombenkrieg untergegangen waren", so Arnold.

Holger Stiegler
(KNA)

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