Seemannsdiakon Folkert Janssen verteilt als Nikolaus Tannenbäume
Seemannsdiakon Folkert Janssen verteilt als Nikolaus Tannenbäume

20.12.2017

Tannenbaum vom Nikolaus für die Seeleute in Rostock Schöne Bescherung im Hafen

Die Mannschaften der großen Frachtschiffe sind oft monatelang auf See und müssen auch Weihnachten fernab ihrer Familien feiern. Im Rostocker Seehafen sorgte daher am Mittwoch der Nikolaus für eine kleine Freude zum Fest.

Im vollen Ornat mit Mitra und Bischofsstab steht der Nikolaus an Bord eines kleinen Fischkutters im Rostocker Seehafen. Als er mit aufgeplusterten Backen in sein Nebelhorn bläst, horchen die Seeleute eines Frachtschiffs auf. "We have a Christmas tree", ruft er ihnen zu und bittet sie, ein Seil über die Reling zu werfen. Vom Boden seines Fischkutters hebt der Nikolaus eine Nordmanntanne auf und macht sie zur Übergabe bereit.

Es ist Diakon Folkert Janssen, der in dem goldenen Mantel steckt und für eine verfrühte Bescherung bei den Besatzungen der Schiffe sorgt, die im Rostocker Seehafen vor Anker liegen. Gemeinsam mit den Mitarbeitern der evangelischen Seemannsmission veranstaltet er die Aktion zum siebten Mal. Die Bäume werden von einer Gartenbaufirma gesponsert.  "Wir wollen den Seeleuten eine vorweihnachtliche Freude bereiten", sagt der 60-Jährige.

Bescherung im Ostseehafen

Rostock ist Deutschlands größter Ostseehafen. 28,6 Millionen Tonnen Güter wurden hier im vergangenen Jahr umgeschlagen, hauptsächlich Autos, aber auch Ölsaaten, Düngemittel und Kohle. Über 5.000 Seeleute laufen den Hafen jedes Jahr an, viele von ihnen stammen von den Philippinen oder aus Indien, aber auch aus Osteuropa. Häufig sind sie bis zu zwölf Monate am Stück an Bord ihres Schiffes, feiern folglich auch Weihnachten fernab der Heimat.

Wie sich das anfühlt, weiß Janssen, der aus einer Seefahrer-Familie stammt und als junger Mann selbst zur See fuhr, nur zu gut. Einmal habe er Weihnachten in Neuseeland gefeiert, mitten im Sommer. "Das ist schon komisch", erzählt er.

Die Besatzung eines Frachters hört das Tuten von Janssens Nebelhorn schon, als der kleine Fischkutter noch weit entfernt ist. Sechs Philippiner stehen bei Nebel und eisiger Kälte an der Reling und winken, einer hat sein Smartphone gezückt und macht Fotos vom heranschippernden Nikolaus. Als der den Frachter fast erreicht hat, wirft die Mannschaft ein Seil herunter und zieht die Nordmanntanne, die der Mann im Bischofsornat für sie im Gepäck hat, nach oben.

"Thank you", rufen sie und lächeln. Zum Dank erklingt das laute Dröhnen der Schiffshupe. "Merry Christmas. Bon voyage!", ruft der Nikolaus winkend zurück. 

Fast alle reagieren freundlich auf die Tannenbaum-Grüße. Nur eine polnische Mannschaft ist etwas skeptisch. "Wir haben schon einen Plastik-Baum", rufen sie zuerst, ziehen die echte Tanne aber dann doch nach oben. "Abgelehnt hat noch niemand", sagt Janssen. Auf den Schiffen bekommen die Bäume häufig einen Ehrenplatz, teils werden sie sogar geschmückt. "Besonders bei den Philippinern sieht das dann besonders bunt aus", weiß Janssen von Besuchen an Deck. In diesem Jahr haben die Organisatoren erstmals kleine Kärtchen an die Tannen geheftet, auf denen sie darum bitten, ein Foto vom dekorierten Baum zu schicken. Insgesamt zehn Bäume werden bis zum Ende des Vormittags verteilt.

Nikolaus Patron der Seefahrer

"Mit unsere Aktion wollen wir den Seeleuten zeigen, dass jemand an sie denkt", sagt Janssen. Schließlich verrichteten sie ja eine wichtige Arbeit, die allen zu Gute komme. Die Figur des frühchristlichen Bischofs Nikolaus ist ihm dabei besonders wichtig: "Er ist der Patron der Seefahrer. Daran erinnern wir die Seeleute mit meiner Verkleidung." In Hamburg, wo es seit 21 Jahren eine ähnliche Aktion gibt, ist es der Weihnachtsmann, der die Tannenbäume über die Reling schleudert.

Die Rostocker Seemannsmission hat neben den Tannenbäumen noch weitere Überraschungen für die Besatzungen parat. Bei Bordbesuchen verteilen die Mitarbeiter in der Weihnachtszeit rund 400 kleine Geschenke an die Seeleute. An Heiligabend gibt es außerdem eine kleine Feier im Clubhaus im Hafen.

Am Nachmittag des 24. Dezember gönnt sich Folkert Janssen in der Regel eine private Schiffsrundfahrt durch den Hafen: "Ab Mittag ruht in der Regel die Arbeit, dann ist alles still hier." In seinen Gedanken ist der Diakon dann bei den Seeleuten, die an Bord zusammensitzen und sich auf das Weihnachtsfest einstimmen. "Die Seeleute haben viel gemeinsam mit den Hirten in Bethlehem", denkt er oft. "Und manchmal brauchen sie eben einen Engel."

Michael Althaus
(KNA)

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