Geschlossener Weihnachtsmarkt in Berlin
Geschlossener Weihnachtsmarkt in Berlin

21.11.2017

Weihnachtsmärkte wieder im Visier von Terroristen? "Märkte nicht zu Festungen machen"

Ein Jahr nach dem Attentat am Berliner Breitscheidplatz: Die Weihnachtsmärkte werden mit LKW-Barrieren, Betonsperren und Security sicher gemacht. Doch Schausteller mahnen: Die Märkte dürfen nicht zu Festungen werden.

Schon wieder ein Weihnachtsmarkt als Anschlagsziel? Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung (Dienstag) haben Ermittler bei einer Großrazzia in mehreren Städten sechs mutmaßliche Mitglieder der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) festgenommen. Die Syrer sollen laut Zeitung und Hessischem Rundfunk möglicherweise einen Anschlag auf den Essener Weihnachtsmarkt geplant haben. Offiziell bestätigen wollten das die Ermittler bislang nicht.

Ein Jahr nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz rückt die Sicherheit der bundesweit 1.500 größeren adventlichen Märkte erneut in den Mittelpunkt. LKW-Barrieren, Betonsperren, mehr Sicherheitsleute und mehr Polizei: Städte und Gemeinden, Sicherheitsbehörden und Veranstalter tüfteln an Sicherheitskonzepten.

Frankfurt und Köln

Beispielsweise am Frankfurter Weihnachtsmarkt: Er wird umfassend mit Betonsperren gesichert, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtete. Die Stadt plant demnach, 150 massive Sperren aufzustellen, die nach dem Lastwagen-Anschlag im Sommer 2016 in Nizza erworben wurden. Zusätzliches privates Security-Personal werde im Einsatz sein, hieß es.

Eine von der Polizei geschulte Security, die "sehr präsent" sein soll, kündigt eine Sprecherin der KW Kölner Weihnachtsgesellschaft an. Sie veranstaltet den Weihnachtsmarkt neben dem Kölner Dom.

Koffer, Trollis und Rucksäcke

Besucher sollten beachten, dass Koffer, Trollis und große Rucksäcke nicht mehr mitgebracht werden dürften. Die Polizei ergänzt, das Sicherheitskonzept der Domstadt sei "ganz ähnlich wie im letzten Jahr". Auch mobile Poller sind geplant - nachdem bereits im August Domsteine als Sperren für die Domplatte aufgestellt worden waren.

Zugleich dringen Schausteller und Veranstalter darauf, die Weihnachtsmärkte, zu denen im vergangenen Jahr rund 85 Millionen Menschen kamen, nicht zu Festungen werden zu lassen. " Der Präsident des Deutschen Schaustellerbundes, Albert Ritter, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin, die Sicherheitskonzepte der Weihnachtsmärkte würden jedes Jahr aktualisiert und angepasst. "Vielleicht gibt es in diesem Jahr mehr Einsatzpläne in Schriftform, weil alle nochmals darüber beraten haben, was im Fall eines Terrorangriffs zu tun ist."

Offenheit, Begegnung und Lebensfreude

Bei allem Verständnis für erhöhte Sicherheitsmaßnahmen plädiert der Schaustellerbund dafür, dass die Märkte nicht ihren offenen Charakter verlieren dürften. "Auch in Zukunft müssen sie für Offenheit, Begegnung und Lebensfreude sowie unsere Art, in Gemeinschaft zu feiern und in Freiheit zu leben, stehen."

Ritter kritisierte in diesem Zusammenhang wachsende finanzielle Belastungen für Schausteller. Schon jetzt müssten sie etwa Reklame, Straßensperren, den Einsatz des Ordnungsamts oder der Sanitäter bezahlen. Städte und Gemeinden versuchten nun, die Sicherheitskosten auf die Schausteller abzuwälzen. "Der Terror wird aber nicht durch die Weihnachtsmärkte verursacht. Es geht um die Verteidigung unserer Grundwerte und eines freien Lebens." Deshalb sei der Staat gefordert.

100 Millionen Euro

Der Schaustellerverband begrüßt einen kürzlich vorgestellten EU-Aktionsplan, der vorsieht, dass Städte und Gemeinden künftig deutlich aktiver werden müssen, um sich gegen terroristische Angriffe zu schützen. 100 Millionen Euro sollen bereitgestellt werden. Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören sogenannte innovative und diskrete Barrieren, um Städte zu schützen, ohne ihren offenen Charakter zu verändern.

Diskutiert wird etwa, dass insbesondere in den Zugangsbereichen von Fußgängerzonen, Einkaufszentren und Volksfestplätzen dauerhafte bauliche Abwehr-Maßnahmen wie versenkbare Poller errichtet werden. Das würde zwar hohe einmalige Investitionen aus dem Steuerhaushalt bedeuten, langfristig aber kostengünstiger werden, weil Auf- und Abbau von Betonsperren unnötig würden.

Paula Konersmann und Christoph Arens
(KNA)

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