Weihnachtsmarkt - Schausteller haben viel zu tun.
Frevel: "Angebote, bei denen man zu Ruhe kommen kann, sind dringend notwendig"
Christian Frevel
Christian Frevel

15.11.2017

Adveniat: Weihnachtsmarkt darf nicht nur konsumorientiert sein Angebote der Ruhe und Gemeinschaft

Die Adventszeit ist dieses Jahr besonders kurz - der vierte Advent ist gleichzeitig Heiligabend. Ein Grund, die Weihnachtsmärkte früher zu öffnen, ist das nicht, meint Adveniat und fordert vor allem Angebote, die das Gemeinschaftsgefühl fördern.

domradio.de: Das Hilfswerk hat seinen Sitz in Essen und auch da öffnet der Weihnachtsmarkt schon am 23. November. Werden Sie an diesem allerersten möglichen Tag schon hingehen und einen Glühwein trinken? 

Christian Frevel (Pressesprecher des katholischen Hilfswerks Adveniat): Bei uns in Essen gibt es schon längst Glühwein an irgendwelchen Buden - die sind schon viel schneller. Ich bin am Martinstag - aus Köln kommend - in Essen aus dem Zug gestiegen und habe mit Verwunderung gesehen, dass der ganze Bahnhof schon weihnachtlich geschmückt war. Das ist schon etwas verwunderlich. 

domradio.de: Was spricht für Sie dagegen, dass die Märkte so früh schon aufmachen?

Frevel: Ich glaube, alles braucht seine Zeit. Und die Menschen in Deutschland suchen Rituale. Wir brauchen Anker in unserem Leben.

Natürlich kann man alles viel früher haben. Ich glaube auch, dass die Wirtschaft danach sucht, die konsumträchtige Zeit des Advents zu verlängern - diese vier bis sechs Wochen, die sie brauchen, um ihren Umsatz zu machen, irgendwo hineinzupressen. Aber wir haben von Adveniat aus wissenschaftlich mit der Katholischen Hochschule untersucht, wonach die Menschen auf den Weihnachtsmärkten suchen. Es ist vor allem das Besondere und das Gemeinschaftsgefühl.

Und wenn ich das Besondere immer alltäglicher mache, indem ich die Adventszeit künstlich nach vorne verlängere, dann nehme ich den Menschen das weg, was sie suchen, nämlich das Gemeinschaftsgefühl, die besondere stille Zeit, das besondere Erlebnis, wo ich hingehen kann mit der Familie und genau diesen Advent erleben kann. 

domradio.de: Man merkt ja selber auch ganz oft: Dieses Gefühl, das ich da gesucht habe, stellt sich gar nicht ein. Es riecht eher nach altem Bratfett, als nach Apfel und Mandelkern. Welche Angebote müssten denn Ihrer Meinung nach auf den Weihnachtsmärkten mehr zu finden sein?

Frevel: Wir brauchen vor allen Dingen Angebote, bei denen man in Gemeinschaft ins Gespräch kommen kann. Wir suchen an Weihnachten vor allem Gemeinschaft. Und da gibt es Möglichkeiten, die wir zum Beispiel auch von Adveniat anbieten: Kerzenziehhäuser, wo man ganz in Ruhe eine oder zwei Stunden lang miteinander Kerzen ziehen kann, aus echtem Wachs. Solche Angebote, bei denen man zur Ruhe kommen kann, sind dringend notwendig. Es gibt in vielen Städten inzwischen Plätzenbackhäuser für die Kinder, wo Familien mit ihren Kindern das machen können, weil sie zu Hause einfach nicht mehr dazu kommen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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