15.12.2012

Manfred Lütz beklagt Verschwinden christlicher Inhalte zu Weihnachten "Vom Konsumhype platt gemacht"

In den Bücher-Charts liefert sich Manfred Lütz gerade ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Papst Benedikt XVI. Im domradio.de-Interview erklärt er, warum in seinem Bestseller "Bluff" auch dem Weihnachtsfest ein Kapitel gewidmet ist.

domradio.de: Warum sollten die Christen das Weihnachtsfest in den Sommer verlegen?

Lütz: Natürlich ist das ein halb scherzhafter Vorschlag. Aber wenn man bedenkt, dass Jesus ursprünglich im Sommer geboren wurde - sonst wäre er wohl in der Krippe erfroren -, und dass man den 25. Dezember gewählt hat, weil das ein heidnisches Lichterfest war, muss man sagen: Eigentlich hat das Heidentum das Fest inzwischen wieder zurückerobert. Man wollte das christliche Fest, damit die Heiden nicht mehr heidnisch feiern. Und jetzt tun sie aber genau das wieder. Die christlichen Inhalte in der Vor- und Weihnachtszeit sind weitgehend weg, eine Adventszeit gibt es eigentlich nicht mehr. Inzwischen wurden die christlichen Inhalte vom Konsumhype ziemlich platt gemacht.

domradio.de: Das Schenken soll doch ausdrücken, wie man sich über das Gottesgeschenk des Jesus-Kindes freut...

Lütz: Das ist ein "Bluff", so heißt auch mein aktuelles Buch. Und dort kommt das Weihnachtsfest in einem Kapitel vor als Zeichen dafür, dass die Finanzwelt inzwischen eine künstliche Welt geworden ist, die die existenzielle, eigentliche Welt platt macht. Schenken ist tatsächlich etwas Existenzielles - wenn ich einem Menschen etwas von Herzen schenke. Aber die Konsumindustrie will das ja nicht, sondern dass wir etwas ganz Teures und gerade Angesagtes schenken. Wir bekommen dabei Dinge suggeriert, die gar nicht wirklich von Herzen kommen. Als Kind hatte ich wenig Geld und habe versucht, für drei Mark ein Geschenk für meine Großmutter zu finden. Dafür habe ich lange gebraucht, mich aber von Herzen bemüht. Der Konsumrausch heute macht die Leute ja nicht wirklich glücklich. Im Gegenteil: Er stresst sie.

domradio.de: Sie sagen, Konsum habe inzwischen eine religiöse Bedeutung erlangt. Was genau meinen Sie damit?

Lütz: Wir füllen unser religiöses Vakuum mit irgendwelchen Inhalten. Man versucht sich medial vollzudröhnen. Man versucht es mit der Esoterik - wer nichts mehr glaubt, glaubt alles. Aber Besinnung ist natürlich nur gegeben, wenn man sich auf Sinnvolles besinnt. Ich will nicht nur jammern, sondern den Scheinwerfer darauf lenken, dass wir von unserer Geburt bis zum Tod ein vergleichsweise kurzes Leben haben. Und dass jeder Tag unwiederholbar ist. Wir haben an jedem Tag eine Aufgabe. Wenn ich heute einen Menschen, der es gebraucht hat, nicht angelächelt habe, kann ich das nie wieder gut machen.

domradio.de: Wo kann man Weihnachten heute noch erleben?

Lütz: Im Sommer kriegen wir es wohl nicht wirklich hin. Aber man kann ja vielleicht mal ein bisschen von dem ganzen Rummel absehen und aus dem Konsumrausch aussteigen. Gerade erst habe ich mit meinen Geschwistern vereinbart, uns zu Weihnachten nichts mehr zu schenken. Natürlich sehen wir uns, aber ohne diesen Stress. Außerdem darf aus Weihnachten nicht nur ein Familienfest werden, das ist auch keine ganz christliche Tradition, mehr eine bürgerliche. Eigentlich müssten wir als Christen Einsame, Obdachlose und Bedürftige einladen.

Das Gespräch führte Johannes Schröer.

(dr)

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