Pater Michael Heinz
Pater Michael Heinz

09.07.2021

Pater Heinz zieht Bilanz als Adveniat-Hauptgeschäftsführer "Vergiss die Armen nicht"

Nach fünf Jahren verlässt Pater Michael Heinz das Hilfswerk Adveniat als Hauptgeschäftsführer. Im Interview spricht er darüber, was man von der lateinamerikanischen Kirche lernen kann und warum er deutsche Schokolade vermissen wird.

DOMRADIO.DE: Sie waren seit 2017 Hauptgeschäftsführer der Bischöflichen Aktion Adveniat. Sie hätten auch verlängern können. Warum haben Sie sich dagegen entschieden?

Pater Michael Heinz, SVD (scheidender Hauptgeschäftsführer von Adveniat): Die deutsche Bischofskonferenz hat mich für fünf Jahre ernannt und ich hätte tatsächlich verlängern können. "Schuld" ist eigentlich Papst Franziskus: Er hatte mich 2019 zur Amazonas-Synode eingeladen und als die endete, war mir klar, wie wichtig mir Lateinamerika ist. Der liebe Gott hat mir eine gute Gesundheit gegeben und deswegen bin ich der Ansicht, dass ich jetzt nach fünf Jahren Adveniat in gute Hände meiner Nachfolger geben kann. Und ich werde nach Lateinamerika – meine zweite oder vielleicht auch erste Heimat – zurückkehren und dort an der Umsetzung der Amazonas-Synode mitwirken.

DOMRADIO.DE: Wenn Sie auf die Zeit bei Adveniat zurückblicken - welche Erinnerungen bleiben?

Pater Heinz: Sehr viele, vor allem die Begegnungen mit den Menschen vor Ort und wie die Hilfe an der Basis in Zusammenarbeit mit Ordensleuten und Bischöfen funktioniert. Das hat mich schon bei meiner ersten Reise, die nach Haiti ging, das ärmste Land Lateinamerikas, sehr beeindruckt. Und ich war überrascht, dass wirklich jeder und jede in Lateinamerika Adveniat kennt, das ist wirklich unglaublich.

Andere Highlights waren für mich der Katholikentag 2018 in Münster, wo wir den damaligen Präsidenten Kolumbiens und Friedensnobelpreisträger Juan Manuel Santos eingeladen und mit ihm über das Thema "Frieden und Versöhnung" gesprochen haben. Die Amazonas-Synode, die persönlichen Begegnungen mit Papst Franziskus werden mir in Erinnerung bleiben. Und vor allem die Solidarität der Deutschen: Ich bin tief beeindruckt, dass die Spenderinnen und Spender trotz der Corona-Krise Adveniat die Treue halten, das macht mich sehr froh.

DOMRADIO.DE: Was hat Adveniat in den letzten fünf Jahren bewegt? Gibt es etwas, wo sie heute einen Haken hinter setzen und sagen können: "Problem erledigt"?

Pater Heinz: Intern haben wir die Projektakten digitalisiert, das macht vieles schneller und spart viele Zentner Papier. Extern bin ich froh – und damit war ich auch angetreten – dass wir das Vertrauen der Spenderinnen und Spender in uns stärken konnten, so dass sie auch in der Krise zu uns und den Menschen in Lateinamerika gehalten haben. Dafür bin ich sehr dankbar.

DOMRADIO.DE: Wie geht es für Sie weiter? Sie gehören dem Orden der Steyler Missionare an – wird da entschieden oder durften Sie sich etwas wünschen?

Pater Heinz: Das wird bei uns in einem Dialogprozess entschieden, der Ordensobere hat natürlich Wünsche und ich auch. Ich möchte mich auf die Amazonas-Synode konzentrieren und auf die Mitarbeit im Amazonas-Netzwerk REPAM, dem Adveniat auch angehört. Auf jeden Fall wird es für mich nach Bolivien gehen, so viel steht schon fest und Teil meiner Arbeit wird auch in der Steyler Mission sein.  

DOMRADIO.DE: Sie waren vor Adveniat Provinzial der Steyler Missionare in Bolivien und haben dort viele Jahre gelebt. Ist das Ihre erste oder zweite Heimat?

Pater Heinz: Schwer zu sagen, ich glaube, mittlerweile ist es meine erste Heimat geworden. Ich war zehn Jahre in Bolivien und insgesamt zwanzig in Lateinamerika. Und jetzt noch mal nach Bolivien zurückzugehen, bedeutet für mich – ich werde dieses Jahr 60 – die kommenden Jahre und Jahrzehnte, die der liebe Gott mir noch schenkt, dort zu verbringen.

Die Kirche in Bolivien bereichert mich so sehr, weil sie eine junge und spontane Kirche ist, wie wir es in Deutschland nicht kennen. Wir orientieren uns ja hier eher an Strukturen. Wenn sie da Gottesdienste feiern, kommen einfach alle: Junge, Alte, auch Tiere, es ist eine bunte Kirche. Und das hat mir in den letzten Jahren besonders gefehlt: Der Kontakt mit den Menschen. Natürlich gab es den auch mit Adveniat, aber vor Ort zu sein, ist schon etwas Anderes.

DOMRADIO.DE: Gibt es etwas, was Sie in Lateinamerika an typisch Deutschem vermissen werden?

Pater Heinz: Da muss ich nicht lange nachdenken: deutsche Schokolade und deutsche Süßigkeiten. Aber die haben mir in den letzten fünf Jahren auch einige Kilos eingebracht.

DOMRADIO.DE: Sie haben bereits erzählt, was Sie an der Kirche in Lateinamerika schätzen. Die deutsche Kirche steckt gerade in einer tiefen Krise. Was können wir hier in Europa von der lateinamerikanischen Kirche lernen?

Pater Heinz: Wir können beide voneinander lernen: Die lateinamerikanische Kirche kann von der deutschen die große Solidarität lernen: Das hat uns kürzlich noch Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Vatikan bestätigt, als er sagte, wie erstaunt er über die Großzügigkeit der deutschen Christen sei.

Die Lateinamerikanische Kirche ihrerseits hat eine ganz klare Option für die Armen getroffen und jetzt mit der Amazonas-Synode auch für unser gemeinsames Haus, die Schöpfung, den Lebensraum der Menschen. Da kann sie uns Vorbild sein. Ebenso hat sie die Jugend in den Mittelpunkt gerückt, da frage ich: Welchen Platz hat den die Jugend hierzulande in unserer Kirche?

Und die lateinamerikanische Kirche hat die Basis-Gemeinden. Ich glaube, das wäre auch einen Versuch wert, solche Kleingruppen hier zu fördern. Wir sind hier so sehr mit dem Thema Umstrukturierung beschäftigt, dass wir manchmal vergessen, dass der Glaube ja auch eine Bereicherung für das tägliche Leben ist. Der Glaube trägt uns durch Krisen, so wie wir sie gerade mit Corona erleben.

DOMRADIO.DE: Mit dem Jesuiten Pater Martin Maier tritt im September ein Lateinamerika-Kenner Ihre Nachfolge an. Was geben Sie ihm mit auf den Weg?

Pater Heinz: Er hat einen großen Vorteil mir gegenüber: Als ich 2017 zu Adveniat kam, war ich 25 Jahre nicht in Deutschland gewesen und vieles war für mich neu. Pater Maier ist sehr gut in der deutschen Kirche und der Gesellschaft vernetzt, derzeit lebt und arbeitet er noch in Brüssel, auch das ist ein großer Vorteil für Adveniat.

Ich würde ihm gerne den Satz mitgeben, den Kardinal Claudio Hummes damals Papst Franziskus sagte, als der gerade gewählt worden und auf dem Weg zum Balkon in Richtung Petersplatz war: "Vergiss die Armen nicht!", sagte er ihm. Das ist für uns bei Adveniat zentral und das würde ich Martin Maier mit auf den Weg geben. Das liegt uns sehr am Herzen und auch der lateinamerikanischen Kirche und das sollten wir bei Adveniat weiterhin unterstützen. Das wäre mein großer Wunsch.

Das Interview führte Ina Rottscheidt.

(DR)

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