Verzweifelte junge Frau
Verzweifelte junge Frau
Pater Michael Heinz
Michael Heinz, Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Adveniat

26.05.2021

Adveniat fordert Aufhebung der Corona-Impfpatente "Die Lage ist erschütternd"

In Lateinamerika schießt die Zahl der Corona-Infizierten in die Höhe. Gerade junge Menschen sind betroffen. Um die Situation in den Griff zu bekommen, fordert Adveniat eine zeitlich begrenzte Aufhebung der Patentrechte für Corona-Impfstoffe.

DOMRADIO.DE: Es gibt ja schon die Covax Initiative der WHO, die einen weltweit gerechten Zugang zu Impfstoffen gewährleisten will. Auf dem Weltgesundheitsgipfel in Rom letzte Woche hat die Pharmaindustrie 3,5 Milliarden Impfdosen für die Länder des Südens zugesagt. Ist das nicht schon mal ein guter Schritt in die richtige Richtung?

Pater Michael Heinz (Geschäftsführer von Adveniat): Sicherlich, die Covax Initiative ist sozusagen eine Einkaufsgemeinschaft, die natürlich den Menschen in der einen Welt, vor allen Dingen im globalen Süden hilft. Das geht in die richtige Richtung. Aber sie kann natürlich nur das verteilen, was produziert wurde. Das haben wir hier in Deutschland in den letzten Monaten auch erlebt. Da ist ja das Problem zurzeit, dass wir weltweit nicht genug produzieren und sich leider auch die zehn reichsten Nationen 75 Prozent der Impfstoffe im Moment gesichert haben. Das ist natürlich alles andere als schön für die eine Welt.

DOMRADIO.DE: Jetzt sichern Patente Erfindungen wie den Corona-Impfstoff als geistiges Eigentum und bringen den Entwicklern hohe Gewinne ein. Das ist letztendlich die Motivation, Geld auch in die Forschung zu investieren. Wenn man jetzt solche Patente aufhebt, wer würde dann künftig noch forschen? Das wäre eigentlich auch ein falsches Signal, oder?

Heinz: Ja, ich denke, dass es jetzt nicht so ist, dass die Menschen keine Gewinne mehr machen. Wir haben auch von anderen Institutionen gehört, dass sich in den letzten Monaten neun neue Milliardäre hervorgetan haben aufgrund der Geschäfte und Gewinne, die sie jetzt schon mit den Impfstoffen gemacht haben.

Es geht ja auch darum, die Patente nur für eine Zeit auszusetzen. Das ist auch in den TRIPs Abkommen der Weltgesundheitsorganisation schon vor über 20 Jahren geschrieben worden: Im Falle eines Gesundheits-Notstandes, und den haben wir ja jetzt wirklich, könnte diese Aussetzung geschehen. Dafür setzen wir uns ein, dass es eine zeitlich begrenzte Aussetzung der Patente gibt.

DOMRADIO.DE: Was können Sie konkret tun? Wie unterstützt Adveniat die Menschen in Lateinamerika in der Corona Krise?

Heinz: Ganz konkret haben wir jetzt vor ein paar Wochen mit einer neuen Sauerstoff-Herstellung in Lima in Peru geholfen. Wir unterstützen vor allen Dingen Menschen in Bolivien, in Manaus, in Brasilien mit Hygieneartikeln, mit Lebensmitteln. Es fehlt wirklich am Allernötigsten. Ich habe selbst in Bolivien gelebt und weiß auch von meinen Freunden und Bekannten um die traurigen Nachrichten.

Es gibt über eine Million Tote, fast 32 Millionen Infizierte. Also die Zahlen sind erschreckend hoch in Lateinamerika. Wir bemühen uns darum, mit unseren Projekt-Partnerinnen und Partnern, die wir schon seit Jahren, schon seit Jahrzehnten teilweise haben, sie in diesen schwierigen Situationen zu unterstützen. Adveniat hat in den letzten Monaten mit 87 Projekten geholfen, also rund 1,4 Millionen Euro haben wir in diese Notsituationen investiert.

DOMRADIO.DE: Sie haben selbst zehn Jahre in Bolivien gelebt, dazu zehn Jahre in Nicaragua. Wenn Sie jetzt diese Nachrichten bekommen, die Bilder sehen, was löst das in Ihnen aus?

Heinz: Es ist erschütternd. Gerade junge Menschen sind betroffen. Selbst meine Mitbrüder - ich bin Steyler Missionar - sterben mit 30, 32, 40 Jahren. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort, Katechetinnen und Katecheten, ganze Familien sind betroffen. Und das nicht nur mit einer Person, mit einem Toten, sondern mit mehreren. Das ist wirklich sehr schlimm. Deswegen appellieren wir vom Lateinamerika Hilfswerk Adveniat auch noch mal, uns weiter zu unterstützen. Aber auch besonders jetzt in dieser schwierigen Situation die Patentrechte für eine Zeit lang aufzuheben.

Das Interview führte Carsten Döpp.

(DR)

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