Adveniat-Aktion 2016
In diesem Jahr ist eine gewöhnliche Kollekte erschwert - es gibt aber digitale Möglichkeiten
Bischöfliche Aktion Adveniat e. V.
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Adveniat-Spendentüte 2020
Adveniat-Spendentüte 2020
Thomas Wieland
Thomas Wieland, Adveniat

26.11.2020

Adveniat zur Weihnachtsaktion in Zeiten der Corona-Krise "Wir geben die Hoffnung nicht auf"

Die Corona-Pandemie hat auch Lateinamerika fest im Griff. An die Ärmsten der Armen dort geht traditionell die Adveniat-Weihnachts-Kollekte. Die ist aber coronabedingt gefährdet, wie Adveniat-Projektabteilungsleiter Thomas Wieland erläutert.

DOMRADIO.DE: Mit dem Motto "ÜberLeben auf dem Land" nehmen Sie dieses Mal die arme Landbevölkerung in den Blick. Das Coronavirus breitet sich ja besonders schnell in den Ballungsräumen aus. Sind da die Leute auf dem Land, also in dünn besiedelten Gegenden, in diesem Punkt nicht sogar im Vorteil?

Thomas Wieland (Leiter der Projektabteilung des Lateinamerikahilfswerks Adveniat): Das haben wir auch gedacht, als im Mai diesen Jahres die Corona-Pandemie Lateinamerika in den Würgegriff nahm. Die Menschen sind dann auch auf ihren Fincas, auf ihren Bauernhöfen geblieben und haben sich abgeschottet. Aber Sie können ja mal überlegen, wie lange Sie es aushalten in einem schön ausgestatteten Garten mit viel Gemüse und vielleicht der Ziege, die Milch gibt. Nicht lange. Und so betrifft die Corona-Pandemie, sowohl was die Krankheit angeht, aber noch mehr was die Versorgungslage angeht, die Menschen auf dem Land besonders stark.

DOMRADIO.DE: Sie hatten das Thema schon vor Corona ausgewählt. Warum blicken Sie besonders auf die Landbevölkerung?

Wieland: Als katholisches Hilfswerk nutzen wir die Struktur der katholischen Kirche und wir wissen, wie es aussieht. Nicht nur in den Städten, wo oft die Korrespondenten sitzen und sich die Berichterstattung fokussiert, sondern dort, wo man nur schwer hinkommt: auf dem Land. Wir haben gemeinsam mit unseren Partnern gedacht, dass es wichtig wäre zu zeigen, welche Folgen es hat, wenn man das Land, wie es in Lateinamerika der Fall ist, als Rohstofflager und als Mülldeponie verwendet.

Das Land in Lateinamerika wird ausgebeutet, Erdöl wird rausgeholt, Gold ausgebeutet, das Holz wird genutzt. Die industriell groß angelegte Landwirtschaft zerstört Umwelt und den Lebensraum der Menschen. Das wollten wir mal in den Blick nehmen. Und wir wollen zeigen, wie man den Menschen dort helfen kann, wie man positiv was tun kann und wie man Leben auf dem Land in Lateinamerika auch wieder lebenswert machen kann.

DOMRADIO.DE: An manchen entlegenen Orten in Lateinamerika kommt ein Priester gerade einmal im Jahr vorbei. Wieso ist Lateinamerika da eigentlich nach wie vor noch so katholisch? Wie schafft das die Kirche, den Kontakt zu den Menschen zu halten?

Wieland: Das stimmt. Die Priester sind wenige und die Gläubigen sind viele. Wie auch Studien schon belegen, entfaltet das Evangelium seine Wirkung immer dann, wenn es den Bezug zum Leben hat. Da hat Lateinamerika uns einfach etwas voraus. Der Glaube spielt eine Rolle im Alltag.

Wie wir mit den anderen umgehen, wie wir uns politisch einsetzen, wie wir die Umwelt pflegen und stützen, hat etwas mit dem christlichen Glauben zu tun. Papst Franziskus macht es deutlich. Wir sehen es ja an allen Ecken und Enden. Glauben und Leben gehören zusammen. Und dann entfaltet das Katholischsein seine Wirkung und ist nicht so leicht auszumerzen.

DOMRADIO.DE: Wie hilft denn die katholische Kirche den Menschen auf dem Land in Lateinamerika ganz aktuell? Haben Sie da ein Beispiel?

Wieland: Ja, ich sehe das und sah das, wenn ich in Lateinamerika vor der Corona-Pandemie unterwegs war, aber jetzt auch über die Kontakte, die wir digital aufrecht erhalten. Ich denke vor allen Dingen an die Ordensfrauen. Das sind beeindruckende Frauen, die auf dem Land einen Gesundheitsposten unterhalten und für die Gesundheitsversorgung der Menschen sorgen. Wir können die unterstützen, indem wir ihnen Geld, aber auch Know-how zur Verfügung stellen.

Dann gibt es Schulen. Es gibt die Seelsorge – bei den Menschen sein, gerade jetzt in der Corona-Pandemie, um auch die seelische Gesundheit aufrechtzuerhalten. Und es gibt die Unterstützung mit Rechtsmitteln. Denn man darf nicht vergessen: Viele nutzen die Corona-Pandemie um Land zu invadieren (d. Red. in fremdes Land einzufallen), um Menschenrechtsvergehen zu begehen. Da unterstützt Adveniat, das das nicht vorkommt.

DOMRADIO.DE: Jetzt wird es in diesem Jahr ja keine normalen Weihnachtsgottesdienste geben. Das trifft Adveniat natürlich, weil das Spendengeld dieser Gottesdienste traditionell an die Adveniat-Arbeit in Lateinamerika geht. Wenn jetzt deutlich weniger Menschen in die Messen kommen und viele auch sehr mit eigenen Problemen beschäftigt sind, zum Beispiel gerade um ihren Job zittern, wie sehr müssen Sie da einen Spendeneinbruch befürchten?

Wieland: Das ist ein großes Problem, was uns umtreibt, denn die Weihnachts-Kollekte macht 50 Prozent dessen aus, womit wir in Lateinamerika helfen können. Deswegen haben wir auch viele digitale Angebote. Man kann zum Beispiel über die Homepage "Teile-dein-Weihnachten" digital spenden und Adveniat Mittel zur Verfügung stellen. Die Spenden-Tüten, die überall ausliegen, dienen dem auch.

Wir sind dabei zu mobilisieren und wir erfahren eine große Resonanz, dass Menschen das möchten. Wir sehen, dass das schwierig werden wird, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass es viele Menschen gibt, gerade auch jetzt, die wegen der Corona-Pandemie sehen, dass es woanders noch schlimmer ist als bei uns.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

Information: DOMRADIO.DE überträgt am ersten Adventssonntag den in Zusammenarbeit mit der Katholischen Landvolkbewegung gestalteten Eröffnungsgottesdienst der Adveniat-Weihnachtsaktion 2020 aus der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Hofheim, Bistum Würzburg, mit Bischof Franz Jung.

(DR)

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