Brandrodung in der Nähe des Yanomami-Dorfes Watoriki in Brasilien
Brandrodung in der Nähe des Yanomami-Dorfes Watoriki in Brasilien
Pater Michael Heinz
Pater Michael Heinz

09.08.2020

Adveniat zum internationalen Tag der indigenen Völker "Es ist lebensgefährlich, Indigener zu sein"

"Der internationale Tag der indigenen Völker muss ein Tag der Trauer und des Aufschreis sein" - so der Appell Adveniats zum UNO-Gedenktag an die ursprünglichen Völker an diesem Sonntag. Denn sie werden bedroht und ermordet für unseren Lebensstil.

DOMRADIO.DE: Indigene Völker haben bis heute ein enges Verhältnis zur Schöpfung und kämpfen für deren Bewahrung. Dadurch sind sie im vergangenen Jahr immer wieder zu Opfern geworden. Warum?

Pater Michael Heinz (Hauptgeschäftsführer des katholischen Hilfswerks Adveniat): Nun, die indigenen Völker haben ihre Territorien vor allen Dingen an den Orten in Lateinamerika, die auch aus wirtschaftlichen Interessen oder für Regierungen interessant sind. Da gibt es Bodenschätze, Land für den Soja-Anbau und die Rinderzucht. Ein Beispiel im Bereich Bodenschätze: In Ecuador gibt es Erdölvorkommen, bei deren Ausbeutung kommt es auch zu Naturkatastrophen wie vor Kurzem, als ganze Flüsse in den Regionen der Indigenen verseucht wurden. In Chile geht es um Landbesitz, den die Großgrundbesitzer den Indigenen streitig machen. Oder Kolumbien, wo Paramilitärs und Guerilla das Land der Indigenen kontrollieren. Man kann wirklich sagen, heutzutage ist es lebensgefährlich, Indigener zu sein.

DOMRADIO.DE: Besonders dramatisch sieht es aktuell in Brasilien aus, wo Präsident Bolsonaro offensiv Raubbau am Amazonas betreibt. Was bedeutet das für die Indigenen?

Heinz: Die Bolsonaro-Regierung ist mit die schlimmste im Moment für die Indigenen in Lateinamerika. Das heißt, ihr Lebensraum wird nicht nur bedroht, sondern er wird zerstört. Wenn die Regierung so weitermacht, dann bedeutet das für die Indigenen in Brasilien ihre Ausrottung. Das Trinkwasser wird verseucht durch die Goldsucher. Das Land wird ihnen streitig gemacht von Großgrundbesitzern, die dort Soja anbauen wollen. Von den 212 Personen weltweit, die im letzten Jahr ermordet wurden, weil sie sich für Umweltschutz eingesetzt haben, sind allein zwei Drittel aus Lateinamerika - und davon fast die Hälfte Indigene. Das heißt, es ist wirklich ein Risiko, Indigener zu sein und sich dann auch für das gemeinsame Haus, für die Umwelt, einzusetzen.

DOMRADIO.DE: Hat die Coronavirus-Pandemie die Situation für die Indigenen noch weiter zugespitzt?

Heinz: In Brasilien wird die Coronavirus-Pandemie von der Regierung als Deckmantel benutzt, um die Abholzung und die Zerstörung des Lebensraums der Indigenen weiter voranzutreiben. Das bedeutet aber auch, dass die Indigenen durch den Kontakt, den sie ja dann zwingend mit Goldsuchern und mit anderen Menschen haben, leichter angesteckt werden. Diese bringen die Pandemie in die Gebiete und in die Dörfer der Indigenen. Es ist wichtig, dass wir dagegen arbeiten, nicht nur als Lateinamerika-Hilfswerk, sondern eben auch als Menschen, die wir in Deutschland und Europa leben.

DOMRADIO.DE: Warum geht uns das Schicksal der indigenen Völker direkt an?

Heinz: Unser Lebensstil hat direkt mit den Indigenen zu tun. Wenn etwa 20 Prozent der Importe aus Brasilien in die EU, vor allen Dingen Soja und Fleisch, im direkten Zusammenhang mit illegaler Brandrodung stehen, hat das ganz konkret damit zu tun, wie die Menschen hier leben. Gott sei Dank gibt es sowohl in Deutschland als auch in Lateinamerika Menschen, die sich für die Indigenen einsetzen. Adveniat möchte Anwalt der Indigenen sein. Wir haben mit rund 300 Projekten auch im vergangenen Jahr die Menschen direkt vor Ort unterstützt. Wir sind auch im kirchlichen Netzwerk Repam. Ich denke, da tut sich schon einiges, und da müssen wir gemeinsam an einem Strang ziehen und auch gemeinsam weiter dort arbeiten.

Das Interview führte Dagmar Peters.

(DR)

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