Militärpräsenz in Las Mercedes in Westkolumbien. Hier hatte die FARC einen General entführt.
Militärpräsenz in Las Mercedes in Westkolumbien. Hier hatte die FARC einen General entführt.
Trauer in Kolumbien
Trauer in Kolumbien

19.11.2014

Adveniat: Junge FARC-Mitglieder sind oft zwangsrekrutiert Kolumbianisches Kräftemessen

Das katholische Hilfswerk Adveniat sieht Kolumbien noch weit entfernt vom Frieden. Das gelte auch für den Fall, dass die Regierung die Verhandlungen mit den FARC-Rebellen wieder aufnimmt, sagt Adveniat-Referentin Lauer Perez.

domradio.de: Warum hat die FARC den General entführt? Was verspricht sie sich davon?

Monika Lauer Perez (Referentin für Kolumbien und Uruguay bei der bischöflichen Aktion Adveniat, dem Lateinamerika-Hilfswerk der Katholiken in Deutschland): Da kann es sehr unterschiedliche Gründe für geben. Es steht im Moment ein sehr schwieriger Punkt zur Verhandlung, das ist die Niederlegung der Waffen und da sträubt sich die FARC mit Händen und Füßen. In ihrem Selbstverständnis würde die FARC eine Niederlegung der Waffen als bedingungslose Kapitulation ansehen. So könnte das zum Beispiel ein Zeichen von noch vorhandener Schlagkraft sein, zu sagen, wir entführen euren General - was ja in der Regel nicht so ganz einfach ist.

domradio.de: Was sind denn generell die Ziele der FARC?

Lauer Perez: Die Ziele, die die FARC ursprünglich mal verfolgt hat, sind längst aus dem Blickfeld geraten. Immer wieder wird natürlich auf die alten Ideale zurückgegriffen. Die ursprüngliche Idee der FARC war eine durchaus respektable, nämlich den armen Bauern zu Landbesitz und zu Möglichkeiten sich angemessen zu ernähren und zu leben, zu verhelfen. Es gibt in Kolumbien sehr große soziale Ungerechtigkeiten. Davon ist heute nicht mehr so viel übrig. Im Gegenteil, die FARC ist heute eine Organisation, die die Landbevölkerung auch drangsaliert und vor der die Menschen richtig Angst haben. Viele Dinge kann die FARC nur deshalb tun, weil sie die Menschen einschüchtert. Dazu gekommen ist noch, dass die FARC einer der Hauptakteure im Drogenhandel ist, damit auch ihre angestrebte Revolution finanziert hat und jetzt natürlich auch durch diese Friedensverhandlungen diese Einkünfte stark gefährdet sind.

domradio.de: Die FARC hat mehr als 9000 Mitglieder. Gibt es doch einen Zuspruch aus der Bevölkerung?

Lauer Perez: Es gibt immer noch die altüberzeugten FARC-Mitglieder, aber die Jüngeren sind sehr häufig zwangsrekrutiert, das muss man ganz deutlich so sagen. Das ist keine wirkliche Wahl, die den jungen Menschen zum Teil gelassen wird. Aus Angst und aus Mangel an Alternativen schließen sich viele der FARC noch an. Das ist nicht nur Zuspruch.

domradio.de: Die kolumbianische Bischofskonferenz hat beide Parteien dazu aufgerufen, die Gespräche wieder aufzunehmen. Wie beurteilen Sie die Chancen für einen Frieden?

Lauer Perez: Man muss differenzieren, die Wiederaufnahme der Dialoge oder der Verhandlungen in Havanna sind nicht identisch mit Frieden in Kolumbien. Sollten - und das hoffe ich sehr - die Gespräche wieder aufgenommen werden und auch zu einem Abschluss kommen, dann ist das nicht mehr als ein Signal in dem Prozess. Vom Frieden sind wir dann immer noch weit entfernt. Die Kirche sieht sich in dieser Rolle als Garant dafür, dass diese Gespräche weitergeführt werden.

domradio.de: Welche Chance hat der General, dass er wieder freikommt?

Lauer Perez: Ich schätze mal, dass die Chancen relativ hoch sind, dass er wieder freikommt. Ich glaube nicht, dass man wirklich vorhat, ihn umzubringen. Es ist im Moment so ein Kräftemessen - wie viel kann die Regierung verlangen, wie viel politischen Spielraum lässt sie der FARC.

Das Interview führte Uta Vorbrodt.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Weder domradio.de noch das Erzbistum Köln machen sich Äußerungen der Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen zu eigen.

(DR)

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