Ökumenische Romfahrt (Archiv)
Ökumenische Romfahrt (Archiv)

25.10.2021

Papst trifft 500 deutsche Pilger der "Luther zum Papst"-Reise Ein musikalisches Miteinander

Zum zweiten Mal reisten Hunderte deutsche Pilger unter dem Motto "Mit Luther zum Papst" nach Rom, um Papst Franziskus zu treffen. Es wurde ein musikalisches Miteinander mit einem gut gelaunten Kirchenoberhaupt.

"Ohhh." Hörbare Enttäuschung geht durch die Bankreihen - Papst Franziskus' Eintreffen verzögert sich. Während der Großvater aufsteht, um seine schnullernde Enkelin doch etwas zu schunkeln, stimmen Teilnehmer ein weiteres Lied an: "Laudato si" - vielleicht, um das Kirchenoberhaupt schneller in die päpstliche Audienzhalle zu locken. Singend überbrücken die rund 500 Pilger aus Deutschland die Wartezeit vor dem bevorstehenden Höhepunkt ihrer sechstägigen Rom-Reise "Mit Luther zum Papst".

Es ist die zweite Reise dieser Art, die von der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der evangelischen Landeskirche Anhalts und dem katholischen Bistum Magdeburg organisiert wurde. Gleich zu Beginn wurde der Initiative für ihren Einsatz für die Einheit der Christen an ihrem Quartier auf einem Zeltplatz bei Ostia der Ökumenepreis der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) überreicht.

Zwischen zwei und 80 ist alles dabei

Viele der Teilnehmer, die 2016 dabei waren, sind wieder mitgereist, berichtet Julia Lehnert vom Organisationsbüro. Die meisten stammen aus Mitteldeutschland, sind teils evangelisch, teils katholisch oder auch konfessionslos. "Die Altersspanne reicht von 2 Jahren bis über 80", so Lehnert. Auch dabei: Magdeburgs Bischof Gerhard Feige sowie der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer. Und Kurienkardinal Kurt Koch, der Ökumene-Minister" des Papstes. Mit ihm soll es zum Abschluss der Reise noch einen Gottesdienst geben.

Cornelia Barth ist sichtlich gerührt. Die grauhaarige Katholikin aus Lutherstadt Eisleben hat ihre ganze Familie mit nach Rom gebracht, die jüngste Enkelin ist gerade fünf Jahre alt. "Ich finde das Gemeinsame der Reise einfach schön", sagt Barth, für die es nicht die erste Papstaudienz ist. Sie habe eigentlich vor vielen Jahren mit der Kirche gebrochen, erzählt sie, und sei dann doch wieder zurückkehrt. "Ich brauche das einfach für mich", so Barth. Papst Franziskus schätzt sie als offen; mehr Tempo bei der Missbrauchsaufklärung wünscht sie sich aber.

"Hellhörig für Gottes Melodie"

Die sonst eher kahle Bühne der Audienzhalle haben die Teilnehmer ein wenig dekoriert. Ein Tor, um den gemeinsamen Weg zu symbolisieren, und eine rote Lutherfigur des Künstlers Ottmar Hörl stehen auf der Bühne. Dann ist es endlich so weit; das Warten hat ein Ende. Mit Gesang des Magdeburger Jugend-Chors wird Papst Franziskus begrüßt, der aufmerksam lauscht. Landesbischof Kramer und der Magdeburger Diözesanjugendseelsorger Christoph Tekaath bedanken sich für das Treffen.

"Guten Tag", wendet sich Franziskus an die Teilnehmer. Ihn freue das Motto der Reise "besser alle gemeinsam" - und dass viele bereits zum zweiten Mal dabei seien. Er wünsche sich, dass alle Teilnehmer "hellhörig für Gottes Melodie" blieben. "Dann wird aus vielen Stimmen ein Gesang. Auch darin geschieht Ökumene, in Deutschland und in vielen anderen Teilen der Welt", so Franziskus. Anschließend bleibt es nicht still in der Audienzhalle; es wird weiter gesungen und musiziert, sichtlich zur Freude des Pontifex, der sich viel Zeit nimmt, um durch die Reihen zu gehen und Pilger einzeln zu begrüßen.

Papst Franziskus mit dem Reise-Schal

Unter Applaus und lächelnd nimmt er einen Reise-Schal "Mit Luther zum Papst" als Geschenk an und legt ihn sich um den Hals, bevor er weiter durch die Reihen spaziert. Am Ende kommt er auch bei Cornelia Barth und ihrer Familie vorbei. Ihre Tochter und Enkelin stehen ganz vorn. "Schlaf?", fragt Franziskus die Fünfjährige, die sich auf dem Arm der Mutter etwas versteckt und den Kopf schüttelt. Dann verlässt Franziskus fröhlich winkend die Halle. Der blaue Pilgerschal baumelt weiter um seinen Hals.

Als sich Cornelia Barth wieder setzt, muss sie lachen. "Wenn du 18 bist, dann zeigen wir dir das Foto vom Papst, und du wirst dich ärgern, dass du so störrisch warst", sagt sie zu ihrer Enkelin. Und wirkt dabei sehr selig.

(KNA)

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