Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer
Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer
Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), neben Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD-Synode
Irmgard Schwaetzer, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), neben Bischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD-Synode

06.05.2021

Scheidende EKD-Präses Schwaetzer zur Zukunft der Kirche "Wir müssen rausgehen zu den Menschen"

Fast acht Jahre hatte Irmgard Schwaetzer das Amt der Präses der Evangelischen Kirche inne. Nun entscheidet die EKD-Synode über ihre Nachfolge. Die Pharmazeutin und FDP-Politikerin schaut zurück und gibt Empfehlungen für die Zukunft.

DOMRADIO.DE: Sie geben jetzt Ihr Amt als Präses der Evangelischen Kirche ab. Mit welchen Gefühlen tun Sie das?

Dr. Irmgard Schwaetzer (Scheidende EKD-Präses): Natürlich sind es gemischte Gefühle. Aber ganz im Vordergrund steht ganz große Dankbarkeit für sieben sehr ausgefüllte, interessante, großartige Jahre mit wunderbaren Begegnungen mit vielen Menschen, zwischen denen Vertrauen gewachsen ist, und auch mit einer sehr intensiven inhaltlichen Arbeit. Immerhin geht es darum, die Zukunft der Kirche ein wenig in den Blick zu nehmen und auch Wege dafür zu öffnen, dass wir in der Zukunft Menschen mit Gottes Botschaft erreichen.

DOMRADIO.DE: Auch in Zukunft wird die Ökumene in Deutschland wichtig sein, die Beziehung zwischen katholischer und evangelischer Kirche. Wir sprechen jetzt kurz vor dem Ökumenischen Kirchentag. In der Rückschau: Ist die Entwicklung in Ihrer Amtszeit so gelaufen, wie Sie sich das gewünscht haben?

Schwaetzer: Zum großen Teil ja. Ich erinnere mit ganz großer Dankbarkeit an die gemeinsame Pilgerreise, die Mitglieder des Rates der EKD und der Bischofskonferenz 2016 ins Heilige Land gemacht haben. Ich erinnere an die Ökumenischen Gottesdienste in 2017, also dem Jahr der Reformationsfeiern. In all dieser Zeit ist so viel Vertrauen gewachsen und das ist heute noch spürbar. Und ich hoffe, dass das in der Zukunft auch bleibt.

DOMRADIO.DE: Das Thema sexueller Missbrauch, Machtmissbrauch, hat beide Kirchen erschüttert und ist noch lange nicht aufgearbeitet. Ein riesiger Image- und Vertrauensverlust für beide Kirchen. Was glauben Sie, wie können die Kirchen Vertrauen zurückgewinnen?

Schwaetzer: Das geht mit Sicherheit nur, wenn zwei Dinge auf jeden Fall passieren und das eine ist, dass wir offen, transparent alles dazu tun, dass unsere Kirchen einen Schutzraum für Menschen bieten werden, auf die wir aufpassen müssen, für die wir Verantwortung übernommen haben. Das ist ja an ganz vielen Stellen in der Vergangenheit eben nicht der Fall.

Und das Zweite ist die Aufarbeitung. Das muss glaubwürdig passieren. In der evangelischen Kirche haben im Herbst des letzten Jahres die großen wissenschaftlichen Aufarbeitungsstudien begonnen. Das wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis es da erste Ergebnisse gibt. Die richten den Blick auf die Ursachen sexueller Übergriffe, von Gewalt gegen Schutzbedürftige, auf die Besonderheiten der evangelischen Kirche und der Diakonie und auf das Ausmaß.

In Vorbereitung sind unabhängige Aufarbeitungskommissionen, die dann natürlich eine ganz starke Beteiligung von Betroffenen beinhalten. Das wird auch nochmal ein schwieriger Prozess auch für die evangelische Kirche, denn da wird sie Deutungsmacht abgeben müssen und das wird sicherlich nicht ganz einfach werden.

DOMRADIO.DE: Schauen wir auf noch ein anderes gemeinsames Problem beider Kirchen, nämlich dass immer weniger Leute in die Kirche gehen. Die Corona-Pandemie hat das trotz vieler digitale Angebote noch verstärkt. Langfristig könnten Kirchenaustritte wirklich die Institution Kirche, ob jetzt evangelisch oder katholisch, gefährden. Wie sehen Sie das? Brauchen die Menschen die Kirchen überhaupt noch, um ihren Glauben leben zu können?

Schwaetzer: Naja, die Umfragen sagen uns, dass immer mehr Menschen mit dem, wie Kirche ihnen begegnet, nichts anfangen können. Wir haben auf der anderen Seite während der Pandemie bemerkt, dass vor allen Dingen Seelsorge ein ganz großes Thema war. Dass viele Menschen mit ihren Sorgen, mit ihren Ängsten, mit ihren Fragen dann darauf aus waren, auch zum Teil darauf gewartet haben, dass sie angesprochen wurden.

Das, finde ich, ist sowieso etwas, was durch die Pandemie nochmal verstärkt worden ist, was wir allerdings auch schon durch das Reformationsjubiläum erfahren haben. Wir müssen rausgehen zu den Menschen. Es reicht nicht zu sagen, wir laden euch alle ein, sondern wir müssen da sein, wo Menschen Probleme haben.

Das ist ein Perspektivwechsel. Und diesen Perspektivwechsel wollen wir eben auch mit neuen Ansätzen in der Seelsorge, aber auch in der Gemeindearbeit, wo ja während der Pandemie ungeheuer viel kreative Lösungsansätze entstanden sind, ausprobiert worden sind, in die Zukunft tragen.

DOMRADIO.DE: Das ist dann sicher auch eine der großen Aufgaben für Ihre Nachfolgerin oder Ihr Nachfolger. Wie geht es denn jetzt für Sie selbst weiter? Verraten Sie das?

Schwaetzer: Ich freue mich erst mal, dass ich mehr Zeit habe, um wieder, wenn Sie denn offen sind, auch hoffentlich in die Museen zu gehen und Konzerte zu hören. Das reiche kulturelle Leben von Berlin wahrzunehmen. Aber ich denke, ich werde auch noch andere Aufgaben haben. Aber das ist dann eine etwas spätere Sorge. 

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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