Eingang in eine Wohnung
Eingang in eine Wohnung

18.02.2021

In einer Wohngemeinschaft mit Gottes Sohn "Jesus, die Milch ist alle"

Wie wäre es, wenn Jesus plötzlich an der Haustür klingeln würde? Das fragte sich der junge Hamburger Pastor Jonas Goebel. Herausgekommen ist eine humorvolle Geschichte über Gott, die Welt und die "Craftbier-Kirche".

"Hi, ich bin Jesus. Ich wohn' jetzt hier", sagt der Typ mit dem ollen Drahtesel und schiebt sich an Jonas vorbei in dessen Wohnung. Nachdem er im falschen Moment "Dein Wille geschehe" zu Gott gesagt hat, muss Jesus auf die Erde zurückkehren und ein neues Evangelium schreiben - und zieht dazu ausgerechnet bei dem jungen evangelischen Pastor Jonas Goebel und dessen Freundin Trixi ein.

Mit Jesus im Alltag klarkommen

In seinem neuen Buch "Jesus, die Milch ist alle", das am Donnerstag im Herder-Verlag erscheint, erzählt der 31-jährige Hamburger humorvoll, wie es ihm mit dem ungewöhnlichen Mitbewohner ergeht.

Jesus zieht mit ihm durch die Kneipen, nimmt jeden Freitag am Klimastreik teil und bringt Stimmung in den Seniorenkreis. Statt im Haushalt mitzuhelfen schaut der Gottessohn lieber Netflix und RTL-Serien. Mit anderen Worten: Jesus ist alles andere als heilig.

Aus Gedankenspielen wurde ein Buch

"Ich glaube, dass das auch auf den historischen Jesus zutrifft", ist Goebel überzeugt. "In der Bibel ist ja zu lesen, wie viele Menschen sich an ihm gestoßen haben." Die Botschaft Jesu in die heutige Zeit zu übersetzen ist ein Grundanliegen des Autors. "Der Jesus von vor 2.000 Jahren, der von Schafen und Äckern erzählt, ist mir nicht immer nah", gesteht er.

Eines Tages habe er sich die Frage gestellt, wie es sei, wenn Jesus tatsächlich bei ihm zuhause klingeln würde. Aus ersten Gedankenspielen wurde zuerst eine Predigtserie und schließlich das aktuelle Buch.

Auch Luther ist dabei

Neben Jesus zieht auch Martin Luther in die schräge WG ein - für einen evangelischen Pastor "nach Jesus die zweitspannendste Figur". Der Reformator ist ganz nach historischem Vorbild ein schlauer, aber eigenwilliger Typ. Er schlägt Jesus regelmäßig beim Bibel-Quiz und kommt auf Social-Media-Kanälen mit seinen provokanten Aussagen deutlich besser an als der Sohn Gottes.

Dafür eckt er bei realen Begegnungen mit Menschen immer wieder an - etwa in der Uni-Vorlesung, wo er wiederholt den Professor korrigiert und so beinahe für einen Eklat sorgt.

Anklänge an die Känguru-Chroniken

Das Buch erinnert an die Känguru-Chroniken des Kabarettisten Marc-Uwe Kling, in denen ein besserwisserisches, kommunistisches Beuteltier ungefragt beim Autor einzieht und regelmäßig dessen Alltagspläne durchkreuzt. Goebel ist erklärter Fan des Formats.

Doch darf man so über Jesus reden? "Diese Frage habe ich für mich offensichtlich mit Ja beantwortet", so der Theologe. Alles, was er Jesus in den Mund gelegt habe, sei durch biblische Aussagen gedeckt. "Ich habe wohl noch nie so viel in der Bibel gelesen, wie in der Vorbereitung dieses Buches", versichert er. Auf diese Weise könne es "ein leichter und entspannter Einstieg in das riesige Thema des christlichen Glaubens" sein.

Ebay-Predigten und Preacherslams

Goebel ist bereits für ungewöhnliche Projekte und kreative Ideen bekannt. Bei sogenannten Preacherslams wetteifert er regelmäßig mit Kollegen um die beste Predigt. Als Pastor der Auferstehungskirche in Hamburg-Lohbrügge bloggt er über seinen Alltag und veröffentlicht seine Predigten als Podcasts. Für Schlagzeilen sorgte er mit bislang zwei "Ebay-Gottesdiensten", bei denen der Meistbietende gegen eine Spende das Predigtthema festlegen durfte.

"Ich möchte Menschen, die sich für den christlichen Glauben interessieren, so wenig Steine in den Weg legen wie möglich", erklärt er seine Philosophie. "Dabei nutze ich die Wege, die ich auch in meinem Alltag nutze." Einen Podcast zu hören oder sich beim Mittagessen durch Youtube-Videos zu klicken - das gehört für Goebel dazu. Projekte in seiner Gemeindearbeit plant er in Serien, Staffeln und Folgen. "Netflixisierung" nennt er das.

Kirche - mehr als ein ödes Pils

Seine Vision von der Kirche hat der junge Pastor im Buch Martin Luther in den Mund gelegt. "Wir brauchen eine Craftbier-Kirche", fordert der bei einem gemeinsamen Kneipenabend. "Viel zu häufig trinken die Leute irgendein Pils, obwohl es gar nicht ihr Lieblingsbier ist", erklärt Goebel. Mit der Kirche sei das ähnlich. Sie biete allzu häufig nur Einheits-Pils an, obwohl es viele verschiedene Craftbier-Sorten gebe. "Wer in die Kirche geht, sollte den Eindruck bekommen: Die Sache Jesu ist bunter als gedacht."

Michael Althaus
(KNA)

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