Fragen und Antworten zum EU-Wiederaufbaufonds - Wofür soll das Geld ausgegeben werden?
Evangelische Kirche plant Einsparungen in Millionenhöhe
Landesbischof Heinrich Bedford-Stroh
Heinrich Bedford-Strohm
Irmgard Schwaetzer
Irmgard Schwaetzer

09.11.2020

Evangelische Kirche plant Einsparungen in Millionenhöhe Strukturelle und finanzielle Reformen im Blick

Die evangelische Kirche berät über strukturelle und finanzielle Reformen - wegen der Corona-Pandemie stark verkürzt und rein digital. Die Corona-Krise macht Sparen besonders dringlich, und langfristig kommt ohnehin weniger Geld in die Kassen.

Die evangelische Kirche will auf ihrer Jahrestagung über Einsparungen in Millionenhöhe beschließen. Die Beratungen der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hätten weitreichende Konsequenzen, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Sonntag in seinem Bericht vor den 120 Mitgliedern des Kirchenparlaments. Konkret soll stufenweise bis 2030 eine Summe von 17 Millionen Euro im Haushalt eingespart werden. Am Montag wird das höchste Gremium der 21,1 Millionen deutschen Protestanten, die Synode, weiter über die finanziellen und strukturellen Reformen beraten. Wegen der Corona-Pandemie tagt das Kirchenparlament stark verkürzt und rein digital.

"Die Kirche wird grundsätzlich anders sein"

Die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, sagte, es sei klar, dass die evangelische Kirche sich verändern müsse: "Wir werden keine kleinere Version der Kirche von heute sein, sondern die Kirche wird grundsätzlich anders sein."

Die Mitglieder des Kirchenparlaments berieten am Sonntag über drei Vorlagen: Eine enthielt zwölf Leitsätze zur Zukunft der Kirche, eine weitere eine Finanzstrategie für die kommenden zehn Jahre, die dritte skizzierte die Fortführung einer Digitalstrategie. Beschlüsse dazu werden für Montag erwartet.

Reformüberlegungen

In den zwölf Leitsätzen geht es unter anderem um eine mögliche engere Zusammenarbeit der 20 evangelischen Landeskirchen, um die Weitergabe des christlichen Glaubens in einer zunehmend säkularen Gesellschaft und Prioritäten bei der Finanzierung kirchlichen Handelns. Die mittelfristige Finanzplanung der EKD bis 2030 sieht vor, rund 17 Millionen Euro im Vergleich zum Haushalt 2019 einsparen. Das entspricht rund 20 Prozent der Ausgaben. Teil des Finanzplans ist eine Liste mit Kürzungsvorschlägen für Zuschüsse etwa für kirchliche Hochschulen und unabhängige Frauen- und Männerarbeit.

Basis der Reformüberlegungen ist eine Prognose Freiburger Forscher aus dem vergangenen Jahr, wonach die Kirche bis 2060 die Hälfte ihrer heutigen Mitglieder verlieren könnte und sich damit auch ihre Finanzkraft halbieren dürfte. Durch die Corona-Krise erwarten die Landeskirchen schon für das laufende Jahr einen Rückgang der Einnahmen aus der Kirchensteuer zwischen 8,5 und 11,5 Prozent, wie der Leiter der EKD-Finanzabteilung, Carsten Simmer, am Sonntag erläuterte. 2019 hatten die Landeskirchen einen Rekordwert von 5,9 Milliarden Euro Kirchensteuereinnahmen erzielt.

Heutige Aufgaben und Ausgaben könnten nicht einfach fortgeschrieben werden, sagte das für Finanzen zuständige EKD-Ratsmitglied Andreas Barner. Ohne Gegenmaßnahmen würde der EKD-Haushalt 2030 einen Fehlbetrag von rund neun Millionen Euro erreichen.

Kirche in der Corona-Krise

Die Synodalen rangen am Sonntagnachmittag um die finanziellen Auswirkungen der Streichliste auf einzelne Bereiche. Barner sagte am Ende der Diskussion: "Wir müssen harte Entscheidungen treffen." Es wäre tragisch, wenn sich die Synode am Ende nicht einigen könne.

Der Haushalt der EKD für das Jahr 2021, über den die Synode am Montag ebenfalls abschließend abstimmen wird, sieht eine Summe von 243,4 Millionen Euro an ordentlichen Erträgen vor. Das sind rund 11,7 Millionen Euro mehr als im Haushalt 2019.

Auch die unmittelbaren Auswirkungen der Corona-Pandemie waren Thema am ersten Tag der EKD-Synodentagung. Der Ratsvorsitzende Bedford-Strohm sprach von einer durch die Krise "verwundeten Gesellschaft". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte die Kirchen dazu auf, in der Corona-Krise einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten. Als Christ sei es ihm wichtig, dass über die Zukunft der Kirche nachgedacht wird, sagte er in einer Videobotschaft: "Die Kirche der Zukunft, wie immer sie aussehen mag, soll - wenn es nach dem Bundespräsidenten geht - eine öffentlich wirksame Kirche bleiben."

(epd)

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