Eine brennende Kerze mit orthodoxen Darstellungen
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Metropolit Hilarion mit dem Papst
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Wladimir Putin, Präsident von Russland
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Plakate von Hitler und Stalin in Prag
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13.05.2020

Streit um Mosaikbilder in Russlands neuer Armeekathedrale "Kirche des Sieges" nun ohne Stalin und Putin

In Russland sorgte die Diskussion um "Heldenbilder" in der neuen Armeekirche bei Moskau zuletzt für Schlagzeilen. Nachdem zunächst auf ein Bild Putins verzichtet wurde, soll nun auch Stalin nicht zu sehen sein.

Russlands neue Armeekathedrale soll nach dem Willen der orthodoxen Kirchenspitze doch kein Stalin-Bild bekommen. Metropolit Hilarion, Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, lehnte laut der Nachrichtenagentur Interfax (Dienstag) eine Darstellung des sowjetischen Diktators in dem auch "Kirche des Sieges" genannten Gotteshaus kategorisch ab. Josef Stalin (1878-1953) sei ein "Verfolger der Kirche" gewesen, der Millionen Menschen auf dem Gewissen habe, hielt der Metropolit fest.

Staatliches Prestigeprojekt bei Moskau

Die Kathedrale ist ein staatliches Prestigeprojekt vor den Toren Moskaus im Freizeitpark Patriot, den das Verteidigungsministerium betreibt. Dort war ein Mosaik geplant, das die Siegesparade in Moskau 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg mit Generälen, Soldaten und einem großen Stalin-Plakat darstellt.

Stalin wird in Russland für den Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert, zugleich aber auch wegen seines Terrors gegen die eigene Bevölkerung und die Ermordung von orthodoxen und anderen Geistlichen geächtet. Hilarion betonte, eine Kirche sei weder eine Ausstellungshalle noch ein Ort, an dem man Militärparaden darstellen solle, sondern ein "Ort des Gebets". 

Bilder in der Kirche dürften zwar militärische Handlungen zeigen. "Aber sie sollten nicht politisiert werden, sie sollten keine Spaltung oder Meinungsverschiedenheiten hervorrufen", so der Metropolit, der in der russisch-orthodoxen Kirche als zweitwichtigster Geistlicher nach Patriarch Kyrill I. gilt. "Und natürlich sollte es in Kirchen keine Porträts der Verfolger der Kirche geben", fügte er hinzu.

Putin stoppte Anfertigung seines Porträts

Die "Kirche des Sieges" sollte bereits am vergangenen Samstag, dem 9. Mai, zum 75. Jahrestag des sowjetischen Sieges über Nazi-Deutschland geweiht werden. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Feier mit Veteranen des Zweiten Weltkriegs und ranghohen Politikern aber auf unbestimmte Zeit verschoben.

Nur wenige Tage vor der geplanten Weihe hatte Kremlchef Wladimir Putin die Anbringung eines Mosaikporträts von ihm gestoppt. Mosaik-Künstler hatten sein Porträt ebenso wie die Darstellung der Siegesparade mit Stalin bereits in einer Werkstatt hergestellt.

Der orthodoxe Pariser Erzbischof Jean Renneteau lobte die Kirchenleitung für ihre Ablehnung des Stalin-Bildes. Der Vorsteher der Erzeparchie der Gemeinden russischer Tradition in Westeuropa nannte in einem Dankschreiben an Kyrill I. das Nein zur Darstellung des Diktators eine "mutige Entscheidung".

Drittgrößte Kathedrale Russlands

Innerhalb der Kirche gibt es allerdings auch mehrere bedeutende Befürworter eines Stalin-Porträts in der Armeekathedrale. So sprach sich der Vorsitzende des kirchlichen Rates für Kunst und Architektur, Erzpriester Leonid Kalinin, für die Beibehaltung des Mosaiks mit Stalin aus. Er sei in keiner Weise ein Verteidiger Stalins, "der so viel Blut, so viele schreckliche Verbrechen" auf sich geladen habe, betonte Kalinin. Aber als historische Gestalt und Oberkommandierender müsse er dargestellt werden, gleichgültig, "ob das jemand will oder nicht", unterstrich der Erzpriester.

Putin und Kyrill I. hatten im September 2018 gemeinsam den Grundstein für die Kathedrale gelegt. Das Gotteshaus mit einer fast 100 Meter hohen goldenen Hauptkuppel soll nach offiziellen Angaben rund 6.000 Menschen Platz bieten. Es ist damit die drittgrößte Kathedrale Russlands.

Zu ihr wurde eine "Straße der Erinnerung" angelegt, die 1.418 Meter lang ist; so viele Tage dauerte von 1941 bis 1945 der "Große Vaterländische Krieg" der Sowjetunion gegen Deutschland. Auf dem Weg sollen Besucher an multimedialen Monitoren die Namen und Fotos aller 33 Millionen sowjetischen Soldaten abrufen können, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben.

Von Oliver Hinz 

 

(KNA)

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