Margot Käßmann
Margot Käßmann

23.02.2020

Käßmann blickt gelassen auf ihren Rücktritt vor zehn Jahren Kein Selbstmitleid, keine Rechtfertigungen

"Ich stehe zu meinem Fehler": Margot Käßmann, die am Montag vor zehn Jahren vom Amt der Ratsvorsitzenden der EKD zurückgetreten ist, blickt heute gelassen auf das Ende ihrer Zeit als EKD-Chefin zurück.

"Ich stehe zu meinem Fehler - er war öffentlich, aber gewiss nicht der einzige", schreibt sie in der "Bild am Sonntag"

Am Ende sei sie "Gott dankbar für mein Leben mit allen Höhen und eben auch Tiefen". Sie erinnere sich noch gut an die Tage im Februar 2010. "Da hatte ich Magenschmerzen und machte mir Selbstvorwürfe: Wie konnte dir das passieren?" Mit dem Abstand eines Jahrzehnts denke sie heute: "Ja, ich habe einen schweren Fehler gemacht. Aber all die Vorwürfe, die mir zu machen sind, berechtigterweise, habe ich mir selbst auch gemacht und schnell und klar die Konsequenzen gezogen."

Natürlich habe sie den Anlass bereut, ergänzte die Theologin: "Es ist absolut inakzeptabel, nach Alkoholkonsum Auto zu fahren! Wie oft habe ich das meinen Kindern eingebläut." Bis heute werde ihr das in fast jedem Text über ihre Person angelastet. "Das allerdings nervt manchmal ebenso wie die Frage: Warum haben Sie denn kein Taxi genommen? Die habe ich mir tatsächlich auch schon gestellt."

Kein Selbstmitleid, keine Rechtfertigungen

Wer einen Fehler gemacht habe und sich dem stelle, brauche die Analyse der anderen nicht, so Käßmann weiter: "Er oder sie weiß: Wenn es öffentlich wird, muss ich mit dem Spott und der Häme der anderen leben. Davon gab es viel für mich, das ist verständlich." Menschen neigten dazu, über die Fehler der anderen zu lästern, denn dann stünde sie selbst besser da, erklärte die 61-Jährige: "Auf jeden Fall habe ich gelernt: Selbstmitleid, Rechtfertigungen, das kommt nicht gut an. Zum Glück habe ich damals nicht in diese Schublade gegriffen."

2009 war Margot Käßmann als erste und bisher einzige Frau an die Spitze der EKD gewählt worden. Nach knapp vier Monaten Amtszeit wurde eine Autofahrt in Hannover unter Alkoholeinfluss bekannt, bei der sie eine rote Ampel überfuhr. Daraufhin trat sie am 24. Februar 2010 von allen Ämtern zurück.

(KNA)

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