"Pfarrer-Casting" für Mallorcas deutschsprachige Protestanten
"Pfarrer-Casting" für Mallorcas deutschsprachige Protestanten

18.01.2020

Pfarrerin erklärt, was hinter dem Pfarrer-Casting auf Mallorca steckt "Gemeindeauswahl - gute Basis für Gemeindeaufbau"

"Neue Staffel im Pfarrer-Casting auf Mallorca" betitelt die Mallorca-Zeitung die Suche nach einem neuen Pfarrer oder einem Pfarr-Ehepaar. Dahinter stehe ein einfaches Prinzip, sagt die Pfarrerin Heike Stijohann. Die Gemeinde treffe die Auswahl.

DOMRADIO.DE: Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?

Pfarrerin Heike Stijohann (Deutschsprachige evangelische Gemeinde auf den Balearen): Das ist gar nicht nur meine Idee. Die Presse hat diese Parallele mit dem Casting gezogen. Es ist bei uns in der Regel tatsächlich so, dass Pfarrstellen nicht einfach nur besetzt werden, sondern dass die Gemeinden an der Auswahl der Pfarrer beteiligt werden.

Die Pfarrstellen werden in Deutschland ausgeschrieben. Die EKD führt Bewerbungsgespräche. Die kennt die Situation vor Ort und filtert dann Bewerber heraus, die besonders für den Einsatzort geeignet sind. Das ist weltweit so.

Aber dann kommen die Bewerber in die Einsatzorte - also hier, nach Mallorca und auch nach Ibiza in diesem Fall. Die Gemeinde wird dann daran beteiligt, indem sie sozusagen aus den letzten Bewerbern schauen kann, wer am Besten passt.

DOMRADIO.DE: Gucken wir nochmal auf die Details. Sie sagen, man muss sowieso bestimmte Fähigkeiten mitbringen. Was ist das zum Beispiel?

Stijohann: Der- oder diejenige sollte belastbar sein, was weite Wege angeht, was Herausforderungen in der Seelsorge angeht. Es entstehen hier durchaus auch belastende Situationen mit Touristen, die einen Unfall haben und die man als Seelsorger dann im Krankenhaus besucht.

Ein weiterer Punkt ist, dass der- oder diejenige eine moderne Sprache sprechen sollte. Es gibt nicht nur sehr viele junge Menschen hier, wir haben auch fast 100 Trauungen im Jahr.

DOMRADIO.DE: Jetzt gucken wir mal auf das Casting selbst. Was sind da die Kriterien? Was müssen die Kandidaten da alles tun?

Stijohann: Die Kandidaten werden sich in erster Linie einmal vorstellen. Das finde ich ganz wichtig. Denn jeder Mensch hat seine eigenen Gaben und Fähigkeiten, und das haben natürlich auch wir Pfarrer. Das Andere ist, dass dann Gottesdienste gefeiert werden und im Anschluss die Menschen, die in den Gottesdiensten waren, auch Fragen stellen und Rückmeldungen geben können. Das ist das Zweite. Wir besuchen mit den Bewerbern auch eine Seniorenresidenz und auch da gibt es die Möglichkeit Fragen zu stellen. So haben viele Menschen einfach die Gelegenheit, die Pfarrer kennenzulernen.

DOMRADIO.DE: Wer jetzt bei Pfarrer-Casting an so etwas wie "Halligalli" und "Dschungelprüfungen" denkt, der liegt ziemlich daneben.

Stijohann: Nein, der liegt daneben. Man verbindet mit diesem Wort natürlich auch die vielen TV-Sendungen, in denen Menschen gecastet werden. So ist es nicht. Ich finde, es ist einfach eine ganz tolle Mischung aus: Da sucht jemand, der Ahnung hat, jemanden aus, der gut passt. Und von der anderen Seite werden dann aber die Menschen, für die derjenige Pfarrer oder Pfarrerin sein wird, mitbeteiligt. Das finde ich einfach eine schöne Mischung. Das ist eine Möglichkeit der Identifikation, der Annahme, der Teilhabe und das gibt eine gute Basis im Gemeindeaufbau.

DOMRADIO.DE: Arbeiten, wo andere Urlaub machen. Das klingt erstmal wie ein Traumjob. Sind Sie da nicht in Bewerbungen ertrunken?

Stijohann: Ich weiß gar nicht, wer sich und wie viele Menschen sich alles beworben haben. Insofern sind wir da ein bisschen zurückhaltend.

DOMRADIO.DE: Und was ist mit Ihnen selbst? Ab Sommer sind Sie dann nicht mehr auf den Inseln tätig? Sind Sie da auch ein wenig traurig?

Stijohann: Ja, natürlich. Wir sind im Ausland in der Regel für sechs Jahre in die Pfarrstellen entsandt. Ich habe ein weinendes und ein lachendes Auge. Wir sind traurig. Wir haben diese Arbeit hier geliebt. Wir sind unheimlich gerne hier gewesen. Meine Familie, mein Mann und ich - wir waren aber auch in Deutschland vermisst. Es gibt eben auch Menschen, die sich nach den sechs Jahren freuen, dass wir wiederkommen. Und wir freuen uns auch.

Das Interview führte Hilde Regeniter.

(DR)

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