Landesbischof Carsten Rentzing
Carsten Rentzing

15.11.2019

Ex-Bischof Rentzing distanziert sich von Vergangenheit "Rufmord und Verleumdung"

Der zurückgetretene sächsische Landesbischof Carsten Rentzing hat sich von früheren Texten distanziert, aber auch einen respektlosen Umgang mit seiner Person beklagt. Zuvor war Rentzing aus dem Amt verabschiedet worden.

Zu als antidemokratisch eingeschätzten Schriften von vor mehr als 25 Jahren sagte er am Freitag in Dresden nach seiner offiziellen Verabschiedung aus dem Amt: "Jeder nationale Geist, der sich selbst erhebt, der andere abwertet, widerspricht dem Geiste meines Herrn Jesus Christus". Er habe über die Texte aus seiner Studentenzeit nie erzählt, weil er das Alte als vergangen angesehen habe.

Es sei so der Eindruck entstanden, er habe Weiteres verschweigen wollen. Schon lange sei man auf der "Suche nach einem Angelhaken" in seinem Leben gewesen. "Man hat gesucht und schließlich hat man gefunden", sagte Rentzing. Zugleich räumte er ein, dass seine damaligen, schriftlich dargelegten Gedanken antidemokratisch waren.

"Rufmord und Verleumdung"

Er habe aber nicht zerstören, sondern verbessern wollen. Seine eigene Tochter zitierte er mit den Worten, dass es "Rufmord und Verleumdung" gegen ihn gegeben habe. Er habe die Rücktritts-Entscheidung allein getroffen und sei von niemandem gezwungen worden. Er habe seiner Kirche weitere Diskussionen um seine Person ersparen wollen.

Zuvor war Rentzing in einem Gottesdienst aus dem Amt verabschiedet worden. In einer Zeremonie gab er die Bischofskette zurück und wurde von seinen Amtspflichten entbunden. An der Entpflichtung nahmen Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landtagspräsident Matthias Rößler (beide CDU) teil. Auch Rentzings Familie war beim Gottesdienst in der Martin-Luther-Kirche dabei.

Die Entpflichtung übernahm der hannoverische Landesbischof Ralf Meister. In seiner Predigt rief er zu Vergebung und Versöhnung auf. Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Ralf Meister, sprach im Gottesdienst an diesem Freitag in Dresden zu Beginn der Herbsttagung der sächsischen Landessynode.

Vergebung und Versöhnung meine nicht, "die Wiederherstellung des Alten", sondern dass etwas Neues entsteht, "was vor dem Konflikt nicht zu denken war", sagte Meister in Anspielung auf die Debatte um frühere rechtskonservative Äußerungen von Rentzing. Dafür brauche es Arbeit, guten Willen und Geduld. Christlicher Glaube entspringe aus der Versöhnung Gottes mit den Menschen. Es gelte, die Wahrheit zu suchen, nicht den Verdacht zu pflegen.

Rentzing will öffentliche Erklärung abgeben

Der 52-jährige Rentzing hatte sein Bischofsamt am 11. Oktober zur Verfügung gestellt. Hintergrund sind von ihm als Student verfasste Texte, die das sächsische Landeskirchenamt als "elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich" einstufte.

Die Synode der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens wollte im Anschluss ihre viertägigen Beratungen in der Dresdner Dreikönigskirche aufnehmen.

Die Wahl einer neuen sächsischen evangelischen Bischöfin oder eines neuen Bischofs ist auf einer Sondersynode am 29. Februar und 1. März in Dresden geplant. Rentzing war 2015 zum Landesbischof gewählt worden. Ob er in der Landeskirche eine andere Aufgabe übernimmt, ist noch offen.

(epd)

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