Synode der evangelischen Kirche in Dresden
Synode der evangelischen Kirche in Dresden

14.11.2019

Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland beendet Im Zentrum stand das Thema Missbrauch

Eigentlich sollte es auf der diesjährigen Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland vor allem um Gerechtigkeit und Frieden gehen. Doch dann rückte ein anderes Thema auf dem Kirchenparlament in den Vordergrund.

Es war das zentrale Thema der diesjährigen Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD): der sexuelle Missbrauch an Kindern und Jugendlichen durch Kirchenmitarbeiter. Was dies konkret bedeuten konnte, erfuhren die Kirchenparlamentarier aus erster Hand, als erstmals ein Missbrauchsopfer, die Journalistin Kerstin Claus, auf einer EKD-Synode darüber sprach, was ihr geschehen war.

Unter dem Eindruck dieser Erfahrungen riefen die Synodalen am Mittwoch zum Abschluss der Synode die 20 Landeskirchen in Deutschland auf, den Opfern vergleichbare Leistungen anzubieten. "Die Würdigung der Betroffenen erfordert individuelle immaterielle Hilfen und materielle Anerkennungs- und Unterstützungsleistungen", heißt es in ihrem Beschluss.

In den Landeskirchen eingerichtete, von Weisungen unabhängige Kommissionen sollten für die einzelnen Betroffenen individuelle Regelungen treffen.

Entschädigungszahlungen in bis zu sechsstelliger Höhe abgelehnt

"Es zeigt sich allerdings, dass die Vorgehensweise in den einzelnen Unabhängigen Kommissionen nicht immer zu vergleichbaren Lösungen führt", heißt es. "Die Synode bittet deshalb die für die Unabhängigen Kommissionen verantwortlichen Landeskirchen, miteinander zu erreichen, dass materielle Leistungen anhand einheitlicher Kriterien, in nachvollziehbaren Verfahren und vergleichbarer Höhe geleistet werden." Dazu solle es regionale Zusammenschlüsse unabhängiger Kommissionen geben.

Entschädigungszahlungen in bis zu sechsstelliger Höhe, wie sie in der katholischen Kirche diskutiert werden, lehnt die EKD allerdings weiter ab. Nikolaus Blum vom EKD-Beauftragtenrat betonte, dass solche Summen "zwangsläufig zu Auseinandersetzungen über die Beweisbarkeit von Sachverhalten" führen könnten, "also genau zu den Verfahren, die die Betroffenen über lange Zeit stark belasten und retraumatisieren würden."

Entsprechende Äußerungen des EKD-Ratsvorsitzenden, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, im ZDF hatten im Internet zu Kritik von Missbrauchsopfern geführt. Ein Sprecher der EKD sprach anschließend von einer "verkürzten Darstellung" des Senders, die mittlerweile korrigiert worden sei.

Flüchtlingsrettung und Friedensarbeit

Das eigentliche Schwerpunktthema der Synode war wegen der Missbrauchsproblematik etwas in den Hintergrund geraten. Unter dem Titel "Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens" verabschiedete das Kirchenparlament am Ende dennoch eine sogenannte Kundgebung, die höchste Form von Stellungnahmen der EKD-Synode.

Darin zeigte sie sich besorgt über die anhaltende Lagerung von Atomwaffen auf deutschem Boden: Auf einem Fliegerhorst der USA im rheinland-pfälzischen Büchel sind im Rahmen einer "Nuklearen Teilhabe" weiter Atomwaffen gelagert. Sie sollen im Kriegsfall von der Bundeswehr genutzt werden können.

Darüber hinaus forderten die 120 Kirchenparlamentarier aus allen 20 evangelischen Landeskirchen in der "Kundgebung", künftig sollten mindestens zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Entwicklungspolitik, für die Bekämpfung von Gewaltursachen, für Krisenprävention, gewaltfreie Konfliktbearbeitung und zivile Aufbauarbeiten in Krisenregionen ausgegeben werden. "Wir fordern die Bundesregierung auf, die im Koalitionsvertrag gesetzten Klimaschutzziele endlich entschieden umzusetzen", heißt es zudem.

Unterstützung erhielt der Rat der EKD auch für ein bevorzugtes Projekt seines Vorsitzenden: Die Synode begrüßte die Gründung des Bündnisses "United 4 Rescue - Gemeinsam Retten", das der Organisation Sea-Watch ein Rettungsschiff im Mittelmeer finanzieren will, und forderte Landeskirchen, Kirchenkreisen und Gemeinden zum Beitritt und zur finanziellen Unterstützung auf.

Bereits am Sonntag hatte Bedford-Strohm angekündigt, am 3. Dezember mit der Spendensammlung für ein Rettungsschiff beginnen zu wollen.

Benjamin Lassiwe
(KNA)

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