Denkmal von Martin Luther
Denkmal von Martin Luther in Hannover
Präses Manfred Rekowski
Manfred Rekowski

31.10.2019

Präses Rekowski sieht Reformationstag nicht als Feier der Spaltung "Wir sind eine Miteinander-Kirche"

Gemeinsam in der Verschiedenheit vereint: So stellt Manfred Rekowski sich die Zukunft der beiden großen Kirchen vor. Im Interview erklärt er, warum auch der Reformationstag durchaus eine Perspektive für eine gemeinsame Zukunft bieten kann.

DOMRADIO.DE: Vor zwei Jahren haben wir alle ein bisschen gefeiert. Es war ausnahmsweise ein bundesweiter Feiertag aufgrund des 500. Jubiläums der Reformation. Fänden Sie es besser, wenn es für alle ein Feiertag ist?

Manfred Rekowski (Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland): Wir würden ja alle mit einem zusätzlichen Feiertag problemlos fertig. Wir fanden das damals sehr wichtig, dass 500 Jahre Reformation auch bundesweit gefeiert werden kann. Deswegen gab es damals diesen einmalig bundesweiten Feiertag. In verschiedenen Bundesländern und Landeskirchen ist die Frage diskutiert worden und ja zum Teil auch entschieden worden, ob der Reformationstag immer ein Feiertag sein soll.

Wir haben hier in Nordrhein-Westfalen immer betont, dass es wichtig ist die Reformation zu feiern. Ich werde das heute Abend auch in einem Gottesdienst tun. Das hängt nicht daran, ob das ein gesetzlicher Feiertag ist oder nicht. Da wären nochmal andere Faktoren für so eine Frage maßgeblich.

DOMRADIO.DE: Auf der anderen Seite kann man natürlich sagen, wir sind alle Christen. Die Basis ist an sich schon ganz nah in der Zusammenarbeit – es gibt viele gemischte Ehen und ökumenische Aktionen. Ist es da nicht fast eine Provokation, wenn man die Abspaltung feiert?

Rekowski: Nein. Wir feiern ja keinenfalls die Abspaltung, sondern die Erinnerung daran, was die Motive und die Intention von Martin Luther und den Reformatoren warem. Das war eben die Wiederentdeckung der Bibel und die Entdeckung, dass wir einen gnädigen Gott haben und wir uns bei Gott nichts erarbeiten müssen sowie nichts verdienen können. Das hat unglaublich viel in Bewegung gesetzt – nicht nur innerkirchlich, sondern auch in der Gesellschaft und in der Kultur.

Insofern ist das immer noch ein Grund zu feiern, auch wenn ich mich natürlich immer sehr über viel ökumenische Bewegung freue. Ich habe gerade vor einigen Tagen noch gehört, wie vielen Stellen im Bereich unserer Kirche, etwa in Gemeindezentren, ökumenisch genutzt werden. Da ist viel, viel Bewegung da. Den inhaltlichen Kern der Reformation, wir haben einen gnädigen Gott und orientieren uns an der Bibel, an Christus allein. Das verbindet uns ja inzwischen auch sehr mit katholischen Christen.

DOMRADIO.DE: Sie haben Martin Luther erwähnt – den Reformator, den Augustinermönch, den Theologieprofessor, den Mann, der die Bibel übersetzt hat. Welche Rolle spielt er am heutigen Tag? Er hat schon auch angeeckt, das Judentum neben dem Christentum hatte er nicht geduldet.

Rekowski: Das ist völlig richtig. Martin Luther war einerseits ein großer Geist, andererseits war er auch eine sehr schwierige Persönlichkeit. Sie haben den Punkt des Antijudaismus angesprochen. Bei uns geht es in der evangelischen Kirche wirklich nicht um einen Personenkult von Luther. Es macht ja auch noch ein bisschen demütig, dass wir auch Menschen, die eigentlich viel angestoßen und in Bewegung gesetzt haben, eben auch fehlbare Menschen sind. Deswegen – und das spitze ich jetzt zu – sind wir Lichtjahre von einem Personenkult Luthers entfernt.

DOMRADIO.DE: Der Papst ist bekanntermaßen um die Einheit der Christen bemüht. Es hakt bei Protestanten und Katholiken an den üblichen Punkten. Aber sehen Sie irgendwann eine Wiedervereinigung der katholischen und evangelischen Kirche in mittelfristiger Zukunft?

Rekowski: Ich würde immer den Blick lenken wollen darauf, dass es zunächst mal um so etwas gehen muss wie versöhnte Verschiedenheit. Das ist ja nicht nur ein schöner Begriff, sondern der drückt einfach aus, dass wir eine unterschiedliche Geschichte haben. Wir haben unterschiedliche Traditionen und einen unterschiedlichen Frömmigkeitsstil. Aber bei aller Verschiedenheit sind wir nicht eine Gegeneinander-Kirche, sondern eine Miteinander-Kirche.

Ich traue dem Heiligen Geist – auch viel ökumenische Bewegung. Da bin ich eigentlich ziemlich sicher, dass wir und spätere Generationen noch viel zu erwarten haben. Wir haben noch nicht den Endpunkt erreicht. Wo es aber enden wird, weiß ich auch nicht. Ich finde schon, dass man mit einem entspannten Miteinander, einer versöhnten Vielfalt und versöhnten Verschiedenheit eine Menge erreichen könnte.

Das Interview führte Tobias Fricke.

(DR)

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