Haben sich überworfen: Kyrill I. (l.) und Barholomaios I.
Haben sich überworfen: Kyrill I. (l.) und Barholomaios I.

17.10.2019

Moskauer Patriarchat berät Schritte gegen "Kirche von Griechenland" Reißt die Kirchengemeinschaft noch weiter?

Im Streit um die Anerkennung der orthodoxen Kirche der Ukraine hatte der Moskauer Patriarch 2018 bereits die Einheit mit Konstantinopel aufgekündigt. Dies könnte nun auch der eigenständigen orthodoxen Kirche von Griechenland drohen. 

Im Streit um die Ukraine zwischen den beiden Machtzentren der orthodoxen Kirche, Konstantinopel (Istanbul) und Moskau, droht eine weitere Eskalation. Das Leitungsgremium der russisch-orthodoxen Kirche kam am Donnerstagvormittag in Moskau zu Beratungen über mögliche Schritte gegen die eigenständige, griechisch-orthodoxe Kirche von Griechenland zusammen, die vergangenen Samstag Grünes Licht für die Anerkennung der neuen orthodoxen Kirche der Ukraine gegeben hatte.

Der Moskauer Patriarch Kyrill I. warnte zu Beginn der Sondersitzung des Heiligen Synods laut russischen Nachrichtenagenturen, die Anerkennung der "schismatischen Gruppe in der Ukraine" durch andere Landeskirchen könne die "orthodoxe Einheit zerstören". Zuvor hatte der Außenamtschef des Moskauer Patriarchats, Metropolit Hilarion, den Athener Beschluss der Bischöfe in einem Interview als "Ausweitung des Schismas" verurteilt.

Weiteres Schisma?

Die russisch-orthodoxe Kirche sieht im südlichen Nachbarland die ihr unterstehende ukrainisch-orthodoxe Kirche bedroht. Die mit dieser konkurrierende, im Dezember gegründete eigenständige (autokephale) Kirche der Ukraine brandmarkt sie als "schismatisch". Beobachter schließen nicht aus, dass das Moskauer Patriarchat seine kirchliche Gemeinschaft mit der Kirche von Griechenland abbricht. So könnten andere orthodoxe Landeskirchen davon abgehalten werden, ebenfalls die neue orthodoxe Kirche der Ukraine anzuerkennen, heißt es.

Die russische Kirche hatte im Oktober 2018 bereits die Unterstützung des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel für die Gründung der eigenständigen Kirche der Ukraine scharf verurteilt. Sie kündigte die Kirchengemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat auf und verbot ihren Mitgliedern somit, in dessen Kirchen zur Kommunion zu gehen oder zu beichten.

Der Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios I. hatte die Entscheidung der Kirche von Griechenland als "historisch" gewürdigt.

Die formale Anerkennung der ukrainischen durch die Kirche von Griechenland steht weiter aus. Griechische Medien spekulierten, dass die Zeremonie für diesen Samstag geplant sei. Damit würde erstmals eine Landeskirche nach dem Vorbild des Ökumenischen Patriarchats die eucharistische Gemeinschaft mit der eigenständigen orthodoxen Kirche der Ukraine aufnehmen.

(KNA)

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