Gottesdienst nach Anschlag in Halle
Gottesdienst nach Anschlag in Halle
Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Anschlags in Halle
Ökumenischer Gottesdienst für die Opfer des Anschlags in Halle
Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, zündet nach dem Gottesdienst in der Kirche eine Kerze an
Der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Friedrich Kramer, zündet nach dem Gottesdienst in der Kirche eine Kerze an
Bischof Gerhard Feige vom Bistum Magdeburg
Bischof Gerhard Feige vom Bistum Magdeburg
Auch auf dem Markplatz, wo der Gottesdienst übertragen wurde, erinnerten die Menschen an das Attentat
Auch auf dem Markplatz, wo der Gottesdienst übertragen wurde, erinnerten die Menschen an das Attentat

15.10.2019

Hunderte beim Gedenkgottesdienst für die Opfer des Anschlags Wunder von Halle - Wunde von Halle

Beim Gedenkgottesdienst in Halle standen die zwei Todesopfer und Verletzten des Terroranschlags ganz im Mittelpunkt. Bischof Kramer verurteilte den Täter scharf und forderte gemeinsames Einstehen gegen Judenhass.

"Jana L. liebte Schlager und sammelte Autogramme ihrer Stars. Am vergangenen Mittwoch fragte sie: 'Was machen Sie da?'und wurde kaltblütig erschossen. Ich zünde ein Kerze an für Jana, die 40 Jahre alt wurde. Mitten in der Dunkelheit ein Licht, mitten in der Fassungslosigkeit ein Zeichen der Hoffnung."

Gedenken mit Bischof Feige

Der katholische Bischof Gerhard Feige nimmt in der übervollen Hallenser Marktkirche eine brennende Kerze und steckt sie auf den Leuchter. Über 800 Menschen haben sich zum Gottesdienst versammelt, um der Opfer des Terroranschlags auf die Synagoge in Halle zu gedenken. Weitere 1.500 verfolgen das Ganze via Live-Übertragung auf dem Marktplatz. Unzählige Blumen und Kerzen haben sie niedergelegt.

Nach der Kerze für Jana L. folgt eine Kerze für Kevin S. Er liebte Fußball, war engagiertes Mitglied des Drittligisten Hallescher FC, machte eine Ausbildung zum Maler und wollte an jenem Mittwoch einfach nur seinen Mittagsimbiss im Döner um die Ecke genießen, als der Attentäter auch den 20-Jährigen kaltblütig erschoss. Frustriert, dass ihm zuvor das gewaltsame Eindringen in die mit 50 Gläubigen besetzte Synagoge nicht gelungen war. Auf seiner Flucht vor der Polizei verletzte er im 15 Kilometer entfernten Landsberg schließlich noch ein Ehepaar mit Schüssen schwer. Auch für sie brennen Kerzen in der Kirche.

Diese Menschen sind es, die am Montagabend im Mittelpunkt stehen.

Nach dem Terrorakt hatte sich der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die jüdische Gemeinde gerichtet, schließlich hatte ihr der Anschlag gegolten. Nach Einschätzung der Ermittler wollte der 27-jährige, inzwischen geständige Täter ein Blutbad unter den Gläubigen anrichten, die sich zum höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag) versammelt hatten. Das Entsetzen darüber war so groß wie die Erleichterung, dass die Tür der Synagoge den Schüssen des Attentäters standhielt und kein Mitglied der jüdischen Gemeinde verletzt wurde.

Wunder und Wunde von Halle

"Die Tür hat gehalten, das ist das Wunder von Halle. Aber zwei Menschen mussten sterben, das ist die Wunde von Halle, die nicht leicht verheilen wird", sagte der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer in seiner Predigt. Scharf ging er mit dem Attentäter ins Gericht: Er sei "völlig verblendet, völlig asozial auf Abwegen" gewesen. "Ging los, um Juden abzuschlachten. Mit einer Kamera auf dem Kopf, die alles live ins Internet streamte, als sei es ein Computerspiel." Woher kommt solch ein Hass, fragt der Bischof.

Die Tat habe die Stadt verändert. "Wir alle spüren, es hätte jeden von uns treffen können", so Kramer. Und er betont: "Dass es ein Einzeltäter war, stimmt nicht, denn dahinter stehen nationale und internationale Netzwerke, die sich gegenseitig im Hass befeuern." Zugleich räumte er ein, dass auch die Kirchen über Jahrhunderte "die Türen aufgemacht haben für Judenhass". Doch inzwischen hätten sie den Antisemitismus "vor die Tür gesetzt" und stünden an der Seite der Juden. Ebenso müsse es die gesamte Gesellschaft tun: "Das ist ein schwerer und langer Weg, und wir brauchen einander, um ihn zu gehen."

Parallel zum Gottesdienst feierte die jüdische Gemeinde in ihrer Synagoge das Laubhüttenfest. Ihr Vorsteher, Max Privorozki, kam dennoch kurz in die Kirche und dankte für die große Solidarität, die seiner Gemeinde zuteil geworden sei: "Wir haben nach den schrecklichen Ereignissen wirklich verstanden, wie viele Freunde wir in Halle und in ganz Deutschland haben." In aller Deutlichkeit sagte Bischof Kramer: "Es gibt nichts Feigeres und Unmännlicheres, als eine Waffe zu nehmen und auf betende Menschen zu schießen."

Viele Erklärungen für das Geschehen und Konsequenzen daraus würden nun diskutiert, so der Bischof. "Aber sie helfen uns nicht weiter im Umgang mit dem Schmerz der Trauernden." Er appellierte an alle Anwesenden: "Gehen Sie zu den Angehörigen. Klopfen Sie an ihre Türe und hören Sie einfach zu. Die Seelen müssen in all dem Schmerz nachkommen."

Karin Wollschläger
(KNA)

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