Erinnerungen an die DDR-Zeit
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Magdeburger Dom
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02.03.2019

Ökumenische Arbeit in Sachsen-Anhalt feiert Jubiläum Zu Honeckers Zeiten begonnen

Schon zu Zeiten des DDR-Regimes hat die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt ökumenische Arbeit geleistet. An diesem Samstag wird im Bistum Magdeburg das 40-jährige Bestehen begangen. Und es gibt immer noch viel zu tun.

DOMRADIO.DE: 40 Jahre Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen Anhalt (ACK) – das wird am Samstag im Bistum Magdeburg groß gefeiert. Das ist ein großes Gebiet. Magdeburg, Naumburg, Dessau sind alles Städte, die auf dem Gebiet der ehemaligen DDR liegen. Schon zu DDR-Zeiten hat es den Arbeitskreis gegeben. Welches sind denn die größten Veränderungen, die sich seit der DDR für die Ökumene ergeben haben?

Ralf Knauer (Ökumene-Beauftragter des Bistums Magdeburg): Die erste Veränderung war natürlich die Gesellschaft insgesamt. In der DDR-Zeit haben wir in einer Diktatur gelebt, die eine Ideologie hatte, die gott- und menschenfeindlich war, so will ich es mal bezeichnen. Und jetzt leben wir in einer freien Gesellschaft, die demokratisch aufgebaut ist und die eine Vielzahl von Angeboten und Ideen bereithält. Und das hat sich natürlich auch in der Ausrichtung der ökumenischen Arbeit deutlich gemacht und auch in der Art und Weise, wie ökumenisch gearbeitet und gelebt wird.

DOMRADIO.DE: Da hat man ja den Eindruck, wenn man sieht, wofür Sie sich engagieren, dass Sie sich schon früh in die Gestaltung der Gesellschaft eingemischt haben. Sie haben sich für Gerechtigkeit, für Bewahrung der Schöpfung eingesetzt. Warum ist das so wichtig?

Knauer: Das hängt ja mit unserem Glauben zusammen. Wir leben im Glauben an den dreieinigen Gott, an den Gott der Menschen, den Schöpfer dieser Welt. Und in seinem Auftrag sind wir unterwegs. Und das heißt natürlich, die Schöpfung in den Blick zu nehmen und all das, was der Bewahrung der Schöpfung entgegensteht, zu verändern, damit die Schöpfung behalten und bewahrt wird. Darüber hinaus geht es um den Menschen als Gottes Ebenbild, der eine besondere Würde hat. Es geht um jeden Menschen, um gerechte Lebensverhältnisse, dass sich der Mensch wirklich entfalten und leben und seinem Auftrag gerecht werden kann. Und deswegen ist das natürlich ein christliches Anliegen, das in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen von allen Mitgliedern auch vertreten und gefördert wird.

DOMRADIO.DE: Wenn wir bei Bewahrung der Schöpfung bleiben, gibt es da auch konkrete gemeinsame Projekte?

Knauer: Die gibt es. Zum Beispiel begehen wir seit dem Jahr 2010 den sogenannten "Ökumenischen Tag der Schöpfung", der immer am ersten Freitag im September stattfindet. Das ist ein ökumenisches Projekt, das in ganz Deutschland durchgeführt wird. Da gibt es verschiedene Aktionen und gemeinsame Gottesdienste. Das ist ein ganz großes Projekt, wo auf den Schöpfer und die Schöpfung aufmerksam gemacht wird.

DOMRADIO.DE: Eine Sache hat es zu DDR-Zeiten auf jeden Fall nicht gegeben: Sie sind 2017 als ökumenische Pilgergruppe von Sachsen-Anhalt zum Papst gewandert. Was war das denn für ein gemeinsames Erlebnis?

Knauer: Sie meinen die Aktion "Mit Luther zum Papst", die hier in Sachsen-Anhalt zwischen den großen Kirchen, evangelischen Kirchen und katholischen Kirchen, stattgefunden hat. Das war sozusagen eine Jugendaktion, die im Zuge des Reformationsgedenkens deutlich machen sollte, dass katholische und evangelische Christen das Ereignis Reformation gemeinsam begehen und bedenken können. Und das hat sich unter anderem in diesem einem großen Projekt ereignet.

DOMRADIO.DE: Was hatte das für eine Wirkung? Hat das die Beziehung nochmal enger gemacht?

Knauer: Auf alle Fälle. Ich weiß von Menschen, die dabei waren, dass dieses gemeinsame christliche Tun, zum Beispiel im Gebet, in Gottesdiensten, einerseits die große Verbundenheit und Nähe nochmal deutlich unterstrichen hat, andererseits aber auch den Wunsch in den Blick gebracht hat, weitere Schritte auf eine größere Einheit der Kirche hinzugehen.

DOMRADIO.DE: Wenn ich Sie jetzt so höre, dann würde ich sagen: Nach 40 Jahren Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Sachsen-Anhalt sind Sie optimistisch gestimmt. Sie haben viel erreicht, aber es ist noch Luft nach oben.

Knauer: Ja, natürlich. Wenn wir allein an die "Charta Oecumenica" denken, die in unserer ACK natürlich Geltung hat und nach der wir uns richten, gibt es da viele Formulierungen, viele Aussagen, die klar machen, das wir noch ganz viel tun müssen. Zum Beispiel bei der Selbstverpflichtung: Wir verpflichten uns auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens, gemeinsam zu handeln, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind und nicht Gründe des Glaubens oder größere Zweckmäßigkeit entgegenstehen. Dieses gemeinsame Tun – also nicht zu begründen, warum ich etwas ökumenisch tue, sondern zu begründen, warum ich es nicht tue – das ist noch eine große Herausforderung.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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