Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes
Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes

13.10.2018

Lutherischer Weltbund hofft auf neue Dynamik in der Ökumene "Gewaltige Potenziale"

Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, setzt für die kommenden Jahre auf eine "neue Dynamik im ökumenischen Gespräch". Der Dialog habe "gewaltiges Potenzial". Junge ist Träger des Augsburger Friedenspreises.

Er sehe "starke Impulse, die den vor uns liegenden Dialog entscheidend vorantreiben können", sagte der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, Martin Junge, am Freitagabend in der Kirche St. Anna in Augsburg.

Erklärung zur Rechtfertigungslehre

Große Hoffnungen setze er dabei in ein Anfang kommenden Jahres geplantes Gespräch zwischen der katholischen, der lutherischen, der methodistischen, der anglikanischen und der reformierten Kirche. Dieser Dialog habe "gewaltige Potenziale", sagte Junge, der im Jahr 2017 den Ausgburger Friedenspreis verliehen bekam.

 

 

So hätten alle fünf Kirchengemeinschaften die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre im Jahr 1999 unterschrieben. Nach einem 30 Jahre dauernden Dialog hatten Lutheraner und Katholiken in der Erklärung ihre früheren gegenseitigen Lehrverurteilungen aufgehoben.

Streit hatte es bis zu der Erklärung darüber gegeben, ob der Mensch sein Heil allein aus göttlicher Gnade gewinnt oder auch aufgrund eigener Verdienste oder der Vermittlung der Kirche. Die gemeinsame Erklärung gilt als zentrales Dokument der ökumenischen Bewegung. Dies könne Ausgangspunkt dafür sein, "um eine gemeinsame theologische Grundlage im Verständnis von Kirche und Amt zu erreichen", erklärte Junge. Diese sei entscheidend für die "gemeinsame Teilnahme am Tisch des Herrn".

"Heilige Ungeduld" zum Anstoß nehmen

Gerade beim gemeinsamen Abendmahl werde die Einheit der Kirche "am tiefsten und unmittelbarsten erfahrbar", betonte Junge, der auch Friedenspreisträger der Stadt Augsburg ist. Er kritisierte, die Kirchen hätten sich zu lange darauf konzentriert, "den ökumenisch bewegten Menschen erklären zu wollen, warum Einheit und ein gemeinsames Abendmahl noch nicht möglich sind".

Stattdessen sollten die Kirchen die "heilige Ungeduld", die beim Thema Ökumene aus den Gemeinden komme, als Anstoß nehmen. "Torsteher oder Wegbereiter - das ist die Alternative vor der wir stehen", sagte Junge: "Ich plädiere dafür, dass wir uns als Wegbereiter verstehen wollen."

Junge sprach in Augsburg im Rahmen eines wissenschaftlichen Symposiums, dass sich dem Dialog zwischen den Religionen widmet. Anlass ist das 500. Jubiläum des Aufenthalts Martin Luthers in Augsburg, das derzeit begangen wird.

(epd)

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