Augoustinos beklagt Auszug Moskaus aus Kirchengremien

Auswirkungen auf Orthodoxie in Deutschland

Der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos, hat den möglichen Rückzug der drei russisch-orthodoxen Bischöfe in Deutschland aus dem Gremium bedauert

 (DR)

und sieht mögliche Folgen. Nach dem Beschluss des Moskauer Patriarchats vom 14. September stelle die mögliche Absage der drei Bischöfe an der nächsten OBKD-Sitzung allerdings "nicht wirklich eine Überraschung dar", erklärte Augoustinos in einer am Dienstag in Bonn veröffentlichten Stellungnahme.

Keine Einmischung in innere Angelegenheiten

Das Leitungsgremium der russisch-orthodoxen Kirche hatte aus Protest gegen die Initiative des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel zur Bildung einer eigenständigen orthodoxen Landeskirche in der Ukraine beschlossen, dass ihre Bischöfe die Mitarbeit in kirchlichen Gremien vorerst einstellen, die vom Patriarchat von Konstantinopel geleitet werden; dazu gehört auch die OBKD.

"Ich bedaure diesen Beschluss und seine Konsequenzen hier für uns in Deutschland außerordentlich, da die orthodoxe Zusammenarbeit im Rahmen der OBKD sich stets fruchtbar und harmonisch gestaltet hat", betonte Augoustinos. Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. habe in der Ukraine "von Amts wegen eingegriffen und versucht, nicht nur diese akute Frage einer kirchlichen Unabhängigkeit zu lösen, sondern auch zur Überwindung des innerkirchlichen Schismas in der Ukraine beizutragen". Dies sei "keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer anderen Kirche", so der Metropolit.

Auswirkungen auf Deutschland

Das von der russischen Kirchenleitung zugleich beschlossene Verbot der Konzelebration von Bischöfen des Moskauer Patriarchats mit Bischöfen des Ökumenischen Patriarchats hatte nach Angaben Augoustinos' bereits Auswirkungen in Deutschland. Bei der Einführung des neuen serbischen orthodoxen Bischofs in Düsseldorf am vergangenen Sonntag sei der griechisch-orthodoxe Vikarbischof Bartholomaios von Arianz gebeten worden, wegen der Anwesenheit zweier russischer Bischöfe nicht zu konzelebrieren. Der OBKD-Vorsitzende betonte, diese Situation, die er in dieser Form zum ersten Mal in fast fünf Jahrzehnten bischöflichen Dienstes erlebe, sei für ihn "schmerzhaft und verstörend".

Der Moskauer Beschluss bedeute außerdem den Rückzug des Patriarchats aus den Theologischen Dialogen auf Landes- und auf Weltebene und aus anderen entsprechenden Foren und gehe also weit über eine intendierte "Abstrafung" des Ökumenischen Patriarchats und seines Vorstehers hinaus, meinte Augoustinos weiter. In diesem Zusammenhang erinnerte er an das "legendäre Wort" des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Herbert Wehners: "Wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen!"

 

Metropolit Augoustinos  / © Cornelis Gollhardt (KNA)
Metropolit Augoustinos / © Cornelis Gollhardt ( KNA )
Quelle:
KNA