Neuer Dialog zwischen Protestanten und Vatikan in Europa

Wichtiger Ökumene-Impuls aus dem Basler Münster

Mehr Gemeinschaft wagen – das ist das Ziel des neuen Dialogs, den Katholiken und Protestanten in Europa am vergangenen Sonntag vereinbart haben. Strittige Themen gibt es genug – aber auch den Willen zur Kooperation.

Autor/in:
Volker Hasenauer
Christusfenster im Basler Münster / © Harald Oppitz (KNA)
Christusfenster im Basler Münster / © Harald Oppitz ( KNA )

Wie aus Dissonanz Harmonie werden kann, zeigt das Alphornquartett, indem es mit getragenen, sphärischen Klängen den Festgottesdienst im Basler Münster begleitet.

Dann unterzeichnen der vatikanische Ökumeneminister Kardinal Kurt Koch und Gottfried Locher, Präsident der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE), eine gemeinsame Erklärung. Sie soll in den nächsten Jahren den Weg zu einem engeren Miteinander von Katholiken und Protestanten in Europa bereiten.

Absichtserklärungen

"Wir wollen und müssen enger zusammenkommen, am besten wäre es, schon in zwei Jahren einen ersten Zwischenbericht unseres Dialogs vorzulegen", sagt Locher.

Zugleich dämpft er allzu hohe Erwartungen: "Wir haben zunächst nur eine Absichtserklärung. Was wir wirklich erreichen können, werden wir vielleicht erst in zehn oder gar in hundert Jahren sehen."

Und auch Koch ist der Meinung, solide Ergebnisse und tragfähige Verständigungen brauchten Zeit: "In der Ökumene sollten Leidenschaft und Geduld zusammenkommen."

Christen aus ganz Europa feiern

Am gestrigen Sonntag herrschte im nahe des Rheins gelegenen Münster aber vor allem Fest- und Feierstimmung. 600 Christen aus ganz Europa waren gekommen.

Sie beteten und sangen gemeinsam auf Deutsch, Englisch und Französisch. Sie hörten Fürbitten auf Finnisch und erlebten, dass das Halleluja auch gejodelt vorgetragen werden kann.

Den hohen Stellenwert des Festgottesdienstes bei der nur alle sechs Jahre organisierten Vollversammlung der GEKE beweist das Grußwort des schweizerischen Außenministers Ignazio Cassis: "Der vereinbarte Dialog ist ein wichtiger Schritt. Gerade weil die Kirchen in der Vergangenheit sehr oft sehr stark das Trennende betont haben."

Starke und geeinte Stimme der Kirche

Die Schweiz, so der Bundesrat, wolle daher gerne Vermittlerdienste anbieten. GEKE-Präsident Locher zeigte sich in seiner Predigt überzeugt, dass der Kirchendialog nicht nur in theologischen Spezialfragen gründe.

"Es braucht eine starke und geeinte Stimme der Kirchen in Europa. Für mehr Gerechtigkeit und Frieden", so Locher mit Verweis auf Migration, Unfriede in Nahost, den Syrienkrieg oder den schwelenden Ukraine-Konflikt.

Christen müssen für Frieden eintreten

Christen dürften den Frieden nicht nur passiv genießen und als selbstverständlich erachten, sondern müssten immer wieder neu dafür eintreten. Theologisch sollen die Gespräche zwischen GEKE und Vatikan ein neues Signal für ökumenischen Fortschritt setzen.

Bislang hat der Vatikan seine offiziellen Dialoge stets global mit bestimmten Konfessionsfamilien geführt, also mit dem Lutherischen Weltbund (LWB), der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, der Anglikanischen Gemeinschaft oder der Orthodoxen Kirche.

Ein Dialog mit der GEKE betritt also in zweifacher Hinsicht Neuland: Denn es handelt sich um eine regional begrenzte und zugleich konfessionell uneinheitliche Gruppe. Koch betont, er betrete dieses Neuland zuversichtlich.

Unterschiedliche Selbstverständnisse der Kirchen

Bei der Vorbereitung habe sich bereits "sehr viel Positives und Gemeinsames" herausgestellt. "Darauf wollen wir aufbauen." Zunächst gehe es um die sich unterscheidenden Selbstverständnisse der Kirchen. Dann könne auch das langfristige Ziel der Abendmahlgemeinschaft in den Blick genommen werden.

Locher sagt, ihm seien möglichst konkrete Dialogfragen wichtig. "Dabei kann ehrlich alles auf den Tisch kommen. Auch die heute unverhandelbar scheinenden Positionen. Und dann können wir uns vielleicht fünf Sachfragen heraussuchen und diese möglichst schnell bearbeiten", so der GEKE-Präsident.

Streitpunkt Frauenordination

Noch im Gottesdienst konfrontierte er Koch mit der Konfliktfrage der Frauenordination: Während in der katholischen Kirche nur Männer geweiht werden, sind Pfarrerinnen in den meisten evangelischen Kirchen selbstverständlich.

"Das ist für die evangelischen Kirchen unverhandelbar", so Locher. Koch antwortete: "Und für uns Katholiken ist die Gemeinschaft mit dem Papst unabdingbar." Einen genauen Zeitplan für die Dialoggespräche gibt es noch nicht.

Koch kündigte an, es gehe nun darum, den Kreis der Teilnehmer und die Themen-Agenda festzulegen. Locher schwebt vor, an wechselnden Standorten Europas zu tagen und nicht nur Fachtheologen, sondern auch Frauen und Männer der Basis einzubeziehen.


Im Zeichen der Ökumene sind auch Vertreter der Russisch-Orthodoxen Gemeinde eingeladen. / © Tomasetti (DR)
Im Zeichen der Ökumene sind auch Vertreter der Russisch-Orthodoxen Gemeinde eingeladen. / © Tomasetti ( DR )

Prof.in Dr. Dorothea Sattler / © Harald Oppitz (KNA)
Prof.in Dr. Dorothea Sattler / © Harald Oppitz ( KNA )
Quelle:
KNA