Margot Käßmann
Margot Käßmann

30.06.2018

Margot Käßmann wird in den Ruhestand verabschiedet Vorkämpferin für Frauen in der evangelischen Kirche

Als erste Frau hat sie das höchste Amt in der EKD erreicht, spektakulär war auch ihr Rücktritt wenige Monate später. Zuletzt Botschafterin für das Reformationsgedenkjahr, geht Margot Käßmann jetzt in den Ruhestand.

Sie gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten des deutschen Protestantismus. Bei Kirchentagen füllen ihre Fans große Hallen. Andere reagieren genervt, wenn sie Persönliches wie jetzt ihren lange angekündigten Eintritt in den Ruhestand crossmedial zelebriert. An Margot Käßmann scheiden sich die Geister. An diesem Samstag wird sie mit einem Gottesdienst in der Hannoveraner Marktkirche in den Ruhestand verabschiedet.

Vorkämpferin für Frauen in evangelischer Kirche

Die Tochter einer Krankenschwester und eines Tankstellenpächters ist zweifellos eine Vorkämpferin für die Frauen in der evangelischen Kirche. Sie war die erste Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags (1994), die erste Landesbischöfin (1999) und die erste Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Als wichtigen Anstoß zum Theologiestudium nennt Käßmann die Beschäftigung mit dem 1968 ermordeten Baptistenprediger und Bürgerrechtler Martin Luther King, von dem sie als 16-jährige Austauschschülerin in den USA erfahren hatte und der sie nach eigenem Bekunden tief geprägt hat. 1981 heiratete sie ihren Studienfreund Eckhard Käßmann, mit dem sie vier Töchter bekam und mit dem sie sich einige Jahre eine Pfarrstelle teilte.

Bischöfin und EKD-Ratsvorsitzende

Bereits 1983 wurde sie in Vancouver als Jugenddelegierte ihrer Landeskirche von Kurhessen-Waldeck als jüngstes Mitglied in den Zentralausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) gewählt, dem sie bis 2002 angehörte. Von 1991 bis 1998 war sie auch Mitglied des ÖRK-Exekutivausschusses.

Beim Weltkirchenrat knüpfte sie wertvolle internationale Kontakte, und beim späteren ÖRK-Vorsitzenden Konrad Raiser promovierte sie 1989 an der Ruhr-Universität Bochum mit einer Doktorarbeit zum Thema "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche".

Bundesweit bekannt wurde sie durch ihre Kirchentagsarbeit - sie organisierte die Treffen in Hamburg (1995), Leipzig (1997) und Stuttgart (1999). Dies erwies sich dann als Sprungbrett für das Bischofsamt in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der größten deutschen Landeskirche.

Als Bischöfin erwarb sie sich mit ihrer zugänglichen Art schnell große Popularität. Dieser konnte auch die Scheidung ihrer Ehe 2007 nichts anhaben, und bei der Kandidatur zur EKD-Ratsvorsitzenden 2009 spielte diese auch keine Rolle mehr.

Schicksalhafte Autofahrt

Zum Wendepunkt wurde nach knapp vier Monaten Amtszeit eine Autofahrt in Hannover unter Alkoholeinfluss, bei der sie eine rote Ampel überfuhr: Am 24. Februar 2010 trat Käßmann von allen Ämtern zurück, nachdem diese bekannt geworden war. Ihr Herz sage ihr, dass sie nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben könne, erklärte sie zur Begründung.

Eine Entscheidung, die ihr viel Respekt einbrachte. Nach einer Auszeit in den USA und einer kurzen Gastprofessur in Bochum berief sie der Rat der EKD zur "Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017" - diese Aufgabe endete offiziell am 15. Mai dieses Jahres.

Als Ratsvorsitzende erwies sie sich nicht immer sicher auf der großen politischen Bühne. Ihr meistzitierter Satz "Nichts ist gut in Afghanistan", gesprochen in einer Neujahrspredigt in Dresden, steht exemplarisch dafür. Kritiker warfen ihr Populismus vor, doch erhielt sie auch viel Zustimmung.

Auch auf anderen Feldern erwies sie sich als undiplomatisch, etwa als sie salopp formulierte, dass sie von Papst Benedikt XVI. "nichts" in Sachen Ökumene erwarte. Es war ihr Nachfolger Nikolaus Schneider, der den Papst 2011 nach Erfurt holte. Für die russisch-orthodoxe Kirche war ihre Wahl zur Ratsvorsitzenden sogar Anlass, die Beziehungen zur EKD zu überdenken.

Erst mal keine Termine

Nun tritt Käßmann in den vorzeitigen Ruhestand - die erfolgreiche Buchautorin dürfte die Abschläge bei der Rente locker kompensieren.

Für das nächste halbe Jahr will sie keine Termine annehmen, danach werde sie sehen, wo sie sich noch betätigen wolle. Ganz von der Bühne wird Käßmann, die von Berlin zurück nach Hannover gezogen ist und ein Haus auf Usedom hat, sicher nicht verschwinden. Die Predigt in ihrem Abschiedsgottesdienst, die sie selbst hält, wird wahrscheinlich nicht ihre letzte sein.

Norbert Zonker
(KNA)

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