Papst Franziskus beim Weltgebetstreffen für den Frieden 2016
Papst Franziskus beim Weltgebetstreffen für den Frieden 2016

21.06.2018

Papst Franziskus beim Weltkirchenrat in Genf Mehr als warme Worte?

Franziskus gilt als Freund der Ökumene, doch zuletzt dämpfte er die hochgesteckten Erwartungen. Auch bei seinem Besuch in Genf sind keine Sensationen zu erwarten. Die Einheit der Christen bleibt ein schwieriges Projekt.

Zum dritten Mal besucht ein Papst den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), kurz Weltkirchenrat. Doch während Paul VI. und Johannes Paul II. in den Jahren 1969 und 1984 die Genfer Organisation quasi im Vorbeigehen mitnahmen, widmet Franziskus seine eintägige Reise am Donnerstgag ganz den Vertretern der nichtkatholischen Kirchen.

Allerdings fragen sich Ökumene-Beobachter nach dem jüngsten Dämpfer aus dem Vatikan in Sachen gemeinsame Kommunion für gemischtkonfessionelle Ehepaare, ob die Visite mehr abwirft als warme Worte und Glückwünsche zum 70. ÖRK-Jubiläum. Im 501. Jahr nach der Reformation bleibt die angestrebte Einheit der Christen ein zähes Ringen im theologischen Unterholz. Dem 1948 in Amsterdam gegründeten Rat gehören heute 348 protestantische, anglikanische, orthodoxe und altkatholische Kirchen sowie kirchliche Gemeinschaften mit gut einer halben Milliarde Seelen an.

Die katholische Kirche ist kein Mitglied - aus ihrem Selbstverständnis heraus, selbst Weltkirche zu sein, und weil sie mit ihren 1,3 Milliarden Mitgliedern den ÖRK sprengen würde. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) entwickelte sich aber eine engere Kooperation zwischen Rom und Genf. Regelmäßig tagt eine Gemeinsame Arbeitsgruppe, und in den ÖRK-Kommissionen für Glauben und Kirchenverfassung sowie für Weltmission und Evangelisation wirken katholische Theologen als Vollmitglieder mit.

Papst galt als Freund der Ökumene

Franziskus gilt eigentlich als Förderer der Ökumene. Immer wieder hat er das Verbindende mit den nichtkatholischen Christen betont, er besuchte protestantische Gemeinden, bat die Waldenser um Vergebung für einstige Verfolgungen; historisch waren sein Treffen mit dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. auf Kuba und die Reise zum Reformationsgedenken im schwedischen Lund im Oktober 2016.

Doch in jüngster Zeit wurde er vor allem als Bremser ökumenischer Bemühungen wahrgenommen. "Wir müssen gehen und voranschreiten, doch nicht ungestüm vorpreschen, um begehrte Ziele zu erreichen, sondern gemeinsam geduldig gehen unter dem Blick Gottes", sagte er dem Vorsitzenden der deutschen Sektion des Lutherischen Weltbunds, Bischof Gerhard Ulrich Anfang Juni. Dann folgte der Brief von Glaubenspräfekt Luis Ladaria an die Deutsche Bischofskonferenz, wonach der Papst zu dem Schluss gekommen ist, dass deren Handreichung zum gemeinsamen Kommunionempfang in gemischten Ehen "nicht reif ist zur Veröffentlichung".

Beim unterschiedlichen Verständnis von Eucharistie, kirchlichem Amt und der Gestalt der Kirche sieht Franziskus noch viel theologischen Klärungsbedarf. Das dürfe die Christen aber nicht davon abhalten, sich gemeinsam für Mission und Frieden, eine gerechtere Welt und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Keine ökumenische Sensation erwartet

Auf dieser Ebene dürfte auch sein Besuch in Genf den Schwerpunkt setzen. Der Tag beginnt mit einem gemeinsamen Gebet im Ökumenischen Zentrum des ÖRK, wo der Papst predigen wird. Nach dem spirituellen Teil folgt am Nachmittag ein ökumenisches Treffen, bei dem Franziskus dann in seiner Rede konkreter benennen könnte, wie genau er sich das "geduldige Gehen" in der Zukunft vorstellt.

Nach einer Messe im Kongresszentrum fliegt Franziskus am Abend zurück nach Rom. Hinterlassen wird er nach Lage der Dinge also keine ökumenische Sensation, sondern vor allem Zeichen der Wertschätzung und Appelle zum tatkräftigen Einsatz der Christen an den Fronten dieser Welt. ÖRK-Generalsekretär Olav Fykse Tveit kündigte in einem Interview bereits an, dass es kein offizielles Schlussdokument des Treffens geben werde und auch keine Verhandlungen - "aber vielleicht eine Botschaft", was immer der norwegische Lutheraner damit meint. "Die Hauptbotschaft liegt natürlich in all den Bildern und im Ereignis selbst."

Christoph Schmidt
(KNA)

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