Hostien und Kelch auf einem Altar
Hostien und Kelch auf einem Altar
Jan Hendrik Stens
Jan Hendrik Stens

04.06.2018

Wende im Dissens um Kommunionausteilung Weltkirchliche Relevanz

Der Vatikan lehnt die von der Mehrheit der Deutschen Bischofskonferenz beschlossene pastorale Handreichung für die Kommunion nicht-katholischer Ehepartner in vorliegender Form ab. Was sind die Hintergründe der Entscheidung?

DOMRADIO.DE: Was genau lehnt denn der Vatikan an dem Entwurf der Handreichung der deutschen Bischöfe ab?

Jan Hendrik Stens (Redaktion Theologie): Ich vermute mal, dass der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Ladaria, ähnliche Mängel in dem Entwurf sieht wie der Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke, worüber letzterer mit uns im Interview sprach. Wie auch Kardinal Woelki seine Intervention immer begründet hat, sei der Glauben der Kirche davon berührt und das Thema Kommunionempfang von weltkirchlicher Relevanz.

Dann habe die Frage der Zulassung nicht-katholischer Ehepartner zur Kommunion auch Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Deswegen wollen die zuständigen vatikanischen Behörden eine Klärung auf weltkirchlicher Ebene herbeiführen.

DOMRADIO.DE: Ursprünglich hieß es doch, Papst Franziskus habe den deutschen Bischöfen den ihm zugespielten Ball zurückgegeben. Sie sollten selbst eine einmütige Lösung herbeiführen. Woher dieser plötzliche Wandel?

Stens: So hieß es nach dem gemeinsamen Gespräch von Kardinal Marx, Kardinal Woelki und weiteren Vertretern der Deutschen Bischofkonferenz Anfang Mai im Vatikan. Bei diesem Gespräch war allerdings Papst Franziskus persönlich nicht dabei. Offensichtlich wollte er sich selbst noch ein Bild machen und lud daher zwei Wochen später Kardinal Marx und Kardinal Woelki jeweils zu einem Einzelgespräch zu sich.

Ich nehme an, dass ihn da Kardinal Woelki mit seiner Position überzeugen konnte, dass es ihm nicht darum gehe, den Buhmann zu spielen, sondern hier eine einvernehmliche Lösung mit der Weltkirche herbeizuführen. Sowohl vor als auch nach den Einzelgesprächen hatte Ladaria einen Termin beim Papst und konnte vermutlich mit ihm ausführlich die Sachlage erörtern. Ich denke, dass es hier zur sprichwörtlich jesuitischen "Unterscheidung der Geister" gekommen ist.

DOMRADIO.DE: Der Brief war an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gerichtet und offensichtlich nicht zur Veröffentlichung bestimmt. Wie ist er jetzt doch in die Öffentlichkeit gelangt?

Stens: Wir haben es ja bei diesem Thema immer wieder gehabt, dass interne Informationen durchgestochen worden sind. Bislang hat davon vor allem der Kölner Stadtanzeiger profitiert, weil dessen Berichterstattung eine bestimmte Stoßrichtung hatte. Diesmal spielt das Ergebnis allerdings der anderen Seite in die Karten. Daher ist es jetzt das Internetportal kath.net, das die Informationen offenbar zugespielt bekommen und publiziert hat.

DOMRADIO.DE: Wie wird es denn jetzt weitergehen?

Stens: Erzbischof Ladaria hat zu Beginn seines Briefes an Kardinal Marx die "vielfältigen ökumenischen Bemühungen" der deutschen Bischöfe grundsätzlich gewürdigt. Insofern wird jetzt auch der Vatikan seine Hausaufgaben machen. Das heißt aber nicht, dass nun alles zentralistisch geregelt werden soll. Ladaria schreibt nämlich auch, es sei "angebracht, das Urteil über das Vorliegen einer 'drängenden schweren Notlage' dem Diözesanbischof zu überlassen."

Dieser untersteht jetzt also nicht dem Mehrheitsentscheid einer regionalen oder nationalen Bischofskonferenz. Bemerkenswert ist in dieser Hinsicht auch, dass Erzbischof Ladaria darauf hinweist, es sei Papst Franziskus ein großes Anliegen, dass der "Geist bischöflicher Kollegialität lebendig" bleibt.

Das Interview führte Heike Sicconi.

(DR)

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