Rasten und inne halten: Neue Radwegekirche in NRW
Rasten und inne halten: Neue Radwegekirche in NRW
Radweg-Kapelle in Gundelfingen
Radweg-Kapelle in Gundelfingen

01.06.2018

Neue Gotteshäuser an Radwegen werden teils gut versteckt Ungewöhnliche Kapellen an ungewöhnlichen Orten

Bei dem Projekt entstehen Sakralbauten an abgelegenen Orten, die rund um die Uhr geöffnet sein sollen. Angst vor Vandalismus haben die Verantwortlichen deswegen nicht - dafür aber einen Stararchitekten an Bord geholt.

Das erlebt man selten in einem Gotteshaus: Eine Amsel trippelt herein, eine Hummel brummt durch den Raum, auch ein Schmetterling gaukelt seines Weges. Ein Windstoß bläst ihn jedoch gleich wieder hinaus. Sie hat etwas von einem Wildgehege, die neue Kapelle am Radweg zwischen Gundelfingen und Offingen im äußersten Westen Bayerns.

Kein Wunder: Der Bau ist nach vier Seiten zur Natur offen, umgeben von Weihern und Feldern. Er ist die erste fertige Kapelle von insgesamt sieben, die bis Herbst 2019 an Radwegen in Bayerisch-Schwaben entstehen sollen.

Stiftung baut Sakralgebäude

Hinter dem Projekt steckt die private Siegfried-und-Elfriede-Denzel-Stiftung, benannt nach einem Holzunternehmer-Ehepaar aus Wertingen im schwäbischen Landkreis Dillingen. Dort und im angrenzenden Landkreis Augsburg baut die Stiftung die Sakralgebäude. "Das Radfahren gewinnt durch die zunehmende Elektromobilität immer mehr an Bedeutung", sagt Peter Fassl.

Der stellvertretende Vorsitzende der Stiftung und Heimatpfleger des Bezirks Schwaben mit Sitz in Augsburg ergänzt: "Die Kapellen sollen für die wachsende Zahl der Radler ein Ort der Einkehr, der Rast und des Schutzes sein."

Das Bauprojekt also als bloße Nettigkeitsgeste für Ausflügler, die in die Pedale treten? Nicht ganz. Die Denzels hätten ihre Stiftung 2016 gegründet, um Kunst, Kultur und Geschichte und besonders auch Kirche und Religion zu fördern, erzählt Fassl. "Sie wollten etwas Dauerhaftes schaffen und etwas, das an früher anknüpft. So habe ich ihnen die Kapellen vorgeschlagen. Denn einst gaben vor allem religiöse Zeichen wie Wegmarterl Reisenden Maß und Orientierung. Diese Tradition geistlicher Kartierung greifen wir nun auf. Und sieben Bauten werden es, weil diese Zahl in der christlich-jüdischen Geschichte so bedeutsam ist, etwa in den sieben Schöpfungstagen."

Kapellen sind für jeden da

Rund eine Million Euro gibt die Stiftung dafür aus. Die Bauwerke sollen in Emersacker, Kesselostheim, Oberbechingen, Oberthürheim, Unterliezheim und Buttenwiesen entstehen. Das Gotteshaus bei Gundelfingen wird kommenden Samstag bereits gesegnet - ökumenisch.

"Die Kapellen sind für jeden da", meint Fassl. Gleichwohl sei der Stifter explizit katholisch, er habe sich in der Vergangenheit schon mehrfach für die Kirche engagiert.

"Er hat zum Beispiel den Prämonstratensern im Kloster Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm eine Statue des heiligen Norbert, ihres Gründers, gestiftet", berichtet Fassl. "Denzels Familienhistorie ist eng mit der Religion verbunden: Die Anfänge seiner Holzfirma entstanden im 13. Jahrhundert als Mühle eines Klosters."

Holz ist für die Denzels also seit Jahrhunderten elementar, und so entstehen auch die Kapellen wesentlich aus diesem Material. Der bereits fertige Bau besteht aus zwölf Lärchenstämmen, die in rund fünf Metern Höhe ein Holzdach tragen. Sie bilden einen ebenso langen kreuzförmigen Grundriss.

Gut verstecktes Gotteshaus

Dadurch gibt es zwei Sitznischen mit Stahltischen und -hockern. Dazwischen liegt ein Granitstein, über dem eine runde orangefarbene Glasscheibe mit eingefasstem Kreuz hängt. An drei Seiten sind nicht ganz wandfüllende Glastafeln montiert. Darauf stehen Sprüche wie dieser von Charles Darwin: "Alles, was gegen die Natur ist, hat keinen Bestand."

Passend also, dass einer der Folgebauten in der Natur wohl geradezu verschwinden wird: Der englische Stararchitekt John Pawson hat bei Unterliezheim eine Kapelle im Wald konzipiert. Geplant ist ein zwölf Meter langer und acht Meter hoher Block mit nur drei Lichtöffnungen und Saunaanmutung, der sich mit seiner Douglasienholzoptik fast natürlich zwischen die Stämme einfügt. Dieses Gotteshaus wird also gut versteckt, doch wer es findet, der kann es - wie die anderen auch - rund um die Uhr besuchen.

Gibt's denn keine Angst vor Vandalismus, zumal die Kapellen allesamt recht abgelegen stehen? "Wir haben in den einzelnen Orten dafür gesorgt, dass jeweils Leute aus der Umgebung ein Auge auf die Kapellen haben", antwortet Peter Fassl. Und: Klar, die Gefahr von Zerstörung bestehe. "Aber wenn man sich davon leiten ließe, könnte man eh nur noch große Mauern bauen."

Christopher Beschnitt
(KNA)

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