Bischof Peter Kohlgraf
Bischof Peter Kohlgraf im Ornat

13.05.2018

Mainzer Bischof hofft auf baldige Klärung im Kommunionstreit Einmütig ist nicht einstimmig

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hofft auf eine baldige Klärung im Kommunionstreit der katholischen Bischöfe in Deutschland. Durch den Brief von sieben seiner Bischofs-Kollegen an den Vatikan, in dem vor einer Gefährdung des Glaubens und der Kircheneinheit gewarnt werde, fühle er sich "persönlich getroffen".

"Der Papst erwartet von uns eine 'möglichst einmütige' Haltung", sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgrafin einem Interview des "Kölner Stadt-Anzeigers" (Montag). Das sei nicht das Gleiche wie "Einstimmigkeit", betonte der Bischof. "Ich stelle mir vor, dass wir über unsere Handreichung noch einmal so diskutieren, dass die Minderheit nicht das Gesicht verliert, aber auch keinem der anderen mehr das Katholischsein abspricht."

Die Bischöfe hatten sich im Februar mit Dreiviertel-Mehrheit auf die bislang noch unveröffentlichte Handreichung geeinigt. Sie soll nichtkatholischen Ehepartnern in Einzelfällen den Kommunionempfang erlauben. Sieben Bischöfe mit dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki an der Spitze baten daraufhin schriftlich den Vatikan um Klarstellung, ob eine solche Regelung von einer Bischofskonferenz beschlossen werden kann. Der Vatikan verwies den Konflikt an die deutschen Bischöfe zurück.

Worum gehts hier übrhaupt?

Mit Blick auf die Position Woelkis und dessen Mitunterzeichner sagte der Bischof von Mainz: "Wir müssen heraus aus dieser Logik der Unterstellung und des Verdachts, die so tut, als wäre die Mehrheitsposition lehramtlich nicht mehr in der Spur." Er fühle sich "persönlich getroffen", so Kohlgraf, "wenn der Brief der sieben Bischöfe nach Rom davor warnt, durch mein Votum, zusammen mit der Mehrheit meiner Mitbrüder, gerieten die Substanz des Glaubens und die Einheit der Kirche in Gefahr. Wenn ich den Papst richtig verstehe, dann sieht er diese Gefahr nicht."

Es gelte nun, den gemischt-konfessionellen Paaren, die darin überhaupt noch ein Problem sähen, zu vermitteln, "was wir Bischöfe zum gemeinsamen Kommunionempfang sagen". Die Praxis sehe ohnehin anders aus: "Die Leute stimmen mit den Füßen ab", so Kohlgraf. "Ich bin der Letzte, der sagt: 'Gut, dann laufen wir halt hinterher.' Aber umgekehrt frage ich mich: Denken wir eigentlich, wir müssten den lieben Gott beschützen, indem wir bestimmen, wer zur Kommunion gehen darf und wer nicht?"

Solle es trotz aller Diskussionen bei einem Dissens der Bischöfe bleiben, stünde es nach den Worten Kohlgrafs jedem Bischof frei, die Handreichung für sein Bistum in Kraft zu setzen. "Ich fände es dann aber auch spannend zu sehen, was passiert, wenn in Köln etwas anderes gilt als in Aachen. Ich bin sicher, das Unverständnis würde noch größer und auch der Unmut darüber, wie es in unserer Kirche läuft.", so Kohlgraf, der vor seiner Ernennung zum Bischof als Pastoraltheologe an der Katholischen Hochschule Mainz lehrte. "Ich höre die Menschen doch schon jetzt sagen, 'wir können nicht mehr ernst nehmen, was ihr Bischöfe da macht'."

Kritik an bayerischem Kreuz-Erlass 

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat die Kreuzpflicht für bayerische Behörden als ausgrenzend, abwertend und gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt kritisiert. "Mich erreichen ausschließlich Reaktionen von der Art 'Gott sei Dank zeigt's mal einer diesen Muslimen und den Gottlosen'", sagte Kohlgraf dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Montag). "Es kann es nicht sein, dass unter Zuhilfenahme des Kreuzes die Feindbilder größer, die Töne aggressiver und die Risse tiefer werden – bis hin zur Gefahr einer Spaltung der Gesellschaft", warnte Kohlgraf. Die Kritik von CSU-Politikern, die Bischöfe stünden nicht mehr zum Kreuz, wenn sie sich von Söders Kurs distanzierten, nannte Kohlgraf "kompletten Unsinn".

Im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude soll ab dem 1. Juni ein Kreuz hängen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte Ende April zu dem Beschluss des Landeskabinetts: "Das Kreuz ist grundlegendes Symbol unserer bayerischen Identität und Lebensart." Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte den Beschluss kritisiert, weil er "Spaltung, Unruhe, Gegeneinander" schaffe. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte die Kritik zurückgewiesen.

(KNA)

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