Bischof Markus Dröge in der Gedächtniskirche
Bischof Markus Dröge in der Gedächtniskirche

05.12.2017

Bischof Dröge fordert Mut zu kontroversen Diskussionen Werteverschiebungen beobachtet

Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, fordert von Kirche mehr Mut zu kontroversen Diskussionen über Rechtspopulismus und gesellschaftliche Themen.

Die Aufgabe und Haltung der christlichen Kirchen müsse klar sein, sagte er am Montagabend in Köln. Wo es um die Menschenwürde aller Menschen gehe, "da haben katholische und evangelische Kirche mit einer Stimme gesprochen und sehr klar gemacht, dass Hass, menschenverachtende Thesen, Rassismus in jeder Form, mit einer christlichen Grundhaltung nicht zu vereinbaren sind", betonte Dröge auf dem Jahresempfang der evangelischen Kirche in Köln.

Beim Grundkonsens, dass die Würde des Menschen unantastbar sei, seien in den vergangenen Jahren Werteverschiebungen zu beobachten, sagte der Theologe. "Rechtspopulistische Funktionäre setzen kleine Nadelstiche, bringen spielerisch provozierende Thesen ein, die, nachdem sie sich genügend verbreitet haben, jonglierend wieder zurückgenommen werden." So verschiebe sich die Werteordnung dessen, was als anständig gelte. Es bestehe die Gefahr der Gewaltduldung, mahnte er. Völkisches Gedankengut werde salonfähig.

"Kunststück der Nächstenliebe"

Kein Pfarrer, der auf die Barmer Theologische Erklärung ordiniert sei, könne eine völkische Ideologie vertreten, wenn er das Ordinationsgelübde ernst nehme, mahnte Dröge. Doch müssten sich Pfarrer mit einzelnen Gemeindegliedern auseinandersetzen, die dieser Ideologie anhingen. In der Gemeinde vor Ort müsse unterschieden werden zwischen der Person, die man ernst nehme, und den Thesen, die man sachlich zu widerlegen habe. Das sei bisweilen ein "Kunststück der Nächstenliebe".

In den östlichen Bundesländern träten heute oft verdrängte Verletzungen mit Macht an die Oberfläche. Dafür müsse Verständnis aufgebracht werden, sagte der Bischof. Sicher sei aber, dass Nationalismus, Menschenverachtung und Schuldzuweisungen an die Schwächsten keine Lösung sei. Doch das "Erfolgsmodell freiheitliche Demokratie" sei bedroht. Es herrsche eine kritische Phase, in der unerschrocken und ruhig die Linie gehalten werden müsse. "Das führt zum Erfolg."

(epd)