Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer
Präses der EKD-Synode Irmgard Schwaetzer

14.11.2017

EKD-Präses Schwaetzer zur Ökumene in der Zukunft "Gesellschaft in Vielfalt"

Die Zusammenarbeit zwischen der evangelischen und katholischen Kirche ist auch Thema der Synode der EKD. "Wir gucken, was uns nicht mehr trennt - das ist eine ganze Menge", sagt Präses Schwaetzer gegenüber domradio.de

domradio.de: Begonnen hat die Synode am Sonntag ja ökumenisch, also mit katholischer Beteiligung. Unter anderem war Kardinal Woelki da. Wie weit sehen Sie sich inhaltlich-theologisch von den Katholiken entfernt?

Irmgard Schwaetzer (Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland): Kardinal Woelki hat seine Position zu dem Motto unserer Synode  - "Zukunft auf gutem Grund" - dargelegt. Er hat dabei auch eine ganze Reihe Gemeinsamkeiten gefunden. Das ist das Allerwichtigste: Dass wir als erstes darauf gucken, was uns nicht mehr trennt, sondern wo wir in den letzten 500 Jahren wieder zugewachsen sind.

Da hat das Vatikanische Konzil mit seinen vielfach weiterentwickelten Positionen auf der katholischen Seite einen guten Grund geliefert. Auf der evangelischen Seite hat die sogenannte Leuenberger Konkordie mit dem Betreff der "Einheit in versöhnter Verschiedenheit" auch eine ganze Reihe Wege geebnet. Wir gucken, was uns nicht mehr trennt - und das ist eine ganze Menge.

domradio.de: Das klingt sehr positiv. Wenn Sie jetzt mal ein Blick in die nähere Zukunft werfen - sagen wir mal 25 Jahre - sehen Sie die beiden großen Kirchen wieder vereint?

Präses Schwaetzer: Ich glaube, wir müssen uns als erstes darüber klar werden, was Einheit für eine Kirche bedeutet. Wenn wir auf die römisch-katholische Weltkirche schauen, sehen wir auch sehr unterschiedliche Strömungen.

Wenn wir auf die Protestanten gucken, sehen wir auch da eine weitere Aufspaltung. Aber das gehört heute sehr viel stärker zu den akzeptierten Dingen in unserer Gesellschaft. Denn wir sind eine Gesellschaft in Vielfalt.

domradio.de: Am Ende kann man natürlich auch in Vielfalt an einem Strang ziehen. Das macht in den heutigen Zeiten auch durchaus Sinn. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm hat gesagt, die Kirche sei für junge Menschen im Moment kaum mehr relevant. Haben Sie da Strategien, um auch Jugendliche wieder mehr zu begeistern?

Präses Schwaetzer: Wir sind hier zusammengekommen, um eine erste Auswertung bestimmter Aspekte des Reformationsjubiläums vorzunehmen. Da steht die Frage, wie wir in der Zukunft Jugendliche für den Glauben begeistern können, ganz oben. Wir haben auch jetzt schon den Synodalen vorgeschlagen, unsere Tagung im nächsten Jahr ganz in das Licht dieser Frage hinein zu stellen. Denn es ist in der Tat dringend notwendig.

Wir wissen, das es einen Traditionsabbruch in der religiösen Sozialisation gibt. Wer aber als Kind mit religiösen Fragen nicht in Berührung gekommen ist, der hat es erfahrungsgemäß auch später schwer. Dem kommt der Gedanke, dass ihm etwas fehlt, eben deutlich seltener. Und deswegen ist es schon wichtig.

Wir sind davon überzeugt, dass unser Glaube nicht nur uns trägt, sondern etwas Gutes für den Menschen beinhaltet. Deshalb wollen wir Kinder und Jugendliche mit diesem Glauben in Berührung bringen.

Das Interview führte Verena Tröster.

(dr)

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