Emporgerecktes Kreuz
Symbolbild Ökumene
Papst Franziskus und Heinrich Bedford-Strohm
Papst Franziskus und Heinrich Bedford-Strohm

28.10.2017

Bedford-Strohm zieht Bilanz des Reformationsjahres "Christus stand im Zentrum"

Große Hoffnungen für die Ökumene wurden in das Reformationsjahr 2017 gesetzt. Im Gespräch mit domradio.de resümiert EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm, was das Gedenkjahr der Ökumene gebracht hat.

domradio.de: Das Reformationsjahr 2017 geht zu Ende. Ein wichtiges Thema war und ist noch die Ökumene. Sind wir heute näher dran, als noch vor einem Jahr?

Heinrich Bedford-Strohm (Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland): Auf jeden Fall. Durch das Vertrauen, das in dieser Zeit zwischen den Kirchen gewachsen ist, ist auch die Empfindlichkeit gegen vermeintliche Misstöne der anderen Seite viel geringer geworden. Wenn jemand etwas sagt, das missverstehen werden könnte, dann wird nicht sofort unterstellt, die andere Seite will uns abwerten. Man kommt ins Gespräch, weil man weiß, dass man einander vertrauen kann. Das ist der große Gewinn, dass es dieses Vertrauenskapital jetzt gibt.

domradio.de: Was hat sich im Jahr 2017 denn verändert?

Bedford-Strohm: Ganz einfach - Christus stand im Zentrum. Wir haben am Anfang des Jahres ganz bewusst gesagt, dass wir dieses Reformationsjubiläum zum ersten Mal in der Geschichte nicht einfach als ein ausgrenzendes Jubiläum feiern wollen. Es sollte kein Jubiläum sein, bei dem wir als Protestanten unseren Wert steigern, indem wir die Katholiken abwerten. Dadurch, dass wir die Entscheidung getroffen haben, den anlass unter das Stichwort "Christusfest" zu stellen, waren Katholiken auch eingeladen. Sie haben sich auch eingeladen gefühlt, mitzufeiern und mitzugedenken. Das ist, glaube ich, genau das, was Martin Luther selber wollte. Er wollte ja nicht eine neue Kirche gründen, sondern er wollte Christus neu entdecken. Vor 500 Jahren wurde in Wittenberg eine religiöse Erneuerungsbewegung losgetreten. Genau solch eine Erneuerungsbewegung brauchen wir heute auch. Und das geht nur noch ökumenisch.

domradio.de: Wie muss es damit jetzt weitergehen?

Bedford-Strohm: Wir müssen anknüpfen an dem Vertrauen, das gewachsen ist. Dabei haben wir alle unsere Hausaufgaben zu erledigen. Auch für die Evangelischen gibt es Punkte, in denen wir uns bewegen müssen. Ich nenne mal das Stichwort "Abendmahlsfrömmigkeit". Wir müssen zunächst einmal verstehen, warum es für Katholiken so entscheidend ist, dass das Abendmahl Teil des Gottesdienstes ist. Auch der sorgsame Umgang mit dem Abendmahl. Das Bewusstsein, wie kostbar dieses ist, das ist etwas, das wir als Protestanten neu entdecken müssen. Auch wenn ich das jetzt schon so wahrnehme, dass das Abendmahl eine starke Bedeutung auch für uns hat. Auch die regelmäßige Teilnahme am Abendmahl steht anders als früher jetzt wieder oft im Zentrum. Mit Sicherheit gibt es indes auch Punkte, wo ich hoffe, dass etwa auf Seiten der katholischen Bischofskonferenz ein Zeichen gesetzt wird; dass zum Beispiel konfessionsverbindende Ehen gemeinsam zum Abendmahl gehen können. Da laufen im Moment die Diskussionen und ich bin einfach gespannt.

domradio.de: Gibt es schon konkrete Schritte?

Bedford-Strohm: Das Papier der EKD habe ich ja gerade schon erwähnt. Das ist aber etwas, das ich von außen nicht beeinflussen kann und nicht will. Es gibt aber zudem auch den konkreten Auftrag an eine Arbeitsgruppe, die darüber nachdenken soll, was überhaupt "versöhnte Verschiedenheit" heißt. Das ist ein Wort, das wir im Moment oft gebrauchen. Unser Ziel ist die "sichtbare Einheit in versöhnter Verschiedenheit". Was ist die Zielvorstellung von Ökumene? Verschiedenheit darf und soll sein, sie muss aber so bestimmt werden, dass sie nicht kirchentrennend ist. Welche Punkte trennen uns wirklich - und welche Punkte können wir in dieser Verschiedenheit auch gut vertragen und vielleicht auch als Bereicherung sehen? Diese Fragen wollen wir etwas näher noch festhalten. Theologische Gespräche alleine tun es aber nicht. Es muss die gelebte Gemeinschaft dazu kommen. Da sind wir in diesem Jahr sehr viel weiter gekommen. In Zukunft werden wir hoffentlich auch mehr als früher ökumenische Gottesdienste feiern.

domradio.de: … also ganz im Sinne von Papst Franziskus. Miteinander und Seelsorge stehen vor Theologie und Dogma, oder?

Bedford-Strohm: Ich glaube, dass die pastorale Dimension in der Tat eine viel zentralere Bedeutung haben muss, und auch schon hat. Dass Papst Franziskus diese pastorale Dimension so ins Zentrum stellt, ist dabei ein starker Rückenwind. Er sagt: "Wir müssen eine Antwort finden auf die Sehnsucht der Menschen gemeinsam zum Tisch des Herren gehen zu können." Diesen Satz kann ich nur dick unterstreichen.

Das Gespräch führte Renardo Schlegelmilch

(DR)

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