Die weiße Taube als Symbol des Friedens
Friedenstaube
Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes
Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes

22.10.2017

Augsburger Friedenspreis für Theologe Martin Junge Glaube als Kontrapunkt

Der evangelische Theologe Martin Junge nahm am Samstagabend den Ausgburger Friedenspreis in Empfang. Er kritisierte die Abschottung gegen Flüchtlinge und dankte zugleich den Kirchen für ihren Einsatz, die Mut und Hoffnung mache.

Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), hat am Samstagabend im Augsburger Rathaus den Augsburger Friedenspreis erhalten. Junge dankte im Rahmen der Feierlichkeiten den Kirchen und Gemeinden in Deutschland für ihren Einsatz für Flüchtlinge. Dieser mache Mut und Hoffnung bei "all den befremdenden Tönen, die wir aus dem europäischen Kontext auf Weltebene hören".

Religionsvertreter müssten aber "wachsam bleiben" und darauf achten, dass Religion nicht politisch instrumentalisiert werde.

Glaube auf Dialog ausgerichtet

Junge ergänzte, Glaube verbinde und sei auf Dialog und Begegnung ausgerichtet. Er sei ein "Kontrapunkt zu Entwicklungen unserer gegenwärtigen Zeit, in der das Verbindende am Schwinden ist". Gerade in diesen Zeiten sei Kirche gefragt und gefordert. Im Zusammenhang mit dem aktuellen Reformationsgedenkjahr fügte Junge hinzu, Lutheraner und Katholiken verbinde weitaus mehr, als sie trenne.

"Diese Einsicht galt es in die Reformationsgedenkfeiern hineinzunehmen, statt sie auszublenden oder zu vergessen." Er sei der katholischen Kirche dankbar, dass sie diesen Weg mitgegangen sei, so Junge. "Gemeinsam konnten wir sagen, dass wir die Anliegen der Reformation heute positiv bewerten können, dass wir gewesene und gegenwärtige Gewalt im Namen von Religion nicht rechtfertigen wollen, und dass wir uns vom Konflikt abwenden, um uns der Gemeinschaft zuzuwenden."

Sich nicht gegen Flüchtlinge abschotten

Neben Lob fand der 56-jährige chilenische Theologe auch kritische Worte. Er warnte vor einer Abschottung Europas gegen Flüchtlinge und mahnte die Wahrung der Menschenrechte an. "Wer behauptet, Europa müsse seine Grenzen dichtmachen, um dadurch seine christliche Identität zu schützen, hat nichts vom christlichen Glauben und von seinem Gebot der Nächstenliebe verstanden", sagte der Preisträger.

Mit Abschottung werde christliche Identität keinesfalls geschützt, unterstrich Junge: "Abschottung widerspricht der Grunddynamik des christlichen Glaubens." Der Theologe rief dazu auf, beim Umgang mit Flüchtlingen deren Menschenrechte zu wahren: "Flüchtlinge lassen vieles zurück, wenn sie fliehen, jedoch nie ihre Menschenrechte."

Darum dürften sie auch nicht in Gefängnissen gehalten oder in unsichere Herkunftsländer zurückgeschickt werden: "All das passiert jedoch zurzeit."

Versöhnung der Konfessionen

Junge ist der erste lateinamerikanische Generalsekretär des Weltbundes. Der Sohn einer österreichischen Mutter und eines chilenischen Vaters war zuvor Präsident der evangelisch-lutherischen Kirche in Chile und machte sich dort insbesondere um die Ökumene verdient.

Junges "Charakter und sein Führungsstil haben ihm zu wohlverdienter Anerkennung verholfen", sagte César García bei der Preisverleihung. Der Präsident der mennonitischen Weltkonferenz hielt die Laudatio auf den Preisträger. Er hob Junges "unermüdliche Arbeit für die Versöhnung zwischen den Konfessionen und für das Streben nach Gerechtigkeit und Frieden" hervor.

Brückenbauer zwischen den Kontinenten

Garcia ergänzte mit Blick auf Auseinandersetzungen in der Reformationszeit: "Vor Jahrhunderten wäre es unvorstellbar gewesen, dass eine anabaptistisch-mennonitische Führungsperson zu Ehren einer lutherischen Führungsperson in dieser Stadt spricht." Doch die Jahre der religiösen Gewalt seien vorbei, auch dank Versöhnungsleistungen Martin Junges.

Garcia erklärte weiter, in einer Zeit, in der Führer Angst schürten, gelte es, eine Führung wie die von Junge, die im Stile Jesu leite, für das Wohl der Menschheit zu fördern und nachzuahmen. Der evangelische Augsburger Regionalbischof und Vorsitzende der Friedenspreis-Jury, Michael Grabow, fügte hinzu, Junge sei ein "unermüdlicher Brückenbauer zwischen den Kontinenten und Kulturen, zwischen Konfessionen und Religionen".

(KNA, epd)

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