Postkarte mit Porträt von Martin Luther
Postkarte mit Porträt von Martin Luther

17.10.2017

NRW würdigt Reformation als Ereignis mit Weltbedeutung Aufruf zu mehr Ökumene

Mit einem Festakt hat der NRW-Landtag am Dienstag in Düsseldorf die Bedeutung der Reformation vor 500 Jahren gewürdigt. Der Journalist Hans Leyendecker nannte die Reformation in seiner Festrede eine "Unabhängigkeitserklärung mit Weltbedeutung".

Sie stehe für Freiheit von der Kurie, der Inquisition und der "Dogmenhuberei", aber auch für Verantwortung, Bildung und die Bedeutung des Wortes, sagte Leyendecker vor den Abgeordneten sowie Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Spitzenvertretern der Kirchen. Zudem sei sie ein Motor der Hochkultur.

Gastgeber des Festakts waren Landtagspräsident André Kuper (CDU) und die leitenden Geistlichen der drei evangelischen Landeskirchen in Nordrhein-Westfalen. Am 31. Oktober jährt sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen, die Martin Luther (1483-1546) der Überlieferung nach an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg schlug. Am Reformationstag, der in diesem Jahr einmalig bundesweit gesetzlicher Feiertag ist, endet zugleich das Jubiläumsjahr, mit dem die evangelische Kirche 500 Jahre Reformation feiert.

Leyendecker fordert gemeinsames Abendmahl

Leyendecker beklagte den sinkenden Anteil der Christen in Deutschland und rief die Kirchen zu mehr konkreter und spürbarer Ökumene auf. "Es gibt heute viel mehr, was uns eint, als das, was uns trennt", sagte der Präsident des evangelischen Kirchentages 2019 in Dortmund laut Redetext. Noch nie in den letzten 500 Jahren seien sich die Kirchen so nah und das wechselseitige Verständnis so groß gewesen. Dabei sei das Kirchenvolk längst weiter als die Bischöfe und theologischen Experten: "Die Leute machen keinen Unterschied mehr zwischen den Konfessionen."

Vehement forderte Leyendecker ein gemeinsames Abendmahl von Protestanten und Katholiken. "Niemand sollte mündigen Christen vorschreiben, die Einladung zum heiligen Abendmahl einer anderen Kirche nicht annehmen zu dürfen", sagte er. "Dass beispielsweise gemischt konfessionelle Paare kein gemeinsames Abendmahl haben sollen, ist doch ein Ärgernis, das zum Himmel schreit." Sogar Nichtchristen könnten nicht verstehen, "dass Christen Christen aussperren".

Gemeinsames Eintreten für Barmherzigkeit

Die "Wunde der Trennung am Tisch des gemeinsamen Herrn Christus" empfinde er als existenziell, sagte Leyendecker, der selbst vom Katholizismus zum Protestantismus konvertierte. Seit Jahrzehnten sei er in der evangelischen Kirche zu Hause, schätze aber auch an der katholischen Kirche "eine ganze Menge".

Einen müsse die Christen auch das Eintreten für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, unterstrich der 68-Jährige. "Wer als Christenmensch nicht den Mut hat, für die Schwachen da zu sein, braucht nicht von Gott zu reden." Seit der Bundestagswahl führten jedoch einige Vertreter christlicher Parteien eine Debatte "nach dem Motto, dass man Fremdenfeindlichkeit nicht den Rechtsradikalen oder den rechten Populisten überlassen dürfe", kritisierte Leyendecker. "Wer das meint, ist nicht mal ein halber Christ."

Präses Kurschus: Angstfreies Gegenüber

Die evangelische Kirche sieht keine Alternative zur politischen Auseinandersetzung mit Parteien und Staat. In einem "angstfreien Gegenüber" zwischen Kirche und Politik müsse "auch laut gestritten werden", erklärte die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus. Aber ein solcher Streit dürfe "nicht unbarmherzig, nicht verächtlich und schon gar nicht gnadenlos" geführt werden. Bei allem Ringen um Wahrheit sei die Reformationszeit davon geprägt worden, "dass die Diskursräume weiter statt enger wurde".

Der Glaube sei "keine Privatsache", betonte Kurschus. Darum brächten sich Kirchen in öffentliche Angelegenheiten ein. Aber nicht jedes Geschrei sei mit Evangelium vereinbar. Der christliche Glaube sei immer wieder "für Parolen des Eigensinns, der Ausgrenzung und des blanken Hasses" in Anspruch genommen worden, kritisierte die leitende Theologin. Dies habe Deutschland in den letzten Jahren und Monaten auf "allerlei hässliche und erschreckende Weise" erfahren, sagte sie in Anspielung an zunehmenden Rechtspopulismus.

Bei dem Festakt vor 300 Gästen im Plenarsaal des Landtags lobte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dass im Jubiläumsjahr der Reformation "nicht das Trennende, sondern das Verbindende" zwischen den beiden Konfessionen betont werde. Die Werte des Christentums und der Reformation hätten das bevölkerungsreichste Bundesland entscheidend geprägt. Deshalb sei er froh, dass das Gedenken an 500 Jahre Reformation "im politischen Herzen unseres Landes" begangen werde.

(epd, KNA)

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