17.09.2017

Ökumenefest schließt mit stärkerer Zusammenarbeit der Christen Einsatz für gerechtere Welt

Beim "Ökumenischen Fest" am Wochenende in Bochum stand der gesellschaftliche Auftrag der Katholiken und Protestanten im Fokus. Bundestagspräsident Lammert kritisierte fehlende Fortschritte in der Ökumene.

Mit einem stimmungsvollen Gottesdienst mit rund 850 Teilnehmern vor dem Bochumer Bergbaumuseum und dem Aufruf, sich als katholische und evangelische Christen noch stärker gemeinsam für eine gerechte Welt einzusetzen, ist am Samstagabend in der Ruhrgebietsstadt das "Ökumenische Fest" zu Ende gegangen. "Was wir in die Gesellschaft einbringen ist – nicht nur, aber vor allem – die Hoffnung", betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz, Kardinal Marx, in seiner gemeinsamen Predigt mit dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm.

"Ich wünsche mir, dass wir uns gemeinsam einsetzen für eine Welt, in der alle Menschen in Würde leben können", betonte Bedford-Strohm. Er schlug vor, Regierungen sollten jede Entscheidung auf ihre "Eine-Welt-Verträglichkeit" überprüfen.

Ökumenisch arbeiten

Nach dem ökumenischen Buß- und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim im März war das "Ökumenische Fest" in Bochum ein weiterer explizit gemeinsamer Akzent beider großen Kirchen in Deutschland im Jahr des Reformationsgedenkens. Nach der Aufarbeitung gegenseitiger Anfeindungen und Verfehlungen in 500 Jahren Kirchenspaltung in Hildesheim stand in Bochum die Vergewisserung des gemeinsamen Dienstes in der Gesellschaft im Fokus. "Die Gestaltung der Welt ist ein christlicher Auftrag", hob der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hervor und ergänzte: "Die Menschen werden es nicht mehr verstehen, wenn wir diesen Auftrag nicht gemeinsam tun."

Kirchen zu politisch?

Bedford-Strohm verwies in der Predigt auf die Menschen in Tansania, die bei einem minimalen Kohlendioxid-Ausstoß massiv unter der Erderwärmung litten. "Wenn wir ernst nehmen, dass diese Menschen unsere Schwestern und Brüder sind, ist die Frage des Klimawandels für uns nicht nur eine moralische, sondern auch eine geistige", so der EKD-Ratsvorsitzende. Gemeinsam wandten sich Marx und Bedford-Strohm gegen den Vorwurf, die Kirchen seien zu politisch: "Ich kann nicht von Jesus, dem Gekreuzigten, sprechen, wenn ich nicht auch von Leiden spreche", so Marx. Die Kirchen hätten "nicht die besseren politischen Konzepte", sagte Bedford-Strohm. Christen forderten aber, dass politische Konzepte entwickelt würden, die der Hoffnung auf eine bessere Welt für alle Menschen Ausdruck verliehen. Gerade jetzt müssten die Christen zudem Zeichen gegen Abschottung, Eigeninteressen, Selbstbezogenheit und alles setzen, "was gegen Friedfertigkeit ist", forderte Marx.

"Wie im Himmel, so auf Erden"

Beim Auftakt des Fests am Morgen hatten zunächst Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, mit einem gemeinsamen Morgengebet zum Motto "Wie im Himmel, so auf Erden" gestaltet. Anschließend kritisierte der scheidende Bundestagspräsident und Bochumer Katholik Norbert Lammert in seinem Gastvortrag mit deutlichen Worten fehlende Fortschritte in der Ökumene. Zwar lobte er "die völlig neue Tonlage im Umgang der Konfessionen miteinander, die sich auf spektakuläre Weise von allen bisherigen Reformationsjubiläen unterscheidet". Zudem gebe es heute so viel Zusammenarbeit zwischen den Konfessionen "wie nie". Er habe jedoch "die Sorge, dass wir uns in diesem angenehmen Zustand längst eingerichtet haben", so Lammert. Er warf den Kirchen ein "Selbstbehauptungsbedürfnis" vor und bemängelte, dass es immer noch kein gemeinsames Abendmahl gebe: "Nirgends ist Christen der verheißene Himmel näher auf Erden als im von Christus gestifteten Abendmahl", so Lammert.

Zur Frage, wie man denn den Himmel erden könne, saß danach auch Pater Oliver Potschien mit auf dem Podium, Leiter des Sozialpastoralen Zentrums St. Peter in Duisburg Marxloh. Vor den Sommerferien hätten wöchentlich rund 1000 Menschen im ehemaligen Pfarrhaus von St. Peter um Hilfe gefragt. "Ob die bei uns den Himmel suchen, weiß ich nicht – aber ich weiß, dass sie versuchen, der Hölle zu entkommen", sagte der Prämonstratenser-Pater.

Vielfältiges Rahmenprogramm

In einem bunten Nachmittagsprogramm konnten sich die Teilnehmer – wie bei einem kleinen Katholiken- oder Kirchentag – an gut einem Dutzend Treffpunkten in der Bochumer Innenstadt mit der Ökumene, gesellschaftlichen Fragen oder kulturellen Themen beschäftigen. Während einige Teilnehmer etwa das neue Bochumer Musikforum an der ehemaligen St.-Marien-Kirche oder das Planetarium besuchten, sprachen andere über Angst und Demokratie oder "Was macht die Integration mit uns?".

Gemeinsam mit dem Essener Caritas-Direktor Björn Enno Hermans, dem Innogy-Vorstandsmitglied Hildegard Müller und der Dortmunder Pfarrerin Marit Günter diskutierte der Generalvikar des Bistums Essen, Klaus Pfeffer, über Strukturwandel. Deutlich wurde dabei, dass nicht nur die beiden großen Kirchen gleichermaßen vor einschneidenden Veränderungsprozessen stehen, sondern dass es auch deutliche Parallelen zum Wandel in der Industrie gibt. Überall müsse man "annehmen, dass Veränderung Teil des Lebens ist, man diese aber auch gestalten kann", betonte Müller. Zudem dürfe es nicht nur darum gehen, wie ein neues "Geschäftsmodell" aussehe, sondern auch, "welche Unternehmenskultur dazu passe", sagte die Managerin, die auch Mitglied im ZdK ist, mit Blick auf ihren Arbeitgeber, aber auch auf die Kirchen.

Thomas Rünker

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